Jugend fordert Maßnahmen statt Jammern

Lehrlingsmonitor OÖ

Jeder dritte Lehrling will nicht im Lehrberuf bleiben 41 Prozent glauben, dass das Können nicht für die Abschlussprüfung reicht

„Der dritte Lehrlingsmonitor zeigt klar, dass es für die Verbesserung der Lehre auch in oberösterreichischen Unternehmen mehr braucht als Namensänderungen und Imagekampagnen“, sagt ÖGJ-Landesvorsitzender Josef Rehberger. 5.253 Lehrlinge aus ganz Österreich sind dazu vom Institut für Berufsbildungsforschung (öibf) zu ihrer Ausbildung befragt worden, darunter 1.233 junge OberösterreicherInnen.

Österreichweit passt für zwei von drei Befragten die Ausbildung, für ein Drittel muss es aber deutliche Verbesserungen geben. Weiterhin sagt auch fast ein Drittel der befragten Lehrlinge, es müsse immer oder häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten leisten. „Wenn mir Lehrlinge erzählen, dass sie den ganzen Tag nur Regale einschlichten, den Boden zusammenkehren oder Material von A nach B tragen, dann wundert mich die Unzufriedenheit mit der Lehrausbildung nicht“, erzählt Rehberger.

JedeR Fünfte will nach der Ausbildung den Betrieb verlassen

Deshalb überrascht es auch nicht, dass 29 Prozent der oberösterreichischen Lehrlinge nicht im Lehrberuf bleiben wollen und jedeR fünfte Lehrling gleich nach der Ausbildung den Betrieb verlassen möchte. Vier von Zehn Jugendlichen bewerten die Rahmenbedingungen im Betrieb als schlecht oder sehr schlecht. „Einerseits verlangt die Wirtschaft nach gut ausgebildeten Fachkräften, andererseits lässt die Qualität der Lehrausbildung in manchen Betrieben zu wünschen übrig. Das passt nicht zusammen“, kritisiert Rehberger. „Es ist erschütternd, wenn vier von zehn Lehrlingen den Eindruck haben, dass ihre erworbenen beruflichen Fähigkeiten, Kenntnisse und Wissen nicht für die Lehrabschlussprüfung reichen!“

ÖGJ fordert Fachkräftemilliarde

Die Bundesregierung hat angekündigt, die Lehrausbildung besser zu fördern. „Das ist ein guter Ansatz. Aber nicht nach dem Gießkannenprinzip“, warnt Rehberger. „Wir fordern einen Ausbildungsfonds, in den Firmen einzahlen, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten. Betriebe, die qualitativ hochwertig ausbilden, sollen aus diesem Topf Förderungen erhalten.“ Finanziert werden soll der Fonds durch ein Prozent der Jahresbruttolohnsumme durch die Unternehmen.

3. Österreichischer Lehrlingsmonitor – weitere Ergebnisse aus Oberösterreich

• 27 Prozent der Lehrlinge geben an, dass ihr Lehrberuf bei der Berufswahl ihr Wunschberuf war. (Ö: 29 Prozent)
• 70 Prozent waren schon einmal krank arbeiten. (Ö: 74 Prozent)
• 17 Prozent haben keine Arbeitszeitaufzeichnungen. (Ö: 23 Prozent)
• 21 Prozent haben schon ernsthaft daran gedacht, ihre Ausbildung abzubrechen. (Ö: 22 Prozent)
• 76 Prozent fühlen sich in ihrer Ausbildung weder über- noch unterfordert, also gerade richtig gefordert. (Ö: 73 Prozent)
• 30 Prozent der Lehrlinge machen freiwillig oder unfreiwillig Überstunden. (Ö: 32 Prozent)

Bereits zum dritten Mal hat das Österreichische Institut für Berufsbildungsforschung (öibf) im Auftrag von ÖGB und AK 5.253 Lehrlinge aus ganz Österreich zu ihrer Ausbildung befragt. 2015 wurde der Lehrlingsmonitor zum ersten Mal durchgeführt.
Alle Ergebnisse sind unter www.lehrlingsmonitor.at abrufbar.