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Equal Pension Day 2020- Kärntner Frauen bekommen rund 41 % weniger Pension als Männer

„Equal Pension Day“ am 22. Juli

Altersarmut ist vorwiegend weiblich: Während Männer in Tirol eine durchschnittliche Alterspension von 2.042 Euro beziehen, sind es bei Frauen laut Pensionsversicherungs-Jahresstatistik lediglich 1.138 Euro brutto. Die Differenz beträgt somit 44,3%. „Vor allem die aktuelle Teuerung wird für Pensionistinnen zur Armutsfalle!“, warnt Tirols ÖGB-Frauenvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied. Sie spricht von einem „untragbaren Zustand“ und verweist auf den hohen Prozentsatz an unbezahlter Arbeit, die hauptsächlich von Frauen übernommen wird. Symbolisiert wird die Pensionsschere alljährlich durch den „Equal Pension Day“, also jenen Tag, an dem Männer bereits so viel Pension erhalten haben, wie Frauen erst zu Jahresende bekommen.

 

Unfreiwillige Teilzeitarbeit

„Frauen steigen im österreichischen Pensionssystem deutlich schlechter aus als Männer. Und das, obwohl Frauen nach wie vor den Großteil an unbezahlter Arbeit wie Kinderbetreuung, Hausarbeit und Pflege von Angehörigen leisten. Gleichzeitig gibt es nach wie vor zu wenig Kinderbetreuungsplätze. All diese Faktoren führen dazu, dass fast die Hälfte aller Frauen in Teilzeit arbeitet – oft unfreiwillig“, zeigt Föger-Kalchschmied auf. Laut Eurostat wird jede dritte Teilzeitanstellung in Österreich durch Betreuungspflichten verursacht.

 

Tirols ÖGB-PensionistInnenvorsitzende Johanna Wieser bestätigt die oft prekäre Situation: „Die Folge von unterbrochenen Erwerbszeiten und Teilzeitarbeit ist massive Altersarmut, die durch die aktuelle Teuerung ein äußerst besorgniserregendes Ausmaß erreicht hat. Einmal mehr schneiden Tirolerinnen im Österreich-Vergleich schlechter ab: Liegt die österreichische Durchschnittspension für Frauen bei 1.239 Euro, sind es in Tirol lediglich 1.138 Euro.“ Der österreichische Equal Pension Day fällt somit auf den 3. August, jener in Tirol bereits auf den 22. Juli.

 

Rechtsanspruch auf Kinderbildung

Um Frauen die Möglichkeit zu geben, Vollzeit zu arbeiten und so im Alter eine höhere Pension zu beziehen, braucht es neben einer besseren und längeren Anrechnung der Kindererziehungszeiten auch einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbildungsplatz für jedes Kind ab dem 1. Geburtstag. „Der Rechtsanspruch würde zu echter Wahlfreiheit führen und berufstätigen Frauen ermöglichen, selbst zu entscheiden, wie viele Stunden sie arbeiten wollen“, begründet Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth die ÖGB-Forderung. Problematisch sei zudem, dass klassische „Frauenbranchen“ wie Pflege, Handel und Tourismus traditionell schlecht bezahlt würden – dies sei seit Jahrzehnten der Fall und habe sich bislang kaum geändert. „Hier braucht es endlich ein Umdenken dahingehend, dass wir jene Berufe, die wesentlich für unsere Gesellschaft sind, auch wertschätzen und entsprechend bezahlen!“, appelliert der Tiroler ÖGB-Chef.

 

Neue Belastungen durch Anheben des Pensionsalters

Prekär auch die generelle Beschäftigungssituation: Lediglich die Hälfte aller Frauen geht überhaupt von der Erwerbstätigkeit in die Pension. Ein weiterer Schlüssel zur Reduktion der Einkommensschere sind daher auch faire, gesunde Arbeitsbedingungen, die es Frauen ermöglichen, möglichst lange im Berufsleben zu bleiben. „Je länger die Arbeitslosigkeit, desto geringer auch die Pension – und die Situation wird sich mit der schrittweisen Anhebung des Frauenpensionsalters ab 2024 verschärfen”, warnt Wohlgemuth und weiter: „Um Menschen länger im Erwerbsleben halten zu können, braucht es auch entsprechende Rahmenbedingungen wie altersgerechte Arbeitsplätze. Dass es viele aufgrund der außerordentlichen Belastungen des Jobs nicht bis zum regulären Pensionsantritt schaffen, muss uns ein Warnsignal sein!“ Auch Föger-Kalchschmied sieht die Politik am Zug: „Arbeitsmarktpolitische Angebote zur Bekämpfung von Frauenarbeitslosigkeit sowie Aus-, Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen müssen ausgebaut und auf Lebensrealität von Frauen mit Betreuungspflichten ausgerichtet und leistbar sein. Zudem müssen Frauenförderpläne endlich greifen.“

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