Weltfrauentag 2021
Weltfrauentag

Corona-Krise setzt Frauen massiv unter Druck

Die Corona-Krise trifft Frauen besonders hart. Corona hat die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern noch verschärft.
PV

Die Corona-Krise trifft Frauen besonders hart. Darauf weisen die Vorarlberger Gewerkschaftsfrauen anlässlich des Weltfrauentags hin. „Corona hat die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern noch verschärft. Vor allem Frauen arbeiten in systemrelevanten und zugleich schlechter bezahlten Berufen. In der Krise sind sie besonders von Einkommenseinbußen betroffen. Sie übernehmen den überwiegenden Teil der Haus- und Familienarbeit und reduzieren dafür immer öfter ihre Arbeitszeit“, so fasst ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Iris Seewald die Situation vieler Frauen zusammen. „Wir werden die Maßnahmen der Regierung einem Fairness-Check unterziehen, denn es braucht konkrete Lösungen, um Frauen zu entlasten.“

Frauen als Verliererinnen der Krise

Die letzten Monate haben gezeigt, wie groß der Beitrag der Frauen zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft und zum Funktionieren der Gesellschaft ist. Iris Seewald: „Frauen haben die Krise im wahrsten Sinne des Wortes gestemmt – dafür wurde ihnen applaudiert. Auf dem Lohnzettel hat das aber keinen Niederschlag gefunden“, kritisiert die Gewerkschafterin. Über 70 Prozent der Beschäftigten im Handel, der Kinderbildung und dem Pflege- und Gesundheitsbereich seien Frauen, im Bereich der Kinderbetreuung sogar 90 Prozent. Die Bezahlung in diesen Bereichen sei allerdings meist schlecht und die Arbeitsbedingungen verbesserungswürdig. Seewald weiter: „Von Applaus alleine kann man keine Rechnungen bezahlen, es braucht endlich mehr Wertschätzung und eine bessere Bezahlung. Unsere Forderung nach einem Mindestlohn von 1.700 Euro brutto in allen Kollektivverträgen muss endlich umgesetzt werden!“

Viele Frauen sind armutsgefährdet

Österreich hat einen der höchsten Einkommensunterschiede in der EU. Vorarlberg ist innerhalb Österreichs Schlusslicht bei den Fraueneinkommen. Welche Auswirkungen das haben kann, erleben wir durch den dramatischen Anstieg der Frauenarbeitslosigkeit durch die Corona-Krise. Viele arbeiten im Tourismus, Gastgewerbe oder persönlichen Dienstleistungssektor. Diese Bereiche waren besonders stark von den Lockdowns betroffen. Iris Seewald: „Wir haben die höchste Arbeitslosigkeit seit Beginn der Zweiten Republik. Die Arbeitslosigkeit von Frauen ist dabei deutlich stärker angestiegen als die der Männer. Allein in Vorarlberg sind derzeit knapp 7000 Frauen beim AMS als arbeitslos vorgemerkt. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um 65 Prozent! Die geringen Einkommen haben dabei direkt Einfluss auf die Höhe des Arbeitslosengeldes. Denn das liegt bei nur 55 % Prozent der Nettoersatzrate. Von ohnehin wenig ist das existenzbedrohend! Eine Erhöhung auf 70 Prozent würde den Frauen sofort helfen!“

Frauen #AmLimit

Viele Frauen haben in den letzten Monaten auch beruflich massiv zurückgesteckt. Studien zeigen, dass 27 Prozent der Frauen während Corona ihre Arbeitszeit reduziert haben, um die Kinderbetreuung und das Homeschooling zu stemmen. Die Pandemie drängt die Frauen noch mehr in die Teilzeit. „Frauen waren und sind durch die Krise höchsten Belastungen ausgesetzt. Zwei Drittel der unbezahlten Arbeit wurden bereits vor Corona von Frauen geleistet. Diese Ungleichheit hat sich durch die Krise noch verstärkt. Gesellschaftspolitisch hat uns Corona zurückgeworfen“, stellt die ÖGB-Landesfrauenvorsitzende fest. „In vielen Familien bemerken wir einen Rückschritt in alte Rollenbilder. Da brauchen wir klare Gegenstrategien.“

Anlässlich des Weltfrauentags machen die Gewerkschaftsfrauen den Fairness-Check #frauenamlimit und fordern:

  • ein kollektivvertragliches Mindesteinkommen von 1.700 Euro brutto
  • eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens
  • einen Ausbau der Kinderbetreuungsangebote und einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz
  • eine bessere Anrechnung der Kindererziehungszeiten auf die Pension