Lamprecht: Impfung bringt Normalisierung im Arbeitsleben
Oberösterreich

Lamprecht: Impfung bringt Normalisierung im Arbeitsleben

KUK-Primar im younion-Interview

Im Interview mit der younion Oberösterreich spricht Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler-Universitäts-Klinikum, über die Corona-Pandemie, die Impfung dagegen und welche Auswirkungen sie auf die Rückkehr zur Normalität auch auf dem Arbeitsmarkt haben wird.

younion: Die Corona-Pandemie stellt seit Monaten unsere Gesellschaft auf den Kopf. Was wird notwendig sein, um diese Situation in den Griff zu bekommen?

Lamprecht: Eine Rückkehr zu unserem gewohnten Alltag wird nur durch das Erreichen einer Immunität möglich sein, also entweder durch den Umstand, die Erkrankung durchgemacht und eine Immunität aufgebaut zu haben, oder durch das Nützen einer Schutzimpfung.

Ab Jänner sollen in größerem Ausmaß Menschen gegen das Virus geimpft werden. Welche Chancen bieten sich daraus? Und können wir erwarten, dass sich dadurch die Arbeitswelt wieder normalisieren wird?

Die sehr überzeugenden Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des jetzt zugelassenen Impfstoffes lassen eine Rückkehr zur Normalität in absehbarer Zeit realistisch erscheinen, allerdings hängt der Erfolg ganz wesentlich von der Inanspruchnahme der Impfung ab. Eine Normalisierung in unserem Arbeitsleben ist dann zu erwarten, wenn ein sehr großer Teil der Bevölkerung das Angebot der Impfung annimmt.

Oft hören wir von verunsicherten KollegInnen, dass ihnen Informationen zur Impfung fehlen würden. Was sollten sie darüber wissen?

Zumindest zwei Punkte erscheinen mir besonders wichtig. Erstens, die Impfstoffentwicklung ging nicht so rasch, weil weniger exakt gearbeitet wurde, sondern weil enorme Ressourcen zur Verfügung gestellt wurden und manche Studienphasen nicht wie sonst üblich hintereinander, sondern teilweise parallel zueinander durchgeführt werden konnten. Zweitens, „Erbgut-basierte“ Impfstoffe bedeuten keinesfalls, dass dadurch Änderungen an unserem persönlichen Erbgut entstehen können, sondern der Begriff beschreibt den Umstand, dass genetische Informationen des Virus genützt werden, um das Immunsystem zur Bildung von Abwehrstoffen anzuregen.

Unsicherheit herrscht auch darüber, ob Menschen, die geimpft sind, die Krankheit trotzdem übertragen können. Was kann man darüber zum jetzigen Zeitpunkt sagen?

Aktuell, Ende Dezember 2020, wissen wir, dass die Impfung verlässlich den Geimpften schützt. In welchem Ausmaß auch die Übertragung auf andere gehemmt wird ist noch Gegenstand laufender Untersuchungen, allerdings darf angenommen werden, dass durch die impfbedingt reduzierte Viruslast auch eine geringere Übertragungswahrscheinlichkeit bzw. Infektiosität besteht.

In Israel etwa wurde angekündigt, dass schon bis März 60 Prozent der Menschen geimpft werden können. Wie schnell kann es gehen, dass bei uns breite Bevölkerungsteile geimpft sind?

Dies wird von mehreren Faktoren abhängen, die wichtigsten dabei sind die Verfügbarkeit von ausreichend Impfstoff, die Logistik und natürlich die Akzeptanz in der Bevölkerung. Ich bin optimistisch, dass bis zur Jahreshälfte auch die Hälfte der Bevölkerung geimpft sein kann, alles was zu diesem Zeitpunkt darüber hinausgeht würde mich freuen.

Sie sind täglich mit den KollegInnen auf den Intensivstationen konfrontiert, die seit Monaten im Ausnahmezustand arbeiten. Was brauchen die KollegInnen, um weiterhin durchhalten zu können?

Besonders wichtig sind möglichst sichere Arbeitsbedingungen in denen die eigene Gesundheit nicht gefährdet wird und Wertschätzung für die körperlich und psychisch extrem anspruchsvolle Arbeit.

Wenn Sie in ihrer Familie gefragt werden: Soll ich mich impfen lassen? Welche Empfehlung würden Sie aussprechen?

Ich wurde natürlich bereits gefragt und habe die Impfung empfohlen.