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Tobias Arhelger

So nicht, Elon Musk! Schwedinnen und Schweden wehren sich gegen Tesla

Der Trend zu E-Autos ist ungebrochen, zumindest in Schweden könnte es aber zu Wartezeiten oder Lieferengpässen für Fahrzeuge der Marke Tesla kommen, wenn der Konzern nicht einlenkt: Die Geschäftsführung verweigert den Abschluss eines Kollektivvertrags, die schwedische Gewerkschaft IF Metall droht einen Arbeitskampf an – ÖGB, PRO-GE und GPA unterstützen das.

Tesla hat sich in Schweden gut etabliert, Service- und Autowerkstätten gibt es in Stockholm, Umeå, Uppsala, Norrköping, Örebro, Malmö und Göteborg. Mit dem nordischen Kollektivvertrags-Modell kann der US-Konzern trotzdem offenbar nur wenig anfangen. Seit Herbst 2022 verhandelt die schwedische Gewerkschaft IF Metall mit Tesla über einen Kollektivvertrag. Jetzt brachen die Manager die Verhandlungen ab und ließen wissen, dass der Konzern Kollektivvertragsverhandlungen „aus Prinzip“ verweigert, weil dieses gewerkschaftliche Grundrecht nicht ins Unternehmenskonzept passt.

Unterdurchschnittliche Löhne, weniger Versicherungsschutz & Altersvorsorge

Dieses Njet oder schwedisch „Nej“ hätte natürlich gewaltige Nachteile für die Arbeitnehmer:innen: Ohne Kollektivvertrag fehlen der ausreichende Versicherungsschutz und essenzielle Zusatzleistungen wie die zusätzliche Altersvorsorge oder der Anspruch auf Altersteilzeit. Auch die Löhne und Gehälter, die Tesla in Schweden zahlt, sind im Branchenvergleich unterdurchschnittlich, weswegen Veli-Pekka Säikkälä, Vertragssekretär der IF Metall mit ernsten Konsequenzen droht: „Tesla muss sofort an den Verhandlungstisch zurückkehren. Sonst antworten wir mit Arbeitskampfmaßnahmen, von Neueinstellungs- und Überstundenblockaden bis hin zu Streiks wird alles in Betracht gezogen.“

 „Ausscheren aus dem Erfolgsmodell ist ein Skandal“

„Schweden zeichnet sich durch ein hohes Lohnniveau und eine gute Work-Life-Balance aus und ist gleichzeitig ein globaler Spitzenreiter bei der Wettbewerbsfähigkeit. Das gelingt nur mit starken Gewerkschaften und fairen Kollektivvertragsverhandlungen. Dass Tesla als einziger Automobilhersteller aus diesem Erfolgsmodell ausscheren will, ist ein Skandal“, unterstützt Wolfgang Katzian, Präsident des ÖGB und des EGB (Europäischer Gewerkschaftsbund) die Position der IF Metall: „Volle Solidarität für die Kolleg:innen!“

Übergang zur E-Mobilität braucht faire Arbeitsbedingungen

Auch der Bundesvorsitzende der Produktionsgewerkschaft PRO-GE, Reinhold Binder, verurteilt die Vorgangsweise von Tesla: „Der Übergang zur E-Mobilität muss für die Beschäftigten in Schweden, oder wo auch immer Tesla investiert, mit guten Arbeitsbedingungen, angemessener Entlohnung und Arbeitssicherheit verbunden und durch Branchenkollektivverträge garantiert sein. Öffentliche Subventionen zur Förderung der Elektromobilität dürfen nicht an gewerkschaftsfeindliche Investoren wie Tesla ausbezahlt werden, die Profit über die Interessen ihrer Mitarbeiter:innen stellen.“

Ohne Gewerkschaft schauen Beschäftigte oft durch die Finger

Wie wichtig Kollektivverträge sind, wissen Gewerkschaften in Österreich genau, verweist Karl Dürtscher, Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), auf die laufenden Verhandlungen für die Beschäftigten in der Metallindustrie: „Wir stemmen uns mit Forderungen nach einem fairen Anteil am Unternehmensgewinn gegen die Teuerungskrise. Das schwedische Beispiel verdeutlicht es leider: Ohne gewerkschaftliches Gegengewicht schauen die Beschäftigten durch die Finger. Tesla inszeniert sich gerne als moderner Arbeitgeber, losgelöst vom KV werden aber nur unterdurchschnittliche Löhne ausbezahlt und die branchenüblichen Zusatzversicherungsleistungen gestrichen. Dagegen gilt es mit vereinten Kräften vorzugehen!“

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Deutsche Tesla-Mitarbeiter fordern bessere Arbeitsbedingungen

Der Konzern beschäftigt übrigens auch die IG Metall in Deutschland, nachdem zahlreiche Tesla-Beschäftigte der Gewerkschaft von schlechten Arbeitsbedingungen in der Fabrik in Grünheide (Bandenburg) berichtet hatten. Kurze Taktzeiten, Personalmangel und überzogene Produktionsziele belasten die Arbeitnehmer:innen Außerdem sollen am Standort Grünheide auffällig viele Arbeitsunfälle passiert sein.

Die IG Metall startete eine Informationskampagne, der Konzern hält Vorwürfe eines mangelnden Arbeitsschutzes in seiner Fabrik in Grünheide bei Berlin indes für nicht zutreffend. „Für uns als Gigafactory Berlin Brandenburg steht der Gesundheitsschutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an oberster Stelle und damit auch die Arbeitssicherheit“, hieß es in einer ersten Stellungnahme.