Die österreichischen Sozialpartner

Wie sie funktionieren, was sie machen und wer sie sind - einfach erklärt

Die Sozialpartnerschaft sei tot, hieß es zuletzt von einem Regierungsmitglied. „Unsinn“, sagte dazu ÖGB-Präsident Erich Foglar. Doch wie funktioniert die Sozialpartnerschaft, wer sind die Sozialpartner und was machen sie? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist die Sozialpartnerschaft?

Die österreichische Sozialpartnerschaft ist eine freiwillige Zusammenarbeit der wichtigsten Arbeitgeber- und ArbeitnehmerInnenorganisationen untereinander und mit der Bundesregierung.

Seit wann gibt es die Sozialpartnerschaft?

Die Sozialpartnerschaft in ihrer heutigen Form besteht seit 1945. Vor allem die Erfahrungen der Zwischenkriegszeit haben das Bewusstsein gestärkt, dass großen Herausforderungen gemeinsam besser begegnet werden kann.

Wer sind die Sozialpartner?

Auf Arbeitgeberseite die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und die Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ). Die ArbeitnehmerInnen werden von der Arbeiterkammer (AK) und dem ÖGB vertreten.

Was sind die Aufgaben und Ziele der Sozialpartnerschaft?

Kollektivverträge werden von den Unterorganisationen der WKÖ und von Gewerkschaften abgeschlossen. Für das Funktionieren der dualen Berufsbildung (parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule) spielen die Sozialpartner eine entscheidende Rolle, etwa durch Initiativen zur Modernisierung der Lehrberufe, Lehrabschlussprüfungen und Förderungen. Ihr Wissen bringen sie auch zu zahlreichen wirtschafts- und sozialpolitischen Themen ein.

Was können die Sozialpartner, was die Politik nicht kann?

Die Sozialpartner bemühen sich, Probleme und Herausforderungen im Dialog – also ohne offene Austragung von Konflikten – zu lösen und für alle Beteiligten akzeptable Lösungen zu erreichen. Das erfordert eine permanente Gesprächsbasis und einen laufenden Informationsaustausch. Weil viele Interessen auf diese Art und Weise verhandelt und gelöst werden, gibt es in Österreich einen ausgeprägten sozialen Frieden und EU-weit am wenigsten Streiks.

Heißt Sozialpartnerschaft, dass man Auseinandersetzungen scheut?

Sozialpartnerschaft bedeutet nicht, dass unterschiedliche Interessen negiert werden oder dass es keine Auseinandersetzungen gibt. Vielmehr ist es so, dass zwischen den gegensätzlichen Interessen durch die Bereitschaft zum Kompromiss ein Ausgleich zum Vorteil aller gefunden werden kann.