Forderungskatalog des IGB

ÖGB-Kongress: Krise kostet weltweit 59 Millionen Arbeitsplätze

"Die tatsächlichen menschlichen Kosten dieser Krise bestehen in Arbeitsplatzverlusten, Rentenkürzungen und der Zerstörung von Menschenleben," stellte der Generalsekretär die Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), Guy Ryder, in seiner Rede bei der Eröffnung des 17. ÖGB-Bundeskongresse im Messezentrum in Wien fest.

"Die Anfangsjahre des IGB sind auch eine Zeit der Konsolidierung und der Erneuerung des ÖGB gewesen", verwies Ryder Eingangs auf die am 1. November 2007 ebenfalls im Wiener Messezentrum stattgefundenen Gründungskongress. Bezugnehmend auf die aktuelle Situation meinte er: "Wir alle kennen die Ursachen der Krise: die Habgier und Verantwortungslosigkeit der Finanzoligarchen. Und wir werden es langsam leid, die Kosten zu tragen, einschließlich der Milliarden Euro, die zur Verfügung gestellt werden, um den völligen Zusammenbruch der Finanzmärkte zu verhindern."

Ryder: "Aber gerade jetzt, wo zunehmend von ersten Anzeichen für eine Konjunkturerholung und finanzielle Stabilisierung gesprochen wird, müssen wir als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter weiterhin deutlich machen, dass die tatsächlichen menschlichen Kosten dieser Krise in Arbeitsplatzverlusten, Rentenkürzungen und der Zerstörung von Menschenleben bestehen. Laut IAO (Internationale Arbeitsorganisation) werden bis zu 59 Millionen Arbeitsplätze infolge der Krise verloren gehen. Und wir wissen auch, dass, selbst wenn die Volkswirtschaften im nächsten Jahr wieder zu wachsen beginnen, selbst wenn uns keine weiteren Finanzkatastrophen erwarten, die Arbeitslosigkeit noch über Jahre hinweg weiter zunehmen wird. Dies ist eine soziale Katastrophe für alle - und wenn man sich die trüben Aussichten vor Augen führt, die die Schulabgängerinnen und Schulabgänger in diesem Sommer erwarten, dann steht zu befürchten, dass wir es mit einer verlorenen Generation auf dem immer härter werdenden Arbeitsmarkt zu tun haben könnten."

Der IGB fordert daher:

  • international abgestimmte Maßnahmen zur Förderung von Wachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen; dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um die fiskal- und währungspolitischen Stimulierungsmaßnahmen zu beenden oder umzukehren;
  • durchgreifende Maßnahmen zur Regulierung der Akteure auf den internationalen Finanzmärkten, die für die gegenwärtige Misere verantwortlich sind;
  • ernsthafte Initiativen zur Lenkung der globalisierten Wirtschaft, einschließlich einer sozialen Dimension; die von Bundeskanzlerin Merkel angeregte Charta des nachhaltigen Wirtschaftens verdient unsere nachdrückliche Unterstützung;
  • aktive Interventionen auf dem Arbeitsmarkt, die auf die Schaffung von Arbeitsplätzen abzielen und dafür sorgen, dass Fairness, Gerechtigkeit und menschenwürdige Arbeit die Grundlage für die Welt der Arbeit bilden;
  • eine Politik zur Förderung eines "gerechten Übergangs" zu einer sauberen, nachhaltigen und mit geringen Co2-Emissionen verbundenen Zukunft mit menschenwürdigen Arbeitsplätzen; dies war schon ohne die Krise eine enorme Herausforderung, und wir können es uns nicht leisten, damit so lange zu warten, bis die Krise überwunden ist.