Jungen Menschen Ausbildung in ihrem Wunschberuf ermöglichen

Vermeintlicher Überhang an Lehrstellen verzerrt Realität
Helena Sachers

„Der Schein trügt: Auch wenn rein rechnerisch mehr offene Lehrstellen den Lehrstellensuchenden gegenüberstehen, bedeutet das aber noch lange nicht, dass in der gewünschten Branche ein Ausbildungsplatz zur Verfügung steht“, rückt Thomas Spiegl, Tirols Vorsitzender der ÖGJ (Österreichische Gewerkschaftsjugend) die Statistik ins rechte Licht. 

 

So sind beispielsweise im Bereich Tourismus laut AMS 462 offene Lehrstellen gemeldet, während nur 13 angehende KöchInnen eine Lehrstelle suchen sowie 12 Jugendliche im Bereich Hotel- und Gaststättenberufe aller Art (Quelle: karriere-mit-lehre.tirol). „Jungen Menschen müssen alle Türen offenstehen. Deswegen ziehen wir hier mit der Wirtschaftskammer an einem Strang und setzen uns schon lange für eine weitere Attraktivierung der Lehre und die Unterstützung jener Betriebe, die Lehrstellen anbieten, ein“, betont auch Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth. 

 

„Viele junge Menschen suchen derzeit verzweifelt einen guten Ausbildungsplatz. Nicht umsonst ist die Jugendarbeitslosigkeit mit einem Anstieg von 116 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erschreckend hoch. 4.365 unter 25Jährige sind derzeit in Tirol arbeitslos gemeldet. Der Lehrlingsbonus der Regierung für Firmen, die zwischen März und Oktober des Vorjahres einen Lehrling neu eingestellt haben, ist ein nettes Goodie, mehr aber auch nicht. Die Verteilung ist viel zu wenig treffsicher. Gerade jetzt bräuchte es einen Notausbildungsfonds, wo wirklich nur die Betriebe Geld bekommen, die es brauchen. Damit könnten auch kleinere Betriebe, die durchaus zur Lehrlingsausbildung bereit wären, sich diese allerdings derzeit nicht leisten können, dabei unterstützt werden, Lehrlinge aufzunehmen“, so Spiegl.