Salzburg

#AmLimit: 110 Jahre Frauentag und noch viel zu tun

Gewerkschaftsfrauen machen den Fairness-Check

Seit 110 Jahren wird nun der Internationale Frauentag offiziell „gefeiert“. Begonnen hat alles mit der Forderung nach dem Frauenwahlrecht, seitdem hat sich vieles bewegt.

Und dennoch geht der gesellschaftliche und politische Fortschritt für Frauen meist „einen Schritt vor, zwei zurück“. Corona mag in vielen Bereichen unseres Lebens ein Treiber gewesen sein, die meisten Frauen erleben die Pandemie allerdings als backlash und Zurückdrängen in alte Rollenbilder.

„Frauen verdienen in Österreich immer noch um 1/5 weniger als Männer. Das mag auf den ersten Blick nicht dramatisch erscheinen, doch gerade jetzt erleben wir, welche Auswirkungen das hat: Überwiegend Frauen arbeiten in den starken Tourismus-Regionen. Sie hat es als erste erwischt – 55% Nettoersatzrate von ohnehin wenig ist für viele Frauen existenzbedrohend“, weist ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Petra Berger-Ratley auf die dramatische Situation von Frauen in Arbeitslosigkeit hin. „Eine – zumindest temporäre – Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70% würde den Frauen enorm und vor allem sofort helfen!“

Hilfreich und absolut notwendig ist auch der Ausbau der leistbaren, ganzjährig geöffneten Kinderbetreuung, fordert ÖGB-Landesgeschäftsführerin Gabi Proschofski. „Nur zu oft werden die Frauen in Teilzeit-Jobs gedrängt, weil die Rahmenbedingungen einfach nicht stimmen! Gerade Frauen würden von einem Ausbau öffentlicher Infrastruktur profitieren.“

Die Ungleichheit wird wieder größer

Die Forderungen, die anlässlich der Frauentage der letzten 100 Jahre aufgestellt wurden, klingen immer noch modern: Arbeitszeitverkürzung, Recht auf straffreien Schwangerschaftsabbruch, ein Leben frei von Gewalt, gerechte Bezahlung und faire Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit.

„Die Krise zeigt, dass die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern wieder wächst, insbesondere bei der Verteilung von Haus- und Familienarbeit, bei der Teilzeitquote und auch bei der Einkommensgerechtigkeit“, ist Berger-Ratley besorgt über die negative Entwicklung.

„In der Krise wird es mit der strukturellen Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt schlimmer. Dem muss mit einer guten Arbeitsmarktpolitik entgegengesteuert werden, die spezifische Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramme für Frauen anbietet“, ergänzt Proschofski. „Denn nur so können wir letztlich die steigende Altersarmut bei Frauen abwenden.“

Frauen #AmLimit

„Die Frauen sind mittlerweile #AmLimit! Sie tragen die gesamte Last und halten die Gesellschaft am Laufen. Sie sind es, die im Handel, der Pflege und der Reinigung arbeiten. Sie sind diejenigen, die Homeschooling, Homeoffice, Familienarbeit und Haushalt jonglieren. Und sie sind es, die trotz all dieser Anstrengungen massiv verlieren: Das ist unfair! Hier sind wir als Gewerkschaftsfrauen gefordert: Wir werden speziell in nächster Zeit überall ganz genau hinschauen, wie sich verschiedene Maßnahmen auf Frauen auswirken und werden einen Fairness-Check machen!“, so die ÖGB-Landesfrauenvorsitzende.

„Eine wirksame Maßnahme ist die flächendeckende Einführung von Einkommensberichten um die Transparenz endlich zu gewährleisten“, ergänzt die ÖGB-Landesgeschäftsführerin und ruft dazu auf, auch die Arbeitsbedingungen in den frauendominierten systemrelevanten Berufen zu verbessern: „Arbeitszeitverkürzung, bessere Bezahlung und echte Wertschätzung statt Klatschen und Loben sind nach einem Jahr Corona mehr als dringend notwendig!“