Tirol

Swarovski-Stellenabbau: Gewerkschaft ortet „Große Sorge“ bei Beschäftigten

„Zahl der Kündigungen muss reduziert werden“

„Laufend melden sich MitarbeiterInnen der Firma Swarovski mit großen Sorgen bei uns. Die Verunsicherung ist immens, die Zukunftsängste horrend. Seit Monaten fühlen sie sich von der Konzernleitung im Stich gelassen“, beschreibt Harald Schweighofer, Landesgeschäftsführer der Angestelltengewerkschaft GPA-djp, die Situation. Die von der Geschäftsleitung versandte Mitarbeiterinformation hätten viele nicht erhalten, da sie keinen Mail-Zugang hätten. Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth ermahnt zudem das Unternehmen, seine soziale Verantwortung wahrzunehmen und betont: „Ein Sozialplan ist kein Gnadenakt!“

 

Kündigungen in Vergangenheit zurückgenommen

Schweighofer ortet zudem unkoordiniertes Vorgehen: „Bereits bei der ersten Kündigungswelle dieses Jahr wurden MitarbeiterInnen, die von ihrer Kündigung informiert wurden, dann doch wieder angerufen, dass sie für dringende Arbeiten benötigt werden. Bei der jetzigen Kündigungsliste mussten auch wieder MitarbeiterInnen gestrichen werden, da sie für dringende Arbeiten oder Abschlussarbeiten noch benötigt wurden. Das ist absolut unprofessionell!“ Die Kündigungsliste sei „offensichtlich von ganz oben und vermutlich ohne Rücksprache mit den jeweiligen Abteilungsleitern erstellt worden“. 

 

Hoher Altersdurchschnitt

Robert Koschin, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft PRO-GE, betont zudem: „Aufgrund des überdurchschnittlich hohen Altersdurchschnitts der Beschäftigten müssen wir alles daransetzen, die Anzahl der Kündigungen zu reduzieren und Alternativen finden. Jene, die tatsächlich betroffen sind und ihren Job verlieren werden, müssen bestmöglich mit Umschulungen und Ausbildungen unterstützt werden. Gute Jobs liegen derzeit nicht auf der Straße, die angespannte Lage am Arbeitsmarkt wird sich weiter zuspitzen. Kündigungen in diesem Ausmaß bedeuten einen Kaufkraftverlust für die gesamte Region!“

 

Antworten gefordert auf offene Fragen

„Ein Sozialplan ist kein Gnadenakt, sondern wird mühevoll von Betriebsrat und Gewerkschaft mit der Geschäftsführung verhandelt. Das diese absolut übliche Vorgehensweise jetzt als Entgegenkommen dargestellt wird, verwundert mich zutiefst. Es geht hier darum, dass die Konzernleitung die Verantwortung gegenüber ihren langjährigen und loyalen MitarbeiterInnen wahrnimmt!“, betont Wohlgemuth, der weiter kritisiert: „Die Firma Swarovski hat nach wie vor nicht dargelegt, welche Bereiche betroffen sind. Nur so könnten wir in weitere Verhandlungen treten. Nach wie vor fehlen die Antworten auf zahlreiche offene Fragen. Dass sich dieser Umstand bis heute nicht geändert hat, belegt das unüberlegte und aus der Hüfte geschossene Vorgehen. Ziel muss allenfalls der Erhalt von Arbeitsplätzen und die damit verbundene Rettung von Existenzen und Familien sein.“ 

 

Koschin verweist auf die von der Gewerkschaft aufgestellten Forderungen: „Nach wie vor haben für uns ein Verlagerungsstopp ins Ausland und der Erhalt der Arbeitsplätze in Tirol oberste Priorität!“

 

Schweighofer nimmt die Familie Swarovski in die Pflicht: „Bei dem nun von der ‚Familie‘ eingerichtete Härtefonds muss man dazu sagen, dass sie sich noch im letzten Jahr über 100 Millionen Euro an Dividende ausbezahlt haben. Wenn man den kolportierten Betrag umrechnet, dann wären dies 400 Euro pro MitarbeiterIn, die ihren Arbeitsplatz und ihre Existenzgrundlage verlieren.“ Für die Abwicklung des Härtefallfonds wünscht er sich die Involvierung der BetriebsrätInnen: „Sie kennen die Situation der KollegInnen am besten.“