Schieflage am Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit trifft deutlich mehr Frauen

Trotz leichter Erholung des Tiroler Arbeitsmarktes warnt Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth: „Die Situation ist nach wie vor verheerend!“. Vergleiche zum Vorjahresmonat sind für ihn nicht zulässig: „Natürlich waren im Mai letzten Jahres - zum Höhepunkt der Krise – die Zahlen noch schlechter. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Lage äußerst drastisch ist und dringend Maßnahmen wie ein gutes soziales Auffangnetz erfordert.“ Nach wie vor sind deutlich mehr Frauen arbeitslos als Männer.

 

Laut AMS-Statistik sind in Tirol 22.814 Menschen arbeitslos gemeldet, 12.500 von ihnen sind Frauen. „Vor allem im Dienstleistungssektor und im immer noch angeschlagenen Tourismus arbeiten sehr viele Frauen, sie hat die Corona-Krise mit voller Wucht getroffen. Angesichts der Tatsache, dass Frauen ohnehin schon oft in prekären Dienstverhältnissen beschäftigt sind – Stichwort Teilzeit – und auch in Bezug auf die Einkommen leider nach wie vor deutlicher Aufholbedarf besteht, braucht es hier gezielte Maßnahmen, damit Frauen nicht die Verliererinnen dieser Krise werden“, so Wohlgemuth. Er fordert gezielte Arbeitsmarktmaßnahmen und Qualifizierungsangebote für Frauen.

 

Notstandshilfe bei knapp 30 Euro

Auch die Anhebung der Notstandshilfe auf das Niveau des Arbeitslosengeldes müsse bis zum Ende der Krise garantiert werden. „Dass das Arbeitslosengeld bzw. die Notstandshilfe bei weitem nicht ausreichen, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Der durchschnittliche Tagsatz des Arbeitslosengelds betrug im Vorjahr 33,40 Euro, bei der Notstandshilfe 29,50 Euro. Auch hier sind Frauen eindeutig im Nachteil, denn während Männer im Durchschnitt mit einem täglichen Arbeitslosengeld von 36,60 Euro rechnen konnten, liegt der Wert mit 30,50 Euro bei Frauen deutlich niedriger. Noch drastischer in Hinblick auf die Notstandshilfe: Männer erhalten durchschnittlich 31,20 Euro täglich, Frauen 27,5 Euro“, informiert Wohlgemuth, der gleichzeitig warnt: „Damit liegen Betroffene weit unter der Armutsgrenze, das Geld reicht vielerorts an allen Ecken und Enden nicht.“

 

Politik muss Menschen vor Armut schützen

Für ihn ist klar: „Die Aufgabe der Politik sollte sein, Menschen vor Armut zu schützen. Daher muss das Arbeitslosengeld mit sofortiger Wirkung auf 70 Prozent Nettoersatzrate erhöht werden und die Aufstockung der Notstandshilfe zumindest bis zum Ende der Pandemie garantiert sein. Außerdem sollte der Zugang zu Sozial- und Förderleistungen deutlich erleichtert werden. Ohne weitere Maßnahmen kann sich die Wirtschaft nicht oder nur sehr schwer erholen. Erklärtes Ziel muss es sein, eine drohende Sozialkrise abzuwenden. Die Politik ist gefordert, schnellstmöglich konjunkturbelebende Maßnahmen zu ergreifen und die Menschen abzusichern. Denn nur mit der Schaffung neuer Jobs, einem sozialen Sicherheitsnetz und einer Ankurbelung der Konjunktur kommen wir schnellstmöglich aus der Krise!“