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Sprungbrett Brigitte Gradwohl

Tiroler Girls' Day:

Für nachhaltigere Mädchenförderung

Am gestrigen Girls‘ Day präsentieren sich zahlreiche Betriebe vor allem im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) einer weiblichen Zielgruppe. „Ein Schritt in die richtige Richtung, aber Frauenförderung darf sich nicht auf einen Tag im Jahr beschränken“, fordert die Tiroler geschäftsführende ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied.

Verantwortung nicht auf Betriebe abwälzen

In der Berufswahl orientieren sich junge Erwachsene in Österreich noch immer stark an Geschlechterstereotypen. „Die beliebtesten Lehrberufe bei männlichen Jugendlichen sind Elektrotechniker, Metalltechniker und Kraftfahrzeugtechniker, bei jungen Frauen führen mit Abstand Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau und Friseurin/Stylistin die Top 3 an. Das ist kein Zufall, sondern gesellschaftliche Prägung von klein auf“, führt Föger-Kalchschmied weiter aus und betont: „Junge Menschen sollten ihren Beruf nach Interesse wählen können – nicht nach überholten Rollenklischees. Genau deswegen ist Frühförderung und breite Information so wichtig. Initiativen, die diese Rollenbilder aufbrechen wollen, sind zwar zu begrüßen, allerdings darf hier nicht die volle Verantwortung auf die Betriebe abgewälzt werden. Es brauch eine klare Linie bereits im Kindergartenalter, um Stereotypen aufzubrechen.“

Sie lobt den Girls‘ Day, möchte die Initiative aber weiter professionalisieren: „Anzudenken wären beispielsweise mehrere, aufeinander aufbauende Schnuppertage und eine Nachbearbeitung auch in den Schulen mit entsprechendem Fachpersonal. Die Mädchen und jungen Frauen müssen auf jeden Fall das maximale Potential von so einem Tag mitnehmen können!“

Problem an der Wurzel packen – hoher Drop-Out-Quote entgegentreten

Der Gewerkschafterin ist vor allem wichtig, in weiterer Folge im Berufsleben auf Frauen im MINT-Bereich zu achten: „Initiativen wie der Girls‘ Day sind lobenswert und können den Horizont einzelner Jugendlicher erweitern, lösen aber nicht das Gesamtproblem. Selbst wenn Frauen Ausbildungen in MINT-Berufen absolvieren, beobachten wir eine hohe Drop-Out-Quote: Weniger als ein Drittel der Frauen, die einen Berufsabschluss in einem MINT-Beruf haben, bleiben auch in diesem Berufsfeld tätig. Die Gründe dafür sind strukturell bedingt und sind auf keinen Fall bei den Frauen persönlich zu verorten!“ Nach neuesten Befragungen des Österreichischen Frauenfonds liegt die hohe Ausstiegsquote an der Unzufriedenheit mit Arbeits- und Rahmenbedingungen, den fehlende Weiterentwicklungsmöglichkeiten und tief verankerten geschlechtsbezogenen Ungleichheiten, die auf männlich geprägte Organisationskulturen zurückzuführen sind.

Die Erfahrungswerte der Gewerkschafterin zeigen deutlich: „Durch zahlreiche Betriebsbesuche in den verschiedensten Branchen erkenne ich eine grundsätzliche positive Haltung bei Mädchen und Frauen gegenüber Handwerk und Technik. Gleichzeitig berichten Betriebe vom Fachkräftemangel vor allem bei weiblichen Mitarbeiterinnen. An dieser Schnittstelle muss geschraubt werden, für eine inklusive und gleichberechtigte Arbeitswelt für alle: mit Anlaufstellen, Gewaltschutzkonzepten die wirken, Schulungen von Führungspersonen und einer gendersensiblen Reformierung der Ausbildungen“, schließt Föger-Kalchschmied.

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