Gewerkschaftsjugend Kärnten fordert dringend Maßnahmen gegen psychische Belastungen bei Lehrlingen.

Michael Raunig

Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) hat in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien und der Donau Universität Krems eine österreichweite Umfrage im Zeitraum von Ende März 2021 bis Mitte Mai 2021 unter den Lehrlingen zu ihrer psychischen Gesundheit während der Covid – 19 Pandemie durchgeführt. Die Umfrage war anonym, die Teilnahme freiwillig. 1.442 Lehrlinge nahmen teil, 134 davon aus Kärnten.

Schockierende Ergebnisse: psychische Belastung unter Lehrlingen enorm gestiegen!
Für den Landesvorsitzenden der Gewerkschaftsjugend Mario Pichler, hat die Umfrage „alarmierende Ergebnisse ans Tageslicht gebracht“. 48,3 Prozent aller Befragten weisen Symptome von Depressionen auf. 35,4 Prozent haben Angstzustände, 50,6 Prozent leiden unter Essstörungen und 27 Prozent haben Schlafstörungen. Unterschiede sind in Geschlecht und bei Migrationshintergrund festzustellen. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass weibliche und diverse Lehrlinge sowie Menschen mit Migrationshintergrund psychisch stärker belastet waren. Vor allem Depressionen sind bei Frauen mit 59,3 Prozent sowie bei diversen Personen mit 93,8 Prozent besonders ausgeprägt“, so Pichler. Ebenso trifft das auf Angstzustände mit 44,6 Prozent bei weiblichen und 75 Prozent bei diversen Lehrlingen zu.

Lehrlinge doppelt belastet!
Die psychische Gesundheit ist für alle wichtig! Lehrlinge sind da aber besonders zu berücksichtigen, da ihre Arbeitssituation im Allgemeinen unsicherer ist, als jene der meisten Erwachsenen mit abgeschlossener Ausbildung und etablierter beruflicher Laufbahn. „Wer durch die psychischen Belastungen seine Ausbildung abbricht und in die Arbeitslosigkeit abrutscht, hat es doppelt schwerer mit abgebrochener Berufsausbildung einen neuen Arbeitsplatz zu finden“, betont Pichler.

Dringender Handlungsbedarf
Beispielsweise müssen Jugendeinrichtungen und Jugendzentren dringend mit den notwendigen finanziellen Mitteln ausgestattet werden. Diese Einrichtungen sind erste Anlaufstellen, wo Jugendliche vertrauliche Gespräche mit BetreuerInnen führen können. Die ÖGJ hat ein umfassendes Konzept ausgearbeitet und fordert:

1. Vollständige Kostenübernahme durch die Krankenversicherung und flächendeckend ausreichende Kapazitäten für Psychotherapie, funktionelle Therapie und kinder- und jugendpsychiatrische Angebote.
 Keine Kontingentierung oder Deckelung in der Kapazität der Angebote. 

2. Ausbau der psychosozialen Unterstützung an Berufsschulen: 
Anlaufstellen mit SchulsozialarbeiterInnen und SchulpsychologInnen für alle BerufsschülerInnen.   

3. Präventionsmaßnahmen zu Mobbing und Diskriminierung ausbauen.
 Aufruf an Bildungsminister Faßmann, im Einklang mit den Landesbildungsdirektionen dafür Sorge zu tragen, dass ausreichend Workshops zu Hate-Speech, Online-Mobbing und Internetsucht angeboten werden. 

4. Entstigmatisierung und Enttabuisierung von psychischen Erkrankungen.
 Betroffenen die Scheu nehmen, frühzeitig Hilfe und Unterstützung zu suchen. Es ist Zeit, ganz normal darüber zu reden. Schaffung spezieller Angebote insbesondere für jene junge Menschen, die ins Erwerbsleben eintreten. Ebenso sollen Bildungs-, Jugend- und Gesundheitsministerium eine bundesweite Kampagne zur Enttabuisierung psychischer Erkrankungen erarbeiten und umsetzen.

5. Harte Lockdowns sowie die Schließung von Schulen und Ausbildungsbetrieben haben negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen. Bei erhöhtem Infektionsgeschehen darf die Schließung der Schulen und Ausbildungsbetriebe die letzte mögliche Maßnahme sein.

„Ich fordere die Bundesregierung auf, dringend ein entsprechendes Maßnahmenpaket auf die Beine zu stellen, denn es ist bereits fünf nach zwölf. Wir sind jederzeit bereit, an diesem Paket mitzuarbeiten“, so Pichler abschließend.