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Arbeitszeit

Jede/r zweite Beschäftigte wünscht sich 30-Stunden-Woche

Hohe Zustimmung zur Arbeitszeitverkürzung auch bei Unternehmensvertretern

Man dürfe die Wirtschaft nicht noch stärker belasten, mit diesem Argumen signalisiert Wirtschaftsministerin Schramböck regelmäßig, über eine Arbeitszeitverkürzung nicht diskutieren zu wollen. Aber nicht nur unter den ArbeitnehmerInnen ist der Wunsch genau danach groß, auch unter den Arbeitgebern steigt die Zustimmung zu einer Arbeitszeitverkürzung: Laut einer aktuellen Online-Befragung des Jobportals karriere.at ist die 30-Stunden-Woche sowohl für ArbeitnehmerInnen als auch für Unternehmensvertreter die ideale Arbeitszeit.

Die Hälfte (49 Prozent) der rund 500 befragten ArbeitnehmerInnen meint demnach, dass 30 Wochenstunden perfekt wären. Eine Halbierung der Normalarbeitszeit auf 20 Stunden kann sich nur jeder Zehnte vorstellen. Die 35-Stunden-Woche wird von einem Viertel (23 Prozent) der Befragten als ideal bezeichnet, nur jede/r Fünfte wünscht sich die 40-Stunden-Woche.

60 Prozent der Unternehmensvertreter für 30-Stunden-Woche

Überraschender als die Zustimmung der ArbeitnehmerInnen zur 30-Stunden-Woche ist die der Arbeitgeber: Auch rund 60 Prozent der mehr als 200 Befragten geben nämlich die 30-Stunden-Woche als ideale Arbeitszeit an. Nur 12 Prozent halten die 40-Stunden-Woche für das beste Modell, eine Normalarbeitszeit von 35 Stunden findet 20 Prozent Zustimmung. Eine Halbierung auf 20 Stunden finden nur acht Prozent der befragten Unternehmensvertreter ideal.

Thomas Olbrich von karriere.at vermutet, dass die Coronakrise viele Unternehmer flexibler gemacht hat. Er betont auch, dass der Wunsch nach einer kürzeren Arbeitszeit nicht bedeutet, dass ArbeitnehmerInnen arbeitsscheu sind – es gehe vielmehr darum, neben dem Hauptberuf zum Beispiel ehrenamtliche Tätigkeiten ausüben zu können.

Politik muss flexibler werden

„Wir stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, eine Arbeitszeitverkürzung durchzusetzen“, sagt ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Verschiedene Modelle, die jetzt auch öffentlich diskutiert werden, sind wichtig, um eine sachliche Diskussion zustande zu bringen – die ArbeitnehmerInnen haben nicht nur in der Coronakrise ihre Flexibilität bewiesen. Jetzt sollte auch die Politik flexibler mit diesem weitverbreiteten Wunsch nach der Reduktion der Arbeitszeit flexibler umgehen.