Ein Erfahrungsbericht über die Arbeitsmarktsituation älterer ArbeitnehmerInnen

Nach seiner Kündigung machte Manfred mit 52 eine Umschulung zum Betriebslogistikkaufmann.

Interview

Manfred, 50+, arbeitslos

Ein Erfahrungsbericht über die Arbeitsmarktsituation älterer ArbeitnehmerInnen

Manfred Haslinger aus Oberösterreich wurde nach über 20 Jahren von seinem Arbeitgeber gekündigt. Als Konsequenz hat er mit 52 Jahren noch einmal einen neuen Job erlernt. Ohne diese Umschulung wäre er als Arbeitnehmer über 50 wahrscheinlich schwer vermittelbar gewesen. oegb.at hat Manfred zum Gespräch getroffen.

oegb.at: Du hast knapp nach deinem 50. Geburtstag deinen Job verloren — wie kam es dazu?

Manfred: Genau, ich war 21 Jahre lang in einer Firma für Metallwaren in Oberösterreich als Schlosserhelfer angestellt. Zu Beginn waren wir ca. 120 Mitarbeiter. Ich habe mich auch über 10 Jahre lang als Betriebsrat in dem Unternehmen engagiert. Trotzdem wurden zahlreiche MitarbeiterInnen abgebaut. Am Ende waren wir nicht einmal mehr 30 Personen und auch ich wurde leider gekündigt.

Wie ging dein Weg dann weiter?

Ich war gerade 50 Jahre alt geworden und wusste, es wird schwierig für mich werden, einen neuen Job zu finden. Für ältere ArbeitnehmerInnen gibt es nach wie vor zu wenig Unterstützung. Ich habe mich also erstmal beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldet und mir war schnell klar, dass ich meine Chance selbst ergreifen muss und wollte eine Umschulung. Das AMS hat mich dann an eine Arbeitsstiftung verwiesen, die mir eine Ausbildung zum Betriebslogistikkaufmann ermöglicht hat. Die Weiterbildung dauerte ein Jahr und war oft nicht einfach. Aber danach habe ich einen guten Job als Lagerleiter in einem Energieunternehmen in Steyr gefunden. Das wäre ohne die Umschulung nicht möglich gewesen.

Welche Unterstützung für ArbeitnehmerInnen über 50 Jahren wünschst du dir?

Eine Umschulung ist natürlich ein gewagter und auch anstrengender Schritt. Und man muss auch noch den richtigen Betrieb finden, um sich weiterzuentwickeln. Ich denke und weiß auch leider aus Erfahrung, dass nicht jeder eine Chance bekommt und diese auch nutzen kann. Es braucht vor allem eine finanzielle Absicherung. Daher würde ich mir wünschen, dass beispielsweise das Fortbildungsgeld erhöht wird. Sonst können sich viele KollegInnen nicht umschulen lassen, weil die Lebenskosten höher sind als das Einkommen.

Damit KollegInnen wie Manfred angemessen unterstützt werden, fordert der ÖGB für ältere ArbeitnehmerInnen:

  • die Förderung der beruflichen Fort- und Weiterbildung,
  • den weiteren Ausbau der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen für ältere ArbeitnehmerInnen, wie z.B. die Joboffensive 50plus oder die Aktion 20.000,
  • Geldstrafen für Unternehmen, die zu wenig ältere MitarbeiterInnen beschäftigen,
  • einen wirkungsvollen Kündigungsschutz sowie
  • die Verstärkung der Gesundheitsförderung auf betrieblicher Ebene.