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85 Prozent aller Corona-Arbeitslosen sind Frauen
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Frauen Hauptbetroffene von massiver Teuerung

„Vor allem Tirolerinnen, die ohnehin schon mit unterdurchschnittlichen Einkommen und hohen Lebenserhaltungskosten zu kämpfen haben, leiden unter der hohen Teuerung. Für sie braucht es gezielte Entlastungsmaßnahmen!“, fordert Tirols ÖGB-Frauenvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied. Als Beispiel für eine ganz besonders betroffene frauendominierte Branche nennt sie Mobile Dienste, wie Betreuung und Heimhilfen: „Viele können sich ihren Job angesichts der enormen Spritpreise nicht mehr leisten!“

„Weibliche Beschäftigte zählen bekanntlich zu den Verliererinnen der Corona-Krise: Während vor allem viele im Tourismus arbeitende Frauen ihren Job verloren, wurden andere - zerrissen zwischen Kinderbetreuung und systemrelevanter Arbeit wie beispielsweise Pflege und Handel - an ihre Grenzen gebracht. Auch in finanzieller Hinsicht besteht massiver Aufholbedarf!“, so Föger-Kalchschmied. Laut einer Berechnung der Arbeiterkammer lag das mittlere Jahresbruttoeinkommen der Frauen in Tirol im Jahr 2020 mit lediglich 20.396 Euro deutlich unter dem Bundes-Schnitt von 22.993 Euro und bildet demnach das traurige Schlusslicht im Österreich-Ranking. Der Rückstand beträgt satte 5,7%. Auf die hohe Teilzeitquote allein ist dieser Umstand nicht zurückzuführen, denn auch bei ganzjähriger Vollzeitarbeit fehlen den Tirolerinnen sechs Prozent zum Bundes-Schnitt. Vergleicht man die Einkommen mit Wien, fehlen fast 6.000 Euro pro Jahr.

Diese Situation ist eine Katastrophe!

Sonja Föger-Kalchschmied, ÖGB-Frauenvorsitzende Tirol

Mobile DienstleisterInnen können sich Arbeit nicht mehr leisten

„Durch die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise droht vielen Frauen der Absturz in die Armut! Müssen sie dann auch noch zur Arbeit pendeln, sind die hohen Spritpreise doppelt belastend“, zeigt Föger-Kalchschmied auf und verweist auf die Beschäftigten in Mobilen Diensten: „Immer öfter bekomme ich von Beschäftigten beispielsweise aus den Mobilen Diensten zu hören, dass sie sich ihre Arbeit nicht mehr leisten können. Diejenigen, die kein Dienstauto zur Verfügung gestellt bekommen, müssen die Fahrten mit dem privaten PKW erledigen. Aufgrund der gestiegenen Spritpreise verdienen sie defacto unterm Strich deutlich weniger, da die Ausgaben um einiges gestiegen sind. Der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel ist in diesem Bereich besonders im ländlichen Raum so gut wie unmöglich. Diese Situation ist schlichtweg eine Katastrophe, denn wir können es uns nicht leisten, diese Menschen zu verlieren. Das ist nur ein Beispiel von vielen, wo meist Frauen die aktuelle Krise schultern und trotz widriger Umstände ihrer sozialen Verantwortung nachkommen.“ Von den im Entlastungspaket vorgesehenen Einmalzahlungen haben die Betroffenen wenig, von der von der Gewerkschaft geforderten Erhöhung des Kilometergeldes von 42 auf 50 Cent und der Streichung der Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel würden sie dagegen entscheidend profitieren.

„Frauen brauchen Planungssicherheit und finanzielle Absicherung, so rasch wie möglich. Schon von der letzten Steuerreform haben Frauen nur zu 31 Prozent profitiert. Jetzt dürfen sie nicht wieder die Verliererinnen der Teuerungswelle sein. Das Geld ist vorhanden, es ist höchste Zeit, dass es zielgerichtet an die Betroffenen geht!“, appelliert Föger-Kalchschmied abschließend.

 

Die ÖGB-Frauen fordern daher:

  • Direktzuschüsse für einkommensarme Haushalte und eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas und Strom
  • Streichung der Mehrwertsteuer bei Benzin und Diesel
  • Nutzung des öffentlichen Verkehrsangebotes günstiger machen (Entfall der Mehrwertsteuer auf Zeitkarten)
  • Anhebung des Kilometergeldes von 42 auf 50 Cent
  • Anhebung des kollektivvertraglichen Mindestlohns auf 1.700 Euro
  • Beitragsfreie und flächendeckende Kinderbildungsangebote
  • Erhöhung der Nettoersatzrate des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent
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