Unzumutbare Zustände beim Verkehrsverbund Kärnten

Ein Jahr nach der Pandemie fehlen weiterhin Hygiene – und Sicherheitskonzepte
Michael Raunig

„Während die Verkehrsverbünde österreichweit Verbesserungen für ihre MitarbeiterInnen seit Beginn der Pandemie umsetzen, bleiben die KollegInnen in Kärnten seit einem Jahr auf der Strecke“, so ÖGB Landesvorsitzender Hermann Lipitsch.

Dringender Handlungsbedarf von LR Sebastian Schuschnig

Bis heute gibt es in Kärnten kein einheitliches Sicherheits – und Hygienekonzept zum Schutz der MitarbeiterInnen. Ob Regelungen und Maßnahmen umgesetzt werden, ist vom Wollen der Betriebe abhängig. „Wir sehen den Verkehrsverbund und damit das Land Kärnten in der Pflicht, hier dringend dafür zu sorgen, dass der Schutz der MitarbeiterInnen gewährleistet wird. Viele Busse sind bis heute nicht mit entsprechenden Fahrerkabinen ausgestattet. Die BuslenkerInnen müssen sogar ohne entsprechende Desinfektionsmittel weiterhin Karten verkaufen und setzen sich so täglich den Gefahren von Infektionen aus“, ist Lipitsch empört, der zuletzt auch nochmals auf die Situation aufmerksam macht, dass aktuell aufgrund der geschlossenen Gastronomie, BuslenkerInnen schon auf der Suche nach einem WC vor logistische Herausforderungen gestellt werden.

Von der Landesregierung, insbesondere von Verkehrslandesrat Sebastian Schuschnig fordert Lipitsch verbindliche Hygienerichtlinien für den Busverkehr im Linienbetrieb:

 

  • Installierung von Plexiglas – Schutz für den Lenkbereich
  • Sperrung des vorderen Einstieges solange kein Plexiglas – Schutz vorhanden und kein Kartenverkauf im Bus
  • Reinigung und Desinfizierung der Busse durch geschulte Fachkräfte
  • Lenkpausen nur dort, wo Wasch- und WC-Anlagen vorhanden sind
  • Recht auf mindestens einen vom Dienstgeber bezahlten Test der Buslenker pro Woche in der Arbeitszeit

Auch der Fachbereichssprecher Verkehr der vida Kärnten, Markus Petritsch, appelliert an die Dienstgeber, die KollegInnen hier nicht im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen zu lassen. "Während es viele im Lockdown nur mehr schwer drinnen hält, würden sich die Beschäftigten eines Kärntner Verkehrsbetriebes freuen, wenn sie in der Pause ein Dach über dem Kopf hätten. BuslenkerInnen im Linienverkehr haben es in Corona-Zeiten durch den ständigen Kundenkontakt ohnehin schwer. Der Lockdown hat die Situation noch einmal verschärft.

Statt dessen wurde Petritsch jetzt aber sogar über einen besonders dreisten Fall von Rücksichtslosigkeit gegenüber den DienstnehmerInnen informiert: „Ein Kärntner Verkehrsbetrieb hat mit 1. Februar ohne große Not die Linien so umgestellt, dass die KollegInnen jetzt nicht mehr nur mit "ihrem" Bus fahren, sondern im Dienst an einem Hauptknotenpunkt Fahrzeuge tauschen müssen. Das führt aber in der Praxis dazu, dass sie in ihrer Pause dann nicht einmal mehr den Bus als Rückzugsort haben, sondern bei Minusgraden im Freien stehen müssen. Das Unternehmen hat zwar vage angekündigt, in der Nähe einen Aufenthaltsort zu organisieren, aber es fällt eigentlich in die Fürsorgepflicht des Dienstgebers, solche Dinge vor Planänderungen zu klären und nicht erst hinterher“, so Petritsch.

Aber nicht nur in dieser Angelegenheit will der vida-Gewerkschafter jetzt das Gespräch mit dem Betrieb suchen, um hier rasch Lösungen zu finden. Auch beim Einbau der sowohl für die BuslenkerInnen als auch für die Fahrgäste schützenden Trennscheiben im vorderen Einstiegsbereich sei das Unternehmen säumig: „Erst in fünf von 25 Bussen ist dieser Schutz vor Ansteckungen eingebaut worden“, bemängelt Petritsch.