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savvalinka - stock.adobe.com

Gewalt am Arbeitsplatz:

Endlich Riegel vorschieben!

Erst diese Woche verletzte und attackierte ein Mann eine Mitarbeiterin in einem Innsbrucker Supermarkt. „Gewalt am Arbeitsplatz ist kein Einzelphänomen, sondern weit verbreitet. Wir müssen das Thema endlich aus der Tabuzone holen und mit entsprechenden Schutzkonzepten bzw. baulichen Maßnahmen entgegenwirken“, so Tirols geschäftsführende ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied. In der Verantwortung sind hier die Betriebe: Seit 11. September 2025 gilt in Österreich das ILO-190-Übereinkommen gegen Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz, das Arbeitgeber zu Präventionskonzepten, Schutzmaßnahmen und Schulungen verpflichtet. Für die Täter:innen fordert sie entschieden härtere Strafen. „Wer Personen bei der Ausübung ihres Berufs angreift, darf nicht so leicht davonkommen!“, so die Gewerkschafterin.

Jede/r Vierte betroffen

Gewalt am Arbeitsplatz ist kein Einzelphänomen, sondern weit verbreitet. Jede vierte Österreicherin bzw. jeder vierte Österreicher war in ihrem oder seinem Arbeitsleben bereits mehr als einmal mit „negativem Sozialverhalten“ am Arbeitsplatz konfrontiert. Gewalt hat viele Gesichter und beginnt bei Beleidigungen und Anschreien bis hin zu tätlichen Angriffen. Gerade psychische bzw. emotionale Gewalt ist teils schwer zu fassen, da seelische Wunden im Gegensatz zu körperlichen nicht sichtbar sind. Die Folgen von psychischer Gewalt sind meist langfristig und reichen von Krankenständen oder Burn Out bis hin zum Berufsausstieg. Doch auch tätliche Angriffe haben meist weitreichende Folgen: Neben körperlichen Schmerzen leiden viele über Jahre unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Gewalt am Arbeitsplatz kann von Kolleg:innen und/oder Vorgesetzten ausgehen, aber auch von Kund:innen oder zu betreuenden Personen. 

„Vermehrte Übergriffe auf Beschäftigte sind ein alarmierendes und schockierendes Zeichen für gesellschaftliche Fehlentwicklung. Mit ILO-190 werden Gewalt und Belästigung erstmals als systemisches Problem der Arbeitswelt anerkannt und nicht als individuelles Versagen“, sieht Föger-Kalchschmied darin einen wichtigen Schritt. „Gewaltprävention darf aber kein Lippenbekenntnis bleiben. Arbeitgeber sind längst in der Pflicht, wirksame Maßnahmen sicherzustellen“, so die Gewerkschafterin. Sie fordert, dass Arbeitgeber ihre Fürsorgepflicht stärker als bisher wahrnehmen und Arbeitnehmer:innen vor Übergriffen schützen müssen.  „Neben entsprechenden Schutzkonzepten bzw. baulichen Maßnahmen braucht es noch weitere Maßnahmen, damit Beschäftigte nicht mehr Zielscheibe von Gewalt werden. Wir setzen uns dafür ein, dass wenn ein Arbeitgeber kein geeignetes Präventionskonzept vorweisen kann, im Falle einer Belästigung ein Schadenersatz für Betroffene in Höhe von mindestens 5.000 Euro fällig werden soll. Für Täter:innen muss es entschieden härtere Strafen geben! Außerdem müssen Unternehmen Führungskräfte entsprechend schulen. Schulungen alleine sind aber nicht genug, sie können nur Teil eines umfassenden Gewaltschutzkonzepts sein.“ Sie betont abschließend: „Gewalt am Arbeitsplatz ist keine Bagatelle, sondern muss kompromisslos geahndet werden!“

Handel besonders betroffen

Philip Pollak, Regionalsekretär der Gewerkschaft GPA, weiß um die Problematik speziell im Handelsbereich: „Der gestiegene Druck ist im Handel absolut spürbar und hat seit Corona auch nicht nachgelassen. Uns erreichen viele Anfragen aus dem Handel, in denen uns Beschäftigte ihr Leid klagen. Das kann von ungerechtem Verhalten von Kund:innen bis über wirklich grobe Beleidigungen und auch Beschimpfungen oder im schlimmsten Fall wie zuletzt tätlichen Angriffen gehen. Gerade Handelsbeschäftigte, die Großteils Frauen sind, brauchen stärkere Schutzmechanismen durch ihre eigenen Betriebe und die Branche an sich mehr Attraktivität für Arbeitnehmer:innen. Die Gewerkschaft GPA kämpft daher jedes Jahr für einen guten Kollektivvertragsabschluss für die gesamte Branche und versucht, bessere Rahmenbedingungen für die ungefähr 50.000 Tiroler Handelsbeschäftigten zu erreichen.“ Pollak rät den Handelsbeschäftigten: „Nichts schützt stärker als die Gewerkschaft. Ich rate allen Arbeitnehmer:innen dazu, sich bei Fragen und Problemen, insbesondere bei Mobbing, Burn Out und persönlichen Angriffen, aber genauso bei der Überprüfung von Dienstverträgen oder Abrechnungen, bei der Gewerkschaft GPA zu melden. Wir können helfen!“

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