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Salzburg

Betriebsrat sein in Zeiten von COVID-19!

Mit einem Betriebsrat ist man klar im Vorteil. In guten und auch in schlechten Zeiten.

Mit einem Betriebsrat ist man klar im Vorteil. In guten und auch in schlechten Zeiten. Einer dieser Betriebsräte ist René Hoffmann (IKEA Salzburg), der uns berichtet, wie durch die gute Beziehung von Betriebsrat und Geschäftsleitung ein für alle MitarbeiterInnen sicheres Arbeitsumfeld während des COVID-19 Lockdowns geschaffen wurde.

Redaktion: Wie ist es dir und deinen KollegInnen in den letzten Wochen ergangen?

Rene Hoffmann: Die letzten Wochen/ Monate waren sicher für alle sehr herausfordernd. Da wir allerdings eine wirklich hervorragende Gesprächsbasis mit der Geschäftsleitung haben und immer gut zusammenarbeiten, war es auch in den vergangenen Wochen möglich, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass alle MitarbeiterInnen laufend informiert werden. Hinzu kam, dass von Anfang an kommuniziert wurde, dass IKEA alles daransetzen wird, dass kein Mitarbeiter im Land seinen Arbeitsplatz verlieren muss, was wir auch geschafft haben. Mit allen Maßnahmen, die gesetzt wurden, haben sich die MitarbeiterInnen sicher und wohl gefühlt. Wir haben ausschließlich gute Rückmeldungen von den Kolleginnen und Kollegen im Betrieb erhalten. 

Redaktion: Welche Maßnahmen waren das konkret?

Rene Hoffmann: Schon bevor die Regierung die Ausgangsbeschränkungen verhängt hat, wurden von IKEA Österreich die Sicherheits – und Hygienestandards angehoben. Alle Kolleginnen und Kollegen erhalten seitdem eine MNS-Maske und Desinfektionsmittel. Es wird täglich auch die Temperatur der MitarbeiterInnen gemessen. Mit der Geschäftsleitung haben wir uns jeden Tag ausgetauscht, um den Informationsfluss zu gewährleisten. Diesen täglichen Austausch gab es auch mit unserem Zentralbetriebsrat. So wurde sofort eine Mailbox für MitarbeiterInnen eingerichtet, wo alle Infos und Updates zur Verfügung gestellt wurden. Parallel dazu wurde in unserem Intranet ein eigener Servicepoint zu COVID-19 eingerichtet. 

Die Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen war und ist immer unsere oberste Priorität. Auch die Geschäftsleitung sorgt sich um das Wohl der MitarbeiterInnen und das war in unseren täglichen Gesprächen auch spürbar. Innerhalb kurzer Zeit wurden relevante Bereiche ohne Probleme auf Home-Office umgestellt. Alle IKEA Einrichtungshäuser waren aufgrund der gesetzlichen Vorgaben von 16. März bis 01. Mai 2020 für Kundinnen und Kunden geschlossen. Daher wurde von der Geschäftsleitung beschlossen, die Kolleginnen und Kollegen einzelner Abteilungen und Bereiche im Einrichtungshaus ab 16. März zur Kurzarbeit anzumelden. Allerdings wurde den Kolleginnen und Kollegen bereits zu diesem Zeitpunkt von der Geschäftsleitung zugesagt, dass alle Mitarbeiter, auch jene in Kurzarbeit zumindest bis Mitte April ihr volles Gehalt weiterbezahlt bekommen. 

Redaktion: Waren alle MitarbeiterInnen in Kurzarbeit und wie lange soll diese Vereinbarung bei euch gelten? 

Rene Hoffmann: In unserer Einheit waren 2/3 der MitarbeiterInnen zur Kurzarbeit angemeldet. Wir haben alle geringfügig Beschäftigten halten können und natürlich auch voll bezahlt. Diese KollegInnen decken meist die Wochenend-Dienste ab. Für die Erstellung neuer Dienstpläne wurde deshalb in Einzelgesprächen mit jedem Mitarbeiter eine Möglichkeit gefunden, wie sie die zu leistenden Stunden auch unter der Woche erbringen können. Letzten Endes konnten wir für alle 290 Mitarbeiter im Betrieb eine für alle Seiten gute Lösung finden. Die Kurzarbeitsregelung galt bis 17. Mai. 

Redaktion: Gab es auch schwierige Situationen oder Probleme in dieser Zeit?

Rene Hoffmann: Im Betrieb gab es keine Probleme, die wir nicht aufgrund unserer guten Gesprächsbasis zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung klären konnten. Wie gesagt, war für uns alle die Gesundheit der KollegInnen am Wichtigsten und daher gab es auch keine gröberen Meinungsverschiedenheiten. Was für beide Seiten schwierig war: Die Informationspolitik der Regierung. Gefühlt wurden alle paar Stunden in einer Pressekonferenz Neuerungen bekannt gegeben, ohne konkrete Details dazu zu bekommen. Ein Thema waren die “RisikopatientInnen”, wo einige Fragen erstmal offen geblieben sind. Die Geschäftsleitung hat daraufhin Kontakt mit allen potenziellen RisikopatientInen aufgenommen, um sie zu bitten, zuhause zu bleiben und sich eine ärztliche Bescheinigung zu holen. 

Redaktion: Wie ist die Situation jetzt bei euch?

Rene Hoffmann: Seitdem unsere Türen wieder für die Kundschaft geöffnet sind, konnten wir den Großteil unseres Umsatzes wieder aufholen. Insofern starten wir zuversichtlich in die Zukunft. Die Rückmeldungen der Kolleginnen und Kollegen sind sehr positiv. Sie fühlen sich gut im Betrieb aufgehoben. Mitte Juni hat die Geschäftsleitung bekannt gegeben, dass alle, die bei uns in Kurzarbeit waren, die Differenz zum vollen Gehalt für die gesamte

Kurzarbeitszeit nachbezahlt bekommen, und dass IKEA Österreich keine öffentlichen Gelder (Kurzarbeitsbeihilfe) in Anspruch nehmen wird. Hinzu kommt, dass all jene Kolleginnen und Kollegen, die während der Phase der Kurzarbeit Urlaub konsumiert haben, diesen nun voll in Form einer Urlaubskompensationszahlung ausbezahlt bekommen. All jene Kolleginnen und Kollegen, die nicht in Kurzarbeit waren und keinen Urlaub konsumiert haben, erhalten als Ausgleich eine Urlaubskompensationszahlung im Wert einer Urlaubswoche. 

Redaktion: Wenn du nun zurückblickst, wie hast du die Betriebsrats-Arbeit in Zeiten von COVID-19 erlebt? 

Rene Hoffmann: Als erstes möchte ich die tolle Zusammenarbeit mit allen BetriebsrätInnen in den einzelnen Einheiten von IKEA Österreich erwähnen, ich denke wir haben ein super Betriebsratsteam, dass in dieser Zeit noch mehr zusammengewachsen ist und es macht einfach Spaß, so professionell zusammen zu arbeiten. Wir haben auch ein sehr gutes Gesprächsklima mit der Geschäftsleitung und bei uns wird die innerbetriebliche Sozialpartnerschaft jeden Tag gelebt. In den letzten Wochen hat sich der Kontakt noch weiter intensiviert und die Zusammenarbeit verstärkt. Wir sind sehr froh, dass wir als Betriebsrat auch von der Geschäftsleitung Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Das ist auch wichtig für das Arbeitsklima im Betrieb. Gerade in Zeiten wie diesen, ist die Arbeit als Betriebsrat sehr herausfordernd. Wenn man für die KollegInnen Positives bewirken kann, dann ist das auch eine besondere Motivation und es zeigt, wie schön und wertvoll die Arbeit als Betriebsrat ist.

 

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