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Gina Sanders – stock.adobe.com

Alarmsignal steigende Arbeitslosigkeit älterer Frauen

Raschen Gegenmaßnahmen und fairer Steuerfreibetrag beim Zuverdienst

Angesichts der parallel zum Pensionsantrittsalter steigenden Arbeitslosigkeit von älteren Frauen zeigt sich Tirols geschäftsführende ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied höchst alarmiert: „Unsere Befürchtungen haben sich leider bestätigt: Immer mehr Frauen verharren am Ende ihres Erwerbslebens in der Arbeitslosigkeit und gehen nicht selten direkt von der Arbeitslosigkeit in die Pension. Die Bundesregierung ist hier gefordert, diesem gefährlichen Trend schnellstens gegenzusteuern!“ Erste Maßnahmen könnten für die Tiroler ÖGB-Chefin die Einführung eines Bonus-Malus-Systems für Betriebe sein sowie die Steigerung alternsgerechter Arbeitsplätze. Nachbessern müsse man auch beim Steuerfreibetrag für den Zuverdienst in der Pension.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im März 2026 waren österreichweit 4.670 Frauen im Alter von 60 Jahren ohne Job, das sind dreieinhalbmal so viele wie vor zwei Jahren. Bei den 61-jährigen Frauen waren es mit 1.900 sogar zehnmal so viele wie vor zwei Jahren. Das entspricht einer Verdoppelung der Arbeitslosenquote bei den 60-jährigen Frauen auf 9,5 Prozent, bei den 61-Jährigen stieg sie gar von 1,6 auf 8,3 Prozent an. „Das zeigt: Wer in Österreich mit über 55 Jahren den Job verliert, hat ein echtes Problem. Die Chancen, wieder Arbeit zu finden, sind erschreckend gering“, zieht Föger-Kalchschmied Resümee. Ansetzen müsse man bei den Betrieben, ist sie überzeugt, denn mehr als jeder vierte größere Betrieb beschäftigt niemanden, der über 60 Jahre alt ist. Und über die Hälfte keine einzige Frau in diesem Alter.

Unterstützung für Betriebe, die ältere Beschäftigte halten

Föger-Kalchschmied fordert daher die Einführung eines Anreizsystems für Betriebe: „Wir müssen jene Unternehmen unterstützen, die Ältere beschäftigen. Im Gegenzug sollen jene Betriebe, die Älteren keine Chancen geben, mittels Ausgleichszahlungen ihren Beitrag leisten. Die Idee dahinter ist so einfach wie wirkungsvoll: Wer Verantwortung übernimmt, wird belohnt. Wer Menschen in die Arbeitslosigkeit schiebt, soll dafür zahlen.“ Die Unternehmen sollten zudem mehr alternsgerechte Arbeitsplätze schaffen.

Zuverdienst in Pension oft bitter nötig

Die Durchschnittspensionen in Tirol beträgt 1.697 Euro brutto und belegt damit den vorletzten Platz im österreichweiten Vergleich. Nur in Vorarlberg ist die durchschnittliche Pension noch geringer. Prekär ist die Lage vor allem für Frauen: Während Tiroler im Schnitt 2.281 Euro brutto Pension erhalten, sind es bei Frauen lediglich 1.327 Euro brutto. „Ein Zuverdienst in der Pension ist für viele bitter nötig, um über die Runden zu kommen. Umso wichtiger ist es, den geplanten Steuerfreibetrag für Arbeiten in der Pension nicht nur an die Versicherungsjahre zu koppeln, sondern diese Möglichkeit auf jene mit geringen Pensionsansprüchen auszuweiten“, betont die Gewerkschafterin. Sie verweist auf eine Win-Win-Situation für alle: „Damit würden keine zusätzlichen Kosten entstehen, vielmehr würde man den Staat damit entlasten und die Menschen im Erwerbsleben halten.“ Der Steuerfreibetrag für Arbeiten in der Pension soll künftig bei Frauen erst ab 34 Beitragsjahren gelten. „Das benachteiligt ausgerechnet jene Frauen, die den Zuverdienst am dringendsten brauchen – nämlich jene mit unterbrochenen Erwerbsbiografien oder langen Betreuungszeiten“, kritisiert Föger-Kalchschmied und betont: „Anstatt Angst haben zu müssen vor einer Pension in Armut sollten die Menschen Perspektiven bekommen!“

„Wer hart gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat, darf im Alter nicht auch noch steuerlich bestraft werden. Der Steuerfreibetrag muss allen Pensionistinnen zugutekommen, die auf einen Zuverdienst angewiesen sind – nicht nur jenen, die auf 34 Beitragsjahre kommen“, fordert Föger-Kalchschmied. Sie spricht sich abschließend für mehr Wertschätzung für ältere Arbeitnehmer:innen: „Beschäftigte mit langen Lebens- und Erwerbsbiographien können wertvolles Wissen, Erfahrung und Verlässlichkeit vorweisen – Qualitäten, die wir am Arbeitsmarkt und in unserer Gesellschaft brauchen und schätzen sollten!“

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