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ÖGB - Österreichischer Gewerkschaftsbund

Reich wird man durch Erben, nicht durch Arbeiten

Soziale Mobilität gering: Vermögen hängen von Vermögen der (Groß-)Eltern ab

Mit Arbeit kann man sich das gar nicht verdienen! Reich wird man durch Erben.

Dein Großvater war Akademiker? Gratuliere, dann beträgt dein Vermögen – rein statistisch gesehen – um dien 480.000 Euro. War der Großvater Hilfskraft, dann besitzen die Enkerl im Schnitt nur Geld, Haus und sonstiges Vermögen im Wert von weniger als 200.000. Heißt: Nicht nur das laufende Einkommen hängt vom Einkommen der vorvorigen Generation ab, sondern auch das Vermögen. Zusammengefasst: Erben ist alles. Das zeigt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Auftrag des Sozialministeriums über die „soziale Mobilität“ - oegb.at hat berichtet.

Auch auf den bildungsbürgerlichen Hintergrund kommt es an: „Die Anzahl der Bücher im elterlichen Haushalt ist eine relevante Information, um das aktuelle Vermögen des Haushalts vorherzusagen“, schreiben die Studienautoren Pirmin Fessler und Martin Schürz. Wer im Alter von 10 Jahren in einem Haushalt mit mehr als 100 Büchern gelebt hat, lebt heute in einem Haushalt mit nahezu doppelt so viel Vermögen wie jemand, der in einem Haushalt mit weniger Büchern aufgewachsen ist.

„Die Anzahl der Bücher im elterlichen Haushalt ist eine relevante Information, um das aktuelle Vermögen des Haushalts vorherzusagen." Pirmin Fessler, Martin Schürz

Vermögen sind deutlich ungleicher verteilt als Einkommen

Die obersten fünf Prozent der Haushalte bekommen zwar „nur“ 20 Prozent der Einkommen, besitzen aber 45 Prozent des Vermögens. Daran ist deutlich zu sehen, dass die Vermögensverteilung viel ungleicher ist als die Einkommensverteilung. Das heißt: Das eigene Einkommen ist relativ zum geerbten Vermögen immer weniger bedeutsam. Das war früher anders: Nach dem Zweiten Weltkrieg war für weite Teile der Bevölkerung vor allem das Einkommen, und wieviel man davon gespart hat, wichtig für den Vermögensaufbau. Reich wird man also vom Erben und nicht vom Arbeiten. „Diese Situation wird sich in Österreich in Zukunft noch weiter verschärfen“, schreiben die Studienautoren.

Alle glauben, sie seien die Mittelschicht

Eine große Mehrheit schätz sich selbst als in der Mitte der Vermögensverteilung ein – unabhängig davon, ob sie dort tatsächlich zu finden sind, oder doch ärmer oder reicher sind. „Demnach ist es auch keine Überraschung, dass ‚die Mitte‘ im politischen Diskurs oft bemüht wird. Auf diese Weise können sich fast alle Haushalte angesprochen fühlen, da sie sich selbst als der Mitte zugehörig wahrnehmen“, so die Studie.

Tatsächlich gibt es aber sogar innerhalb der tatsächlichen Mitte erhebliche Unterschiede bei den Vermögen. Nimmt man jene Hälfte der Haushalte, die genau in der Mitte liegen, dann hat der ärmste dieser Mitte-Haushalte nur rund 13.000 Euro, der reichste, der aber immer noch zur Mitte gehört, 275.000 Euro.

Ein Problem für die Demokratie

Menschen mit hohem Einkommen und großem Vermögen verfolgen die Politik stärker, vor allem Vermögende. „Zu einem zentralen Problem für die Demokratie wird es, wenn Menschen sich nicht mehr für die Politik interessieren und nicht mehr an Wahlen teilnehmen“, warnen Fessler und Schürz – besonders, wenn es bestimmte soziale Gruppen sind, die nicht mehr wählen gehen: „Denn dann besteht die Gefahr, dass diese soziale Gruppe an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird und ihre Interessen in Folge von der Politik nicht mehr angemessen vertreten werden.“

OECD empfiehlt: Aufstieg erleichtern!

Download Studie Soziale Mobilität und Vermögensverteilung

Der Standard: Die Chancen auf sozialen Aufstieg sind in Österreich gesunken

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