Salzburg

Petition JETZT unterschreiben: #MehrWärFAIR

Gewerkschaft startet eine Petition, um dringend benötigte Verbesserungen im Bereich der Pflege und Betreuung zu erzielen!

Hier kannst Du die Petition unterstützen!

 

Seit vielen Jahren warnen Gewerkschaften sowie BetriebsrätInnen und PersonalvertreterInnen aus dem Bereich Pflege und Betreuung davor, dass sich die Situation in diesem herausfordernden Berufsfeld drastisch verschlimmern wird, wenn die Politik nicht endlich die notwendigen Maßnahmen setzt um etwas zu ändern. Die COVID-19 Pandemie hat mehr denn je sichtbar gemacht, wo dringender Handlungsbedarf besteht. Die KollegInnen in den Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen haben dabei weit über ihre Belastungsgrenze hinaus vollen Einsatz gezeigt. Es gab Applaus! Es gibt vereinzelte Maßnahmen und Ankündigungen, dass nun endlich gehandelt wird. Aber es stellt sich die Frage, was eigentlich noch passieren muss, bevor was geschieht? „Das Herunterfahren im ganzen Land war ja deshalb notwendig, weil man Angst davor hatte, dass unser Gesundheitssystem kollabiert. Über Jahre hinweg wurde gespart, statt zu investieren. Und leider hat sich das auch im letzten Jahr nicht geändert. Drei Mal gab es einen Lockdown, doch die notwendigen Investitionen im Bereich Pflege und Betreuung blieben aus!“, fasst ÖGB-Landesvorsitzender und AK-Präsident Peter Eder zusammen und ergänzt: „Die KollegInnen aus den Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen berichten uns, dass viele weit über ihre Belastungsgrenze hinaus im Einsatz waren. Hinzu kommt die Angst, sich selbst oder andere mit dem Virus anzustecken und auch die zusätzliche Belastung durch die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen, die den Arbeitsalltag erschweren. Als Gewerkschaftsvorsitzender und Kammerpräsident sage ich ganz klar: Es bleibt keine Zeit mehr. Wir müssen jetzt endlich etwas unternehmen, um die KollegInnen zu entlasten!“

Petition an die Salzburger Landesregierung

Die Gewerkschaften starten daher in Zusammenarbeit mit BetriebsrätInnen und PersonalvertreterInnen aus dem Bereich Pflege und Betreuung sowie Unterstützung der Arbeiterkammer Salzburg am 12. Mai, dem internationalen Tag der Pflege, die Petition #MehrWärFAIR. Die Forderungen richten sich an die Salzburger Landesregierung und wurden gemeinsam erarbeitet. Eingebunden waren dabei sowohl BetriebsrätInnen und PersonalvertreterInnen aus den Gesundheits-, Pflege und Sozialberufen sowie VertreterInnen der Gewerkschaften (GPA, vida, younion und GÖD), die für diese Berufsgruppen zuständig sind und auch die ExpertInnen der Arbeiterkammer Salzburg. „Es findet sich in der gesamten Petition keine einzige Forderung, die nicht explizit auf die derzeitige Situation der ArbeitnehmerInnen im Bereich Pflege und Betreuung eingeht. Jede einzelne Forderung kann von der Salzburger Landesregierung angegangen werden, sofern sie bereit ist, die dafür notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen“, informiert Eder.

Dringender Personalbedarf

Die Pflegeplattform des Landes Salzburg hat selbst in ihrem Endbericht Mitte 2019 festgestellt, dass bis 2024 ein zusätzlicher Personalbedarf von 3.040 Pflegekräften besteht. Trotz Investitionen in zusätzliche Ausbildungsplätze wird davon ausgegangen, dass 2024 bis zu 880 Pflegekräfte fehlen werden, um den Bedarf zu decken und das obwohl es ohnehin dringend eine neue Personalberechnung brauchen würde, um PatientInnen und KlientInnen eine gute Versorgung zu gewährleisten, wie Christian Freisinger, Betriebsratsvorsitzender im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder berichten kann. „Wir brauchen mehr Personal und dafür braucht es eine neue Berechnungsmethode, wenn wir alle Leistungen abdecken wollen, die abgebildet sind. Da muss beispielsweise auch mal ein Patientengespräch miteinberechnet werden, weil PatientInnen das brauchen und es ja nicht nur um eine reine Versorgungsleistung geht. Aber wie soll das funktionieren, wenn man z.B. im Nachtdienst alleine für 32 Betten verantwortlich ist?“, schildert Freisinger die aktuelle Problematik.

Den Mangel an Pflegepersonal beklagt auch Waltraud Schmidt, Zentralbetriebsrätin im Tauernklinikum. „Wir haben zu wenig Personal, was insbesondere im letzten Jahr ein sehr großes Problem war. Deshalb mussten auch so viele Mehr- und Überstunden geleistet werden.“, berichtet Schmidt.

Den dringenden Personalbedarf sieht auch SALK-Zentralbetriebsrätin Sabine Gabath gegeben. „Die Petition spricht mir aus der Seele. Seit Jahren steuern wir bewusst auf einen gravierenden Pflegekräftemangel hin. Damit sich junge Menschen für diesen Beruf entscheiden können ist eine bezahlte Ausbildung unumgänglich. Taschengeldzahlungen setzen ein vermögendes Elternhaus voraus. Dies ist in der Realität nicht mehr machbar. Daher erlernen viele interessierte junge Menschen dann einen anderen Beruf. Einen, der ihren Lebensunterhalt finanziert.“, begründet Gabath ihre Unterstützung für die Petition.

 

Faire Bezahlung und bessere Rahmenbedingungen

Hinzu kommt, dass auch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen sowie eine faire Bezahlung das Gebot der Stunde sind, wie Lebenshilfe-Betriebsrat Christoph Eschbacher schildert, der sich auch in der Plattform Wir-fair-dienen-mehr engagiert. „Die Petition #Mehr Wär FAIR! hat meine volle Unterstützung: Die LeistungsträgerInnen unserer Gesellschaft verdienen Anerkennung und endlich ein faires Gehalt. Die Entscheidung für einen Beruf im Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich darf nicht dazu führen, dass die ArbeitnehmerInnen selbst krank werden oder in prekären sozialen Verhältnissen leben. Deshalb ist die Forderung nach fairer Bezahlung und ausreichend Personal so wichtig – damit die anstehenden Aufgaben professionell bewältigt werden können!“, erklärt Eschbacher.

„Für mich ist es ein sehr wichtiges Zeichen, dass sich so viele BetriebsrätInnen, PersonalvertreterInnen, alle vier Pflege-Gewerkschaften, der ÖGB und die AK zusammengefunden haben, um gemeinsam die Petition auszuarbeiten und zu starten. Denn nur, wenn wir alle zusammenhalten, dann können wir mit geballter Kraft etwas erreichen und hoffen dabei natürlich auf breite Unterstützung.“, betont Waltraud Schmidt.

Pandemie hat die Situation weiter verschärft

Viele Probleme, die bereits in den letzten Jahren immer wieder von den ArbeitnehmerInnen-Interessenvertretungen aufgezeigt wurden, haben sich durch die Corona-Pandemie noch verschärft, wie die KollegInnen aus dem Bereich berichten können. „Arbeit im Pflege-, Sozial und Gesundheitsbereich fordert immer den ganzen Menschen. In der Corona-Pandemie ist zur Sorge um die eigene Gesundheit auch die Sorge um PatientInnen und KlientInnen hinzugekommen. Hier haben die ArbeitnehmerInnen eine immense Verantwortung geschultert und großen persönlichen Einsatz bewiesen. Jetzt müssen der verbalen Anerkennung endlich Taten folgen: ausreichend Personal ist der Schlüssel zu guten Arbeitsbedingungen.“, fasst Christoph Eschbacher zusammen.

Auch Christian Freisinger kann sich gut erinnern, welche neuen Herausforderungen das letzte Jahr geprägt haben. „Besonders schwierig war, dass sich die Lage oft innerhalb von wenigen Stunden um 180 Grad gedreht hat und dann hat Personal gefehlt. Für das Personal ja auch eine Herausforderung. Als Kontaktperson 2 darf man arbeiten gehen aber z.B. keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Dann musst du schauen, wie du in die Firma kommst. Von jenen, die auch noch Kinderbetreuungspflichten haben gar nicht erst zu reden.“, berichtet Freisinger und ergänzt: „Da wird immer wieder gepredigt, dass sich Leistung lohnen muss. Wo bleibt dann der Lohn für unsere Leistung?“

Die sich ständig kurzfristige Änderung der Gesetzeslage war und ist auch in den Augen von Sabine Gabath eines der größten Probleme. „Nichts ist mehr planbar.“, fasst Gabath kurz und knapp zusammen und ergänzt: „Als besonders verletzend empfand ich um 18:00 Uhr die Applausminuten für die Pflegeberufe. Gebracht hat es uns nichts. Sobald das Schlimmste vorbei ist, wird die Pflege im Akut und Langzeitbereich wieder ohne Rücksicht auf ausgebrannte und erkrankte MitarbeiterInnen ausgebeutet – mit dem Hinweis auf Pandemie, hier sind alle Arbeitszeitschutzgesetze außer Kraft gesetzt!“

Für Waltraud Schmidt waren die zusätzlichen Schutzmaßnahmen für das Personal einer der größten Herausforderungen. „Zu Beginn war es schon mal schwierig, überhaupt ausreichend Schutzkleidung für das gesamte Personal zu erhalten.“, erinnert sich Schmidt und ergänzt: „Bis heute ist die Schutzausrüstung auch eine der größten Herausforderungen für das Personal. Durch die zusätzliche Schutzkleidung ist der Arbeitsalltag der PflegerInnen erschwert.“