ÖGB/VIDA

Laudamotion: Personal unterstützt Gewerkschaft

Aus angekündigter Demo wurden konstruktive Gespräche in der ÖGB-Zentrale

Rund 50 Lauda-Beschäftigte aus Kabine und Cockpit fanden sich heute gegen 11 Uhr in der ÖGB-Zentrale ein, um gegen die Nichtunterzeichnung des von der Laudamotion-Geschäftsführung vorgelegten und deutlich schlechteren Kollektivvertrags für das Bordpersonal zu protestieren. Aus der ursprünglich angekündigten Demo vor dem Haupteingang wurde letztlich eine Diskussionsrunde im Inneren des Gewerkschaftshauses, die unter Einhaltung aller derzeit gebotenen Coronavirus-Sicherheitsbestimmungen und unter Aufsicht der Polizei rund eineinhalb Stunden andauerte. Zahlreiche FunktionärInnen der zuständigen Gewerkschaft vida standen den FlugbegleiterInnen und PilotInnen bei der Diskussion Rede und Antwort.

Hand der Gewerkschaft bleibt ausgestreckt

„Im Rahmen der konstruktiv verlaufenen Diskussion haben uns die Beschäftigten ihre Sorgen aber auch ihre Unterstützung für Verhandlungen über einen Kollektivvertag mit Gehältern, von denen man leben kann und die auch eine Perspektive bieten, zugesichert“, so vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit nach der Diskussion. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass unsere Hand für Verhandlungen ausgestreckt ist. Das gilt nach wie vor“, appelliert Daniel Liebhart, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Luftfahrt an die Vernunft des Sozialpartners Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und an die Laudamotion-Geschäftsführung, zum Erhalt der Jobs auf der Wiener Lauda-Basis an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Management wollte nur 848 Euro zahlen

Die Gewerkschaft kam den Erpressungsversuchen des Laudamotion-Managements vergangene Woche nicht nach und hat den vom Unternehmen als Ultimatum vorgelegten neuen Dumping-Lohn-KV nicht unterschrieben. Das hatte – wie vom Unternehmen angedroht – die Einleitung der Schließung der Wiener Laudamotion-Basis zur Folge.

Der KV-Vorschlag, der bereits von der WKÖ unterschrieben wurde, hat beispielsweise für FlugbegleiterInnen ein fixes Einstiegsgehalt von 1.000 Euro brutto im Monat (inklusive Überstunden) vorgesehen. Netto hätte dies 848 Euro ausgemacht. Das Nettogehalt wäre damit klar unter der Wiener Mindestsicherung (917 Euro) und noch deutlicher unter der aktuellen Armutsgefährdungsschwelle (1.259 Euro im Monat für eine Person) angesiedelt gewesen.

Crewkosten machen nur 10 Prozent aus

„Die Crewkosten betragen bei einer Airline wie Laudamotion etwa 10 Prozent der Gesamtkosten. Der Impact der Crewkosten auf die Gesamtkosten ist zu gering, um die Verluste auf Grund einer verfehlten Managementstrategie auszugleichen“, bringt Liebhart sein Unverständnis für die Vorgangsweise der Laudamotion-Geschäftsführung zum Ausdruck. Der KV von Lauda liege gut 30 Prozent unter dem Branchenschnitt (Fixum plus variable Gehaltsbestandteile). Das Unternehmen habe mit Abstand den günstigsten KV in Österreich, so der vida-Gewerkschafter.

„Die Personalkosten von Airlines in Österreich werden über Monate, wenn nicht über Jahre vom AMS durch Kurzarbeit getragen. Es gibt daher keine wirtschaftliche Notwendigkeit, den bestehenden KV weiter zu verschlechtern oder die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zu kündigen“, betont Hebenstreit und fügt hinzu: „Die vorgeschlagenen Gehälter für Vollzeit und Schichtdienst unterhalb der Mindestsicherung biete ich als Arbeitgeber nur an, wenn ich ausdrücklich keine Zustimmung der Gewerkschaft dazu bekommen möchte. All das führt zur Frage, was bezweckt die Wirtschaftskammer mit ihrer Unterschrift unter einem derart schlechten KV?“.