Impfstoff

Logistische Meisterleistung: Wie der Impfstoff zu uns kommt

Zu den vergessenen HeldInnen dieser Pandemie gehören jene, die Überstunden machen, um den Impfstoff zu liefern. oegb.at blickt hinter die Kulissen eines Impfstofflogistikers.

Eine besonders gute Nachricht zum Jahresende: Dieses verflixte Virus, das uns nun schon beinahe ein Jahr plagt und in Atem gehalten hat, kann besiegt werden. Denn: Der Impfstoff ist da. Damit ist das langsame Ende der Pandemie eingeläutet. Am Ende des Weihnachtsfestes überschlugen sich die Superlative: Mediengerecht haben sich am Sonntag, dem 27. Dezember 2020 die ersten Menschen impfen lassen.

Der Kanzler sprach in seiner Inszenierung von einem “historischen Tag”. Aber wer hat wirklich dazu beigetragen, dass wir zumindest wieder hoffen dürfen? Tausende Menschen und möglicherweise noch mehr haben in den Pandemie-Monaten ein perfektes Räderwerk im Verborgenen gebildet.

Stille HeldInnen

Eines dieser Räder waren in den vergangenen Tagen die MitarbeiterInnen der Firma Herba-Chemosan  Apotheker-AG mit Hauptsitz in Wiens ArbeiterInnenbezirk Simmering. Die Gegend ist eher trist und beschaulich, die Menschen wirken geschäftig. Das ist das Simmering, das viele kennen. Das neue Simmering lässt sich an diesem Arzneimittelgroßhändler veranschaulichen. In den Hallen der High-Tech-Firma stehen jene Spezialkühlschränke deren Fotos schon seit Wochen in den Medien gezeigt werden. Doch nie war die Rede von den diesen stillen HeldInnen, die dafür sorgen, dass der Impfstoff bis in den hintersten Winkel der Republik geliefert wird. 

Die Logistik der Verteilung

Iris Zwolanek ist Betriebsrätin und seit 14 Jahren beim Arzneimittelgroßhändler beschäftigt: „Unsere LogistikerInnen haben sich die vergangenen Wochen schon auf die Ankunft und die folgende Verteilung vorbereitet. Dass dann alles Mitten ins Weihnachtsfest gefallen ist, war sozusagen noch der Punkt auf dem i.“ Und als dann so kurz danach alles bereitstand, musste im letzten Augenblick noch die Verteilung auf ganz Österreich organisiert werden. Es gelang - mit Unterstützung des Bundesheeres.
 

Iris Zwolanek ist Betriebsrätin und seit 14 Jahren beim Arzneimittelgroßhändler beschäftigt: „Unsere LogistikerInnen haben sich die vergangenen Wochen schon auf die Ankunft und die folgende Verteilung vorbereitet."

Jahrzehntelange Erfahrung

Die erste Lieferung des Impfstoffes hatte viel mit Symbolik zu tun - die kleinen Fläschchen würden gut in nur zehn handelsübliche Pizzaschachteln passen. In den nächsten Monaten aber werden Millionen Dosen zu verteilen sein. Der Logistikplan steht. Zwolanek sagt: „Meine KollegInnen haben teils langjährige Erfahrung immer punktgenau und zeitgerecht das richtige Medikament zu liefern. Wir sind alle motiviert dazu beizutragen, dass die Impfung auch tatsächliche eine Erfolgsgeschichte wird.“

Harte Arbeit

Und die Arbeit im Verborgenen ist in der Tat das „Schicksal“ im Pharmagroßhandel. ÄrztInnen stellen ein Rezept aus, und in der Apotheke ist das Medikament fast immer lagernd. Wenn es einmal nicht so ist, wird meistens binnen weniger Stunden für Nachschub gesorgt. „Das ist keine Wissenschaft, sondern harte Arbeit und viel Erfahrung der MitarbeiterInnen – übrigens mehr als die Hälfte Frauen – in allen Abteilungen unseres Hauses“, betont Zwolanek

Mehr als nur Applaus

Dabei war das nicht immer so einfach, wie die Betriebsrätin aus erster Hand berichtet: „Um den Impfstoff zur Erfolgsgeschichte zu verhelfen mussten wir vom Betriebsrat in dieser Sondersituation beim Arbeitsrecht schon mal das eine oder andere Auge zudrücken. Viele Hürden für einen Betrieb, der in einer Ausnahmesituation, wie einer Pandemie reibungslos funktionieren muss. Umso mehr wünscht sich Zwolanek mehr als nur leise Anerkennung: „Ich hoffe, dass meine KollegInnen am Ende mehr bekommen als nur Applaus.“