Endlich aufstehen gegen Altersarmut bei Frauen

Equal Pension Day in Tirol heuer schon am 21.7.2021

Der Equal Pension Day ist jedes Jahr eine Mahnung für die gesamte Gesellschaft. An diesem Tag haben Männer bereits so viel Pension erhalten, wie Frauen erst am Ende des Jahres bekommen. Frauen sind nicht nur während ihrer Erwerbstätigkeit gegenüber Männern oftmals benachteiligt, diese traurige Tatsache zieht sich bis in die Pension durch. Der ÖGB Tirol appelliert an die Politik, umfassende Fördermaßnahmen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu etablieren und die echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf endlich zu gewährleisten, unter anderem mit einem Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag des Kindes.

 

In Tirol liegt die Durchschnittspension einer Frau bei 1.099 Euro, die der Männer hingegen bei 1.982 Euro. Diese hohe Differenz kommt nicht von ungefähr – Teilzeitbeschäftigung, lange Kindererziehungszeiten und das Leisten von unbezahlter Arbeit sind nur einige Gründe für diese erschreckenden Zahlen. „Frauen wurden im letzten Jahr zurecht oftmals als Systemerhalterinnen gefeiert“ so Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth. Er betont: „Dennoch schlägt sich das nicht wirklich auf dem Gehaltszettel nieder, folglich auch nicht in der Pension.“ Prekär auch die generelle Beschäftigungssituation: Lediglich die Hälfte aller Frauen geht überhaupt von der Erwerbstätigkeit in die Pension. Wohlgemuth sieht daher die Politik am Zug: „Arbeitsmarktpolitische Angebote zur Bekämpfung von Frauenarbeitslosigkeit sowie Aus-, Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen müssen ausgebaut und auf Lebensrealität von Frauen mit Betreuungspflichten ausgerichtet und leistbar sein. Zudem müssen Frauenförderpläne endlich greifen.“

 

Die nach wie vor vorherrschende klassische Rollenverteilung ist ein weiterer Hauptpunkt in der Debatte um Altersarmut bei Frauen. Tirols ÖGB-Frauenvorsitzende Karin Brennsteiner ortet hier eine besondere Benachteiligung von Frauen durch die Pandemie. „Frauen wurden durch Homeschooling und Homeoffice wieder vermehrt in klassische Rollenbilder gedrängt. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein Thema, mit dem sich viele Frauen das gesamte Berufsleben lang hindurch auseinandersetzen müssen. Es ist an der Zeit, Frauen in diesem Punkt besonders zu unterstützen, um Altersarmut zu verhindern!“

 

Konkrete Maßnahmen, um der großen Pensionsschere zwischen Männern und Frauen entgegenzusteuern, sind unpopulär, wären allerdings äußerst effektiv, so Brennsteiner. „Es muss vermehrt auf den Rechtsanspruch der Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr gesetzt werden. Somit wird für Mütter eine echte Wahlfreiheit zwischen Familie und Beruf geschaffen. Genauso verhält es sich mit der Anrechnung von Kindererziehungszeiten. Jede Frau, die sich bewusst für die Kindererziehung entscheidet, leistet einen ebenso großen Beitrag an die Gesellschaft, wie eine berufstätige Frau. Es ist das mindeste, dass hier in Form angemessener Zahlungen in der Pension etwas vom Staat zurückkommt!“ schließt sie.