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Kärnten

EQUAL PAY DAY in Kärnten: Frauen verdienen 19 Prozent weniger als männliche Kollegen

In Kärnten verdienen Frauen für die gleiche Arbeit 19,0 Prozent weniger als Männer. Statistisch gesehen endet die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen in Kärnten am 23. Oktober 2020. Den höchsten Einkommensunterschied weist mit 26,4 Prozent der Bezirk Spittal/Drau auf.
(v.l.n.r.: Stv. ÖGB Landesfrauenvorsitzende Silvia Igumnov, ÖGB Landesfrauenvorsitzende Waltraud Rohrer, ÖGB Landesvorsitzender Hermann Lipitsch)
(v.l.n.r.: Stv. ÖGB Landesfrauenvorsitzende Silvia Igumnov, ÖGB Landesfrauenvorsitzende Waltraud Rohrer, ÖGB Landesvorsitzender Hermann Lipitsch)

Ab dem 23. Oktober arbeiten Frauen in Kärnten statistisch gesehen gratis. Der sogenannte Equal Pay Day markiert den Tag im Jahr, an dem Männer bereits jenes Einkommen erreicht haben, wofür Frauen noch bis Jahresende arbeiten müssen. „In unserem Bundesland verdienen Frauen um durchschnittlich 19,0 Prozent weniger als Männer. So beträgt das durchschnittliche Jahreseinkommen von Frauen bei Vollzeitarbeit in Kärnten 41.620,- Euro. Männer hingegen haben ein Jahreseinkommen von durchschnittlich 51.360- Euro“, erklärt ÖGB Landesfrauenvorsitzende Waltraud Rohrer. „Für Frauen ergibt das also einen jährlichen Einkommensnachteil von 9.740,- Euro“, so Rohrer weiter.

Minimale Verbesserung des prozentuellen Unterschieds

Im Vergleich zum Vorjahr lässt sich eine minimale Verbesserung des prozentuellen Einkommensnachteils von 0,60 Prozentpunkten ausmachen. „Die Kosten der Krise dürfen nicht auf dem Rücken der die ArbeitnehmerInnen ausgetragen werden – große Vermögen und Konzerne müssen gerechte Beiträge leisten. Nur so sind angemessene Gehälter in Gesundheit, Bildung und Kinderbetreuung möglich“, sagt ÖGB Landesvorsitzender Hermann Lipitsch. Es sei definitiv der falsche Weg, die Zumutbarkeitsgrenzen herabzusetzen und die Flexibilisierung zu steigern. „Flexibilisierung heißt ja in der Praxis oft, geteilte Dienste zu machen oder spontan einzuspringen. Das ist mit Familie und Kinderbetreuungsverpflichtungen nur schwer leistbar. Ebenso wäre die Kürzung der Ruhezeiten fatal, denn gerade Frauen haben ihre Leistungsgrenzen mit Erwerbsarbeit, Familie und Homeschooling bereits erreicht. Es hat keinen Sinn, ausgebrannte Menschen zu produzieren die dann dem Sozialstaat in der Zukunft zur Last fallen – denn die derzeitige Krise hat eines gezeigt: Frauen und ihre Leistungen sind systemrelevant!“, so Lipitsch.

 

ÖGB Frauen: Faire Bezahlung für die Leistungsträgerinnen

„Die Corona Krise hat es ganz deutlich offengelegt: der Frauenanteil in systemrelevanten Berufen ist überdurchschnittlich hoch – in acht von elf dieser Berufe arbeiten überwiegend Frauen“, so die ÖGB Landesfrauenvorsitzende Waltraud Rohrer. In Summe sind also zwei Drittel der Leistungsträgerinnen weiblich. „Ausgerechnet in jenen 5 Gruppen, in denen der Frauenanteil am höchsten ist, sind die Einkommen unter dem österreichischen Durchschnittslohn“, so Waltraud Rohrer. Besonders stark betroffen sind Reinigungskräfte und Einzelhandelsangestellte – im Schnitt liegt der Verdienst hier bei weniger als 1.300 € netto pro Monat. „Wir fordern daher die längst überfällige Umsetzung von 1.700 Euro brutto/monatlich Mindestlohn in den Kollektivverträgen“, so Rohrer. Ebenso wären kürzere und planbare Arbeitszeiten mit dem Ziel einer 35-Stundenwoche das Gebot der Stunde. Auch eine volle Einkommenstransparenz in den Betrieben sowie die leichtere Erreichbarkeit der 6. Urlaubswoche würden entscheidend zur Verbesserung der Arbeitssituation von Frauen beitragen. „Auch die Anhebung des Mehrarbeitszuschlags ab der ersten Stunde auf 50 Prozent sowie ein Flexibilitätszuschlag für Beschäftigte, wenn Dienstpläne weniger als 2 Wochen vor dem Einsatz geändert werden, sollten ernsthaft diskutiert werden“, so Rohrer.

 

Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Geburtstag

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat sich zu einem gesellschaftlichen Schlüsselthema entwickelt, die Corona Krise hat gezeigt, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt unverzichtbar sind. „Es mangelt in Österreich nach wie vor an Kinderbildungs- bzw. Kinderbetreuungseinrichtungen – dies stellt für viele Frauen eine Hürde dar, nach der Karenz wieder voll ins Berufsleben einsteigen zu können. Der Wunsch nach Kindern darf aber kein Nachteil sein“, so Silvia Igumnov, Stv. ÖGB Kärnten Landesfrauenvorsitzende. Vor allem müsse die Kinderbetreuung auch leistbar sein: Kinderbildung und Kinderbetreuung darf keine Frage des Geldes sein – denn jedes Kind ist gleich viel wert. „Wir fordern daher die Schaffung der notwendigen finanziellen, organisatorischen und personellen Ressourcen, sowie eines Rechtsanspruches auf ein ganztägiges, ganzjähriges, flächendeckendes, leistbares und vor allem qualitativ hochwertiges Kinderbildungsangebot für jedes Kind ab dem 1. Lebensjahr bis zum Schuleintritt“, so Igumnov. Hinzu kommt, dass die Gemeinden eine entscheidende Rolle bei der Schließung der Einkommensschere spielen: sie betreiben Kinderbildungs- und betreuungseinrichtungen und sind somit maßgeblich daran beteiligt, dass Frauen nicht vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind. Die Corona-Krise hat die Einnahmen der Gemeinden massiv einbrechen lassen, „daher braucht es für die Kommunen dringend finanzielle Unterstützung von Seiten des Bundes, um derart wichtige Einrichtungen weiter betreiben zu können“, so Igumnov abschließend.

 

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