Lohntransparenzrichtline rasch umsetzen
Appell an die Tiroler WKO-Präsidentin
„Wer Chancengleichheit und Einkommensgerechtigkeit mit dem vorgeschobenen Argument der Bürokratie verhindern will, sorgt für massive Rückschritte in puncto Gleichberechtigung und schädigt nicht nur den Arbeitsmarkt, sondern unsere gesamte Gesellschaft! Was für uns bei dem Vorschlag zur Lohntransparenz zu korrigieren ist, ist die Offenlegung der Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeiter:innen“, stellt Tirols geschäftsführende ÖGB-Landesvorsitzende angesichts der Forderung der Tiroler Wirtschaftskammer-Präsidentin nach einem Aussetzen der Lohntransparenzrichtlinie klar. Diese ist aufgrund der EU-Vorgaben bis Juni diesen Jahres verpflichtend umzusetzen.
„Unklarheit bei der Bezahlung fördert Unruhe. Offenheit schafft hingegen Sicherheit“, so Föger-Kalchschmied. Sie betont: „Lohntransparenz in Betrieben muss endlich umgesetzt werden – und zwar kompromisslos und zeitnah! Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Lohntransparenzrichtlinie kann wie eine Art Gütesigel für faire Unternehmen gelten - wo gerecht bezahlt wird, dort bewerben sich die Beschäftigten. Es geht hier nicht um die Benachteiligung einzelner, sondern um ein strukturelles Ungleichgewicht. Ich erwarte mir, dass hier endlich alle an einem Strang ziehen – auch und vor allem die Arbeitgeberseite. Wenn man das verhindert, dann setzt man sich für ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern ein, die Lohnschere wird sich so nicht schließen. Gleiche Bezahlung muss das Ziel sein und bedeutet nicht, dass Männer weniger verdienen, sondern Frauen mehr.“ Dass die Lohntransparenzrichtlinie umgesetzt werden muss, sei zudem gesetzlich vorgegeben und folglich nicht verhandelbar.
Auch für Unternehmen bedeutet Lohntransparenz einen Wettbewerbsvorteil: Eine faire Entlohnung zieht neue Talente an und steigert die Zufriedenheit der Mitarbeiter:innen. Eine gerechte Bezahlung bindet zudem die Beschäftigten ans Unternehmen und verringert die Fluktuation.
Von der Lohntransparenzrichtlinie sollen vor allem Frauen profitieren. „Wer nicht weiß, was Kolleg:innen verdienen, kann sich nur schwer gegen Ungleichheit wehren. Aktuell verschärft der Mangel an Transparenz das Problem. Wir müssen das Gehalt endlich aus der Tabuzone holen!“, fordert die Tiroler ÖGB-Chefin abschließend. Im Juni 2026 soll die Umsetzung der EU-Transparenzrichtlinie auf nationaler Ebene erfolgen – ein wichtiger Schritt. Die Offenlegung soll künftig für alle Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeiter:innen verpflichtend sein – für die Gewerkschafterin braucht es noch mehr: „Diese neue und wichtige Regelung muss für alle Betriebe gelten, unabhängig von der Beschäftigtenanzahl. Löhne und Gehälter dürfen kein Geheimnis mehr sein!“