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Franz Preschern 2023

Wohlgemuth warnt: Konsequente Arbeitsverdichtung bringt Beschäftigte an ihre Grenzen

Eine aktuelle Sonderauswertung des Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer Oberösterreicher belegt den deutlichen Anstieg von psychischen Belastungen und Druck in der Arbeitswelt. Die Folgen sind verheerend: Immer mehr Beschäftigte schlittern ins Burn-Out, die Arbeitszufriedenheit sinkt. Nur die Hälfte der Befragten mit belastendem Zeitdruck glaubt, den Job bis zur Pension durchhalten zu können.

 

„Stress, Leistungsdruck und mangelnder Ausgleich neben der Arbeit hinterlassen ihre Spuren. Psychische Erkrankungen wie Burn-Out, Überlastung und andere gesundheitliche Probleme sind im Steigen. Trotzdem haben Österreichs Arbeitnehmer:innen im Jahr 2022 192,5 Millionen Mehr- und Überstunden geleistet – 47 Millionen davon unbezahlt oder ohne Zeitausgleich dafür zu bekommen. Für mich ist klar: Wir müssen die vorhandene Arbeit besser verteilen“, so der Tiroler ÖGB-Vorsitzende Philip Wohlgemuth. Der Arbeitsdruck entsteht Großteils durch eine sich immer verdichtende Arbeitswelt, zurückzuführen auch auf die fortschreitende Digitalisierung.

 

Er verweist auf den aktuellen Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer Oberösterreich. Laut der Befragung sind 59% der Beschäftigten durch Zeitstress belastet, einer Kombination aus Zeitdruck, ständigem Arbeitsdruck, hoher Konzentration, Unterbrechung der Freizeit und klassischem Stress. Signifikant ist dabei die Auswertung nach den jeweiligen Arbeitsbereichen: Als besonders belastend wird demnach die Arbeit im Gesundheits- und Sozialbereich, in Gastronomie und Tourismus sowie in der Baubranche empfunden. Äußerst alarmierend ist die Befragung hinsichtlich der Pension: Von jenen Beschäftigten, die unter ständigem Zeitdruck stehen – knapp ein Drittel der Befragten – kann sich nicht einmal die Hälfte (46%) vorstellen, bis zur Pension durchzuhalten.

 

„Wir müssen jetzt handeln bevor es zu spät ist“, zeigt sich auch Wohlgemuth äußerst alarmiert. Langfristig fordert er kluge Modelle einer schrittweisen Arbeitszeitverkürzung. „Wir müssen außerdem endlich altersgerechte Arbeitsplätze schaffen. Es ist eine der größten Herausforderungen für Wirtschaft und Politik, die Arbeitswelt gesund zu gestalten. Dies gilt natürlich für alle Altersgruppen. Besonders sensibel ist jedoch die Gruppe der älteren MitarbeiterInnen. Deshalb muss es das Ziel sein, den Arbeitnehmer:innen den Verbleib in der Arbeitswelt zu erleichtern und ihr Wissen und ihre Kompetenzen mehr wertzuschätzen“, so der Tiroler ÖGB-Chef, der weiters betont: „Tatsache ist, dass die Bevölkerung immer älter wird und viele Unternehmen diese Entwicklung verschlafen haben. Die Politik hat zudem mit dem 12-Stunden-Tag und der 60-Stunden-Woche, mit neuen Zugangshürden für die Altersteilzeit und der Abschaffung des abschlagsfreien Pensionsantritts nach 45 Jahren genau gegenteilig gehandelt. Unternehmen und Politik sind jetzt gefordert, die Arbeitswelt endlich den Bedürfnissen und Anforderungen älterer Menschen anzupassen!“

Direkte Anlaufstelle bei Burn-Out im ÖGB Tirol:

Bei Bedarf werden in allen Regionen Tirols kostenlose und anonyme Erstberatungen bei Burn-Out oder Mobbing angeboten. Termine dafür werden nach Vereinbarung vergeben, Interessierte können sich direkt an den ÖGB Tirol unter der Telefonnummer 0512/59777-37608 wenden. 

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