ÖGB-Tirol Vorsitzender Philip Wohlgemuth im Interview ÖGB

Zu viele TirolerInnen leben derzeit unterhalb der Armutsgrenze

Unsichere Wirtschaftssituation spiegelt sich in Arbeitslosenzahlen wider

„Auch wenn sich die Arbeitsmarktlage leicht erholt – verheerend ist die Situation nach wie vor!“, kommentiert Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth die neueste AMS-Statistik. Der Vergleich der Arbeitslosenzahlen zum Vorjahr hinke, war dies doch der „Höhepunkt der Krise“: „Hier gibt es nichts zu beschönigen, die Situation ist nach wie vor sehr angespannt”. Dramatisch sei vor allem der Anstieg der Langzeitarbeitslosen, die besonders von Armut gefährdet sind.

 

Vor alle die Tourismusbranche kämpft nach wie vor mit den Auswirkungen der Pandemie, zudem lässt sich anhand der Zahlen eindeutig ablesen, dass deutlich mehr Frauen als Männer mit Jobverlust zu kämpfen hatten. Von den insgesamt 29.960 Arbeitssuchenden in Tirol sind 16.421 Frauen. Dass das Arbeitslosengeld bzw. die Notstandshilfe bei weitem nicht ausreicht, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Der durchschnittliche Tagsatz des Arbeitslosengelds betrug im Vorjahr 33,40 Euro, bei der Notstandshilfe 29,50 €. Auch hier sind Frauen eindeutig im Nachteil, denn während Männer im Durchschnitt mit einem täglichen Arbeitslosengeld von 36,60 Euro rechnen konnten, liegt der Wert mit 30,5 Euro bei Frauen deutlich niedriger. Noch drastischer in Hinblick auf die Notstandshilfe: Männer erhalten durchschnittlich 31,20 Euro täglich, Frauen 27,5 Euro.

 

„Damit liegen Betroffene weit unter der Armutsgrenze, das Geld reicht vielerorts an allen Ecken und Enden nicht. Die Aufgabe der Politik sollte sein, Menschen vor Armut zu schützen. Daher muss das Arbeitslosengeld mit sofortiger Wirkung auf 70 Prozent Nettoersatzrate erhöht werden und die Aufstockung der Notstandshilfe zumindest bis zum Ende der Pandemie garantiert sein. Außerdem sollte der Zugang zu Sozial- und Förderleistungen deutlich erleichtert werden“, fordert Wohlgemuth.

 

Für ihn ist klar: „Ohne weitere Maßnahmen kann sich die Wirtschaft nicht oder nur sehr schwer erholen. Erklärtes Ziel muss es sein, eine drohende Sozialkrise abzuwenden. Die Politik ist gefordert, schnellstmöglich konjunkturbelebende Maßnahmen zu ergreifen und die Menschen abzusichern. Denn nur mit der Schaffung neuer Jobs, einem sozialen Sicherheitsnetz und einer Ankurbelung der Konjunktur kommen wir schnellstmöglich aus der Krise!“