Der ÖGB OÖ wächst – Mitgliederzahl steigt seit neun Jahren

Rekordzahl bei Rechts- und BetriebsrätInnenberatung

Für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Oberösterreich ist klar, wer in stürmischen Zeiten an ihrer Seite steht. So ist die oberösterreichische Gewerkschaftsbewegung zum bereits neunten Mal in Folge gewachsen. Mit Ende 2019 hatte der ÖGB Oberösterreich 247.251 Mitglieder (2018: 245.533), das entspricht einem Zuwachs von 0,7 Prozent. Der ÖGB gewann damit erneut prozentuell deutlich mehr Mitglieder als bundesweit. In absoluten Zahlen ist dieses Plus von 1718 Mitgliedern das stärkste in ganz Österreich. Insgesamt sind 2019 in Oberösterreich mehr als 16.000 Menschen dem Gewerkschaftsbund beigetreten.

„Die stabile Aufwärtsbewegung seit mittlerweile neun Jahren zeigt uns, dass wir mit unserer Arbeit richtig liegen und die ArbeitnehmerInnen in Oberösterreich wissen, wer konsequent ihre Interessen vertritt. Dieses Vertrauen macht uns stolz und ist Auftrag, den erfolgreichen Weg weiterzugehen“, freut sich ÖGB-Landesvorsitzender Dr. Johann Kalliauer, über diese Zahlen, die Platz zwei (hinter Wien) unter den österreichischen Bundesländern weiter festigen.

Besonders erfreulich ist der starke Anstieg der jugendlichen Mitglieder (unter 18). 9.740 Jugendliche waren im vergangenen Jahr in Oberösterreich ÖGB-Mitglied (plus 2,2 Prozent). Damit liegt Oberösterreich bei den Jugendlichen nur noch knapp hinter Wien.

Rekordsumme für Mitglieder erstritten

Jahr für Jahr steigt die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder, die sich an den ÖGB Oberösterreich wenden. Die Zahl der Einzel- und Betriebsratsberatungen ist im Jahr 2019 auf einen neuen Höchstwert gestiegen. 43.893 mal berieten die ExpertInnen der Gewerkschaften und in den ÖGB-Regionalsekretariaten im Jahr 2019 Menschen, die Rat und Hilfe in arbeits- oder sozialrechtlichen Fragen brauchten (2018: 42.102). In vielen Fällen mussten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Gericht gehen, um ihre Ansprüche gegenüber dem Dienstgeber durchzusetzen. 10,95 Millionen Euro erstritt der ÖGB Oberösterreich allein im Jahr 2019 für seine Mitglieder, was einen neuen Rekordwert markiert. Im Jahr 2018 waren es noch 6,67 Millionen. Hinter jedem Fall steckt ein Mensch, dem im Job etwa zu wenig ausbezahlt wurde, der falsch eingestuft war oder unbezahlt Überstunden leistete. ÖGB-Mitglieder, die ihre Rechte einklagen, tragen kein Risiko, denn der ÖGB vertritt seine Mitglieder vor Gericht kostenlos.

„Dass immer mehr Mitglieder unsere Unterstützung brauchen, zeigt, dass das Klima in Unternehmen rauer wird und immer mehr Betriebe ihren Beschäftigten vorenthalten, was ihnen zusteht“, kritisiert Kalliauer.

Bedarf an Beratung für BetriebsrätInnen steigt

Stark gestiegen ist auch die Zahl der Betriebsratsberatungen. 41.258 Beratungsgespräche mit BetriebsrätInnen und PersonalvertreterInnen verzeichnen ÖGB und Gewerkschaften im Jahr 2019, im Jahr 2018 waren es noch 40.773, im Jahr davor „nur“ 37.441. Auch dieser Anstieg ist als Indiz dafür zu werten, dass der Druck auf die Beschäftigten in oberösterreichischen Betrieben zunimmt.

32 neu organisierte Betriebe, zehn neue Jugendvertrauensräte

In 32 Betrieben wurde im Jahr 2019 erstmals ein Betriebsrat gewählt, zehn neue Jugendvertrauensräte nahmen ihre Tätigkeit auf. Insgesamt fanden im vergangenen Jahr 416 Betriebsratswahlen statt. Was bei GewerkschafterInnen zur täglichen Arbeit gehört, ist aber beileibe nicht unumstritten. Obwohl in der Arbeitsverfassung festgeschrieben ist, dass in Betrieben ab fünf Beschäftigten ein Betriebsrat zu wählen ist, gibt es immer wieder Betriebe, die ihren MitarbeiterInnen dieses Recht verwehren wollen, teils mit drastischen Sanktionen für die InitiatorInnen einer Wahl. Zu befürchten haben diese Unternehmer wenig: Es gibt keine strafrechtlichen Konsequenzen für die Behinderung einer Betriebsratswahl.

„Wir brauchen einen besseren Schutz für Beschäftigte, die eine Belegschaftsvertretung gründen wollen. Der Kündigungsschutz muss ab Einberufung einer Betriebsversammlung gelten. Darüber hinaus braucht es strafrechtliche Konsequenzen, wenn Betriebsratswahlen behindert oder verhindert werden“, stellt Kalliauer klar.

GewerkschafterInnen sind aber nicht nur bei Betriebsratswahlen in Betrieben gefragt. Bei 894 Betriebsversammlungen informierten ExpertInnen aus den Gewerkschaften gemeinsam mit den jeweiligen BetriebsrätInnen die Belegschaft. Anlässe für Betriebsversammlungen sind zum Beispiel Infos über Neuerungen im Betrieb, firmeninterne Probleme, aber auch Protest wegen stockender Kollektivvertragsverhandlungen.

Sozialpläne als Sicherheitsnetz bei Jobverlust

Besonders wichtig sind Gewerkschaften und ein Betriebsrat, wenn Betriebe schließen oder Personal abbauen. Die Zahl der Sozialpläne, die BetriebsrätInnen mit Unterstützung der Gewerkschaft verhandeln mussten, bleibt konstant hoch. In 16 Fällen agierten die ArbeitnehmervertreterInnen etwa bei Betriebspleiten oder Standortschließungen als Feuerwehr, die eine Überbrückungshilfe für die betroffenen Beschäftigten auf die Beine stellte. Sozialpläne sind nur in Betrieben mit Betriebsrat möglich.

Rund 9 Millionen schwer sind die neun Sozialpläne, die Gewerkschaften und BetriebsrätInnen im Jahr 2019 in der oberösterreichischen Privatwirtschaft verhandelten. Sie sichern den betroffenen ArbeitnehmerInnen eine Überbrückungshilfe finanzieller Natur und/oder Chance auf eine berufliche Neuorientierung.

KV-Verhandlungen bringen 771,03 Millionen

771,03 Millionen Euro mehr Lohn und Gehalt bringen die von den Gewerkschaften verhandelten Kollektivvertragsverhandlungen alleine den oberösterreichischen ArbeitnehmerInnen in nur einem Jahr!

Im Jahr 2018 wurden an Oberösterreichs ArbeitnehmerInnen insgesamt 25,7 Milliarden Euro Bruttolöhne und –gehälter ausbezahlt, diese stiegen wegen der erfolgreichen Kollektivvertragsverhandlungen um beachtliche 771,03 Millionen, von denen wiederum ein großer Teil in den Konsum fließt und zur Belebung der Wirtschaft beiträgt.