Tirol

Rettet den Tourismus und Arbeitsplätze

ÖGB-Chefs von Salzburg, Tirol und Vorarlberg in offenem Brief: nicht nur Betriebe, sondern auch Arbeitnehmer brauchen Unterstützung.

Gerade in den westlichen Bundesländern war der Tourismus in den letzten Jahrzehnten wesentlich für die gute wirtschaftliche Entwicklung und damit auch für die Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze. Die Hilfspakete der Bundesregierung im Bereich Hotellerie und Gastronomie sind begrüßenswert und gehen doch nicht weit genug. Hinzu kommt, dass bislang nur Maßnahmen für UnternehmerInnen gesetzt wurden. Die ArbeitnehmerInnen, die das Rückgrat einer guten, wirtschaftlichen Entwicklung sind, haben bislang, mit Ausnahme des Kurzarbeitsmodells, keine Berücksichtigung in der Bundespolitik gefunden. Es besteht dringender Handlungsbedarf, um die regionale Wirtschaft zu retten und einen drohenden Anstieg der Armutsgefährdung zu verhindern. 

Aus diesem Anlass haben sich die ÖGB-Landesvorsitzenden der westlichen Bundesländer Salzburg, Tirol und Vorarlberg zusammengeschlossen und sich mit einem offenen Brief an die Bundesregierung und die Landeshauptmänner gewendet, um einen Maßnahmenplan zu entwickeln, der nicht nur die betroffenen Unternehmen langfristig unterstützt, sondern auch die Probleme und Herausforderungen auf Seiten der ArbeitnehmerInnen ins Zentrum ihrer Politik rückt. Ziel ist es, dass in einem der langen Tradition der Sozialpartnerschaft entsprechenden Dialog, gemeinsam Wege gesucht werden, um diese Krise zu überwinden – im Sinne aller Beteiligten.

Die Besonderheiten der westlichen Bundesländer

Gerade in den westlichen Bundesländern (Salzburg, Tirol und Vorarlberg) ist der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Auch wenn es sehr schwer ist, statistisch festzulegen, wie viel der Tourismus zum Bruttoregionalprodukt beiträgt, da touristische Einrichtungen ja auch von Einheimischen genutzt werden und die Anzahl an Folge-Arbeitsplätzen im Bereich Baugewerbe, Produktion, Handel und weiteren Wirtschaftsbereichen nur schwer festzumachen ist, so gibt es einige Zahlen, die zumindest erahnen lassen, wie sehr die westlichen Bundesländer vom Tourismus abhängig sind.

Salzburg

In den letzten Jahren wurden im Tourismus stets zwischen 20.000 und 33.000 Arbeitsplätze verzeichnet. Beherbergung und Tourismus sind für etwas mehr als 10 Prozent des BIP verantwortlich. 12,5 Prozent der Salzburger ArbeitnehmerInnen sind im Wirtschaftsbereich „Beherbergung und Gastronomie“ beschäftigt. 17.172 Personen sind mit Stand Oktober 2020 arbeitslos gemeldet. Weitere 2.395 befinden sich in Schulungsmaßnahmen. Im Bereich „Beherbergung und Gastronomie“ stieg die Zahl der Arbeitslosen im dritten Quartal um 67,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In der Wintersaison 2019 waren 2.887 Betriebe im Bundesland Salzburg im Bereich Tourismus tätig. Rund 40 Prozent der Kurzarbeit in Salzburg betreffen die Beherbergung und Gastronomie. Aktuell (Stand: 26.11.2020) sind in Salzburg 9.610 Personen in 1.454 Betrieben zur Kurzarbeit angemeldet.

Viele Betriebe bekommen nur aufgrund der guten Entwicklung im Tourismus ihre Aufträge. Das betrifft v.a. die Bereiche Produktion und Baugewerbe. Hinzu kommen aber auch Bereiche wie der Handel. In vielen Gemeinden wäre es wahrscheinlich kaum möglich, einen Nahversorger zu halten, wenn nicht das Geschäft mit den Touristen für die notwendigen Umsätze sorgt

 

gibt AK-Präsident & ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder zu bedenken.

Vorarlberg

1.186 Betriebe in Vorarlberg sind im Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft tätig und bieten damit Arbeitsplätze für 14.846 von insgesamt knapp 168.000 ArbeitnehmerInnen. Wie in allen Bundesländern so ist auch in Vorarlberg die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr rasant angestiegen. So sind derzeit 14.272 VorarlbergerInnen arbeitslos gemeldet und 2.273 weitere Personen in Schulungsmaßnahmen. Knapp 18 Prozent der Arbeitssuchenden sind aus dem Tourismusbereich. Rund zwei Milliarden Euro Umsatz und 13.000 Ganzjahresarbeitsplätze verzeichnet der Tourismus im westlichsten Bundesland wobei die Zahl der Nächtigungen seit Jahren kontinuierlich ansteigt.

Viele Betriebe haben trotz Kurzarbeitsmodell ihre MitarbeiterInnen gekündigt. Zum Teil müssen ArbeitnehmerInnen in der Gastronomie und Hotellerie seit Monaten mit enormen Einkommenseinbußen klarkommen. Das bringt sie und ihre Familien ans finanzielle Limit

 

warnt der ÖGB-Landesvorsitzende von Vorarlberg, Reinhard Stemmer.

Tirol

Bis zu 56.000 Beschäftigte arbeiten in Tirols knapp 25.000 Tourismusbetrieben. Demnach macht der Anteil der Beschäftigten im Wirtschaftsbereich „Beherbergung und Gastronomie“ knapp 15 Prozent aus. Die ganzjährige Vollzeitbeschäftigung liegt bei knapp 17 Prozent. Vor allem der Wintertourismus ist in Tirol besonders wichtig, da die Gäste in diesem Zeitraum länger verweilen als in den Sommermonaten. Der Anteil des Tourismus am BIP liegt bei ca. 17,5 Prozent. Vor allem mit dem ersten Lockdown im März sind die Arbeitslosenzahlen fast explodiert. Mit einem Anstieg von 156,6 Prozent im Vorjahresvergleich musste eine dramatische Entwicklung beobachtet werden. Auch Anfang November war die Zahl der Arbeitslosen im Bereich „Beherbergung und Hotellerie“ mit 15.015 vorgemerkten Arbeitslosen mit Abstand am Höchsten.

Bisher waren wir es gewohnt, dass der Tourismusuns gut durch wirtschaftliche Krisen führt, diesmal ist der Tourismus selbst einer der größten Sorgenkinder. Die MitarbeiterInnen sind das Aushängeschild der Branche. Mit der Umsetzung unserer Vorschläge, einer besseren Bezahlung, familienfreundlicheren Arbeitszeiten und mehr Mitspracherecht am Arbeitsplatz kann und wird es wieder gelingen, dass die Menschen gerne im Hotel und Gastgewerbe arbeiten. Damit können wir den Qualitätstourismus, für den wir bekannt sind, weiterhin garantieren!

 

ist Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth sicher.

Die Auswirkungen durch die COVID-19-Pandemie

Demnach trifft die COVID-19-Pandemie die drei Bundesländer besonders. Während viele  Tourismus-Betriebe in ländlichen Gebieten im Sommer durch die hohe Anzahl an inländischen Touristen eine ganz gute Saison verzeichnen konnte, mussten die städtischen Betriebe im Sommer hohe Verluste hinnehmen. Demnach steigen derzeit die Arbeitslosenzahlen aufgrund des neuerlichen Lockdowns weiter an, denn der Wintertourismus wird nicht nur in den Städten massive Einbußen hinnehmen müssen. Hinzu kommt, dass mit negativen Schlagzeilen (Stichwort „Ischgl“) und schlechten Erfahrungen am Ende der Wintersaison in mehreren touristischen Hochburgen (z.B. Großarl, Flachau) sowie den Reisewarnungen zu Österreich eine äußerst schwierige Saison vor uns liegt. Die Bestrebungen einzelner europäischer Länder, den Skibetrieb über Weihnachten auszusetzen und eine europaweit einheitliche Regelung dafür zustande zu bringen, verschärfen die Situation zunehmend.

Es gibt zwar ein grundsätzliches Bekenntnis dazu, dass der Tourismus besondere Unterstützungsmaßnahmen bekommen soll. Diese beziehen sich aber vor allem auf die Unterstützung der Betriebe, während die ArbeitnehmerInnen kaum Erwähnung finden. Die Regierung war mit dem Bekenntnis, dass im November 80 Prozent bzw. im Dezember 50 Prozent der Einnahmenausfälle (auf Basis der jeweiligen Umsätze 2019) erstattet werden sollen sehr großzügig, aber kurzsichtig. Was passiert mit jenen ArbeitnehmerInnen, die bereits jetzt auf Arbeitssuche sind und in dieser Zeit kaum Möglichkeiten für einen Neuanfang haben? Wie lange können die Beschäftigten in Kurzarbeit noch behalten werden?

Es geht hier nicht darum Ängste zu schüren, sondern ganz im Gegenteil. Wir müssen mittel- und langfristige Maßnahmen finden, um unsere Bundesländer vor einer wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe zu bewahren

 

sind sich die drei ÖGB-Landesvorsitzenden von Salzburg, Vorarlberg und Tirol einig.

Vor allem eines bereitet den Landesvorsitzenden des Österreichischen Gewerkschaftsbundes im Westen Sorgen: „Koste es, was es wolle“ darf nicht dazu führen, dass Gelder beliebig verteilt werden oder innerhalb kürzester Zeit so viel ausgegeben wird, dass wir langfristig keine Maßnahmen mehr setzen können. Vor allem weil zu befürchten ist, dass ArbeitnehmerInnen nicht nur kurzfristig die Verlierer sind, sondern auch langfristig dafür herhalten müssen, die Kosten der Krise zu finanzieren.

Die ArbeitnehmerInnen dürfen nicht die doppelten Verlierer dieser Krise sein!