ÖGB Tirol

Weltfrauentag: Frauen längst am Limit

Corona-Krise hat gesellschaftspolitischen Rückschritt verursacht

„Die aktuelle Arbeitsmarktsituation bei Frauen zeigt Alarmstufe Rot!“, warnt Tirols ÖGB-Frauenvorsitzende Karin Brennsteiner angesichts der aktuellen AMS-Zahlen. Insgesamt 85 Prozent der gesamten Corona-Arbeitslosen sind Frauen, für sie ist es oft bedeutend schwerer, wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Brennsteiner fürchtet, dass die coronabedingten negativen Auswirkungen für Frauen noch Jahrzehnte spürbar sein werden.

 

Situation in Tirol besonders verheerend

„Gerade frauendominierte Branchen wie Tourismus, Gastronomie und persönliche Dienstleistungen wurden von der Arbeitslosigkeit mit voller Wucht getroffen. Der Anstieg der Frauenarbeitslosigkeit in Tirol von 267 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat belegt das deutlich“, zeigt Brennsteiner auf. Zum Vergleich: Der Arbeitslosenanstieg bei Männern beträgt knapp 98 Prozent. „Frauen verdienen ohnehin schon deutlich weniger als Männer und arbeiten wesentlich häufiger in prekären Arbeitsverhältnissen. Die Krise hat sie daher deutlich öfter in Armut getrieben, vor allem für Alleinerziehende ist die aktuelle Situation oft ein Albtraum“, weiß Brennsteiner. Sie ist überzeugt: „Die jetzt entstehenden Einkommenseinbußen werden noch Jahrzehnte nachwirken und bedeuten für viele Frauen massive Altersarmut!“ Daher wäre besonders für Frauen eine Erhöhung des Arbeitslosengelds auf 70 Prozent Nettoersatzrate eine dringend benötigte Unterstützung.

 

Krise als Zerreißprobe

Der monatelange Spagat zwischen Homeoffice, Homeschooling und Pflege von Angehörigen hat viele Frauen ans Limit gebracht. „Die Krise wurde vielerorts wirklich zur Zerreißprobe, die psychischen Auswirkungen sind enorm. Schon vor der Krise wurde die sogenannte unbezahlte Arbeit zu zwei Dritteln von den Frauen gestemmt. Die letzten Monate hatten einen massiven gesellschaftspolitischen Rückschritt zur Folge, viele Frauen wurden in alte Rollenbilder geradezu gedrängt“, warnt die Frauenvorsitzende.

 

ÖGB-Modell zur Anrechnung von Kindererziehungszeiten

Die Berücksichtigung speziell von Frauen in den Arbeitsstiftungen fordert Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth: „Wir benötigen jetzt konkret arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, um speziell Frauen unter die Arme zu greifen. 17.794 Frauen sind derzeit in Tirol arbeitslos gemeldet. Sie benötigen entsprechende Unterstützung, um wieder am Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können.“ Auch die bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten für die Pension nach dem ÖGB-Modell könne Altersarmut entscheidend verhindern. „Wir fordern die stufenweise Verlängerung der Anrechnung der Kindererziehungszeiten bis zum 8. Lebensjahr des Kindes, statt wie bisher bis zum 4. Lebensjahr. Dieses neue Modell würde Frauen insgesamt 175,40 Euro mehr Pension im Monat bringen. Kindererziehung ist eine zentrale Aufgabe unserer Gesellschaft. Das muss politisch anerkannt und wertgeschätzt werden“, so der Gewerkschafter.