ÖGB-Finanzbericht

Schneider: Sanierungskurs nicht nur geplant, sondern auch umgesetzt

Mit zum Teil erfreulichen Zahlen ließ der Leitende Sekretär im ÖGB für Finanzen, Clemens Schneider, in seinem Finanzbericht heute aufhorchen: "Wir konnten unsere Schulden und Verbindlichkeiten von 340 Millionen Euro auf 117 Millionen Euro senken, und das Eigenkapital von 59 Millionen Euro auf 296 Millionen Euro steigern." Gleichzeitig konnten von 2005 bis 2008 die operativen Kosten von fast 100 Millionen Euro auf nahezu 85 Millionen Euro gesenkt werden. "Hatten wir zu Beginn der Krise im Jahr 2005 nur eine gerade noch ausreichende Eigenkapitalquote von 14 Prozent, konnten wir diese bis 2008 auf etwa 70 Prozent steigern", berichtete Schneider.

Mit einem Seitenhieb auf die aktuelle Wirtschaftskrise leitete Schneider ein, "dass man solide, nachhaltige und manifestierte wirtschaftliche Grundlagen haben muss, um Krisenzeiten zu überstehen". Daher hat der ÖGB mit einem koordinierten Maßnahmenpaket in den vergangenen Jahren seine wirtschaftliche Stabilität wieder nachhaltig hergestellt. Dieses bestand unter anderem aus einer Neuordnung des Immobilien- und Beteiligungsportfolios, neuen Regionalstrukturen, operativen Einsparungen, der Hebung von Synergieeffekten durch Fusionen von Gewerkschaften, dem erfolgreichem Verkauf der BAWAG P.S.K. und der Überführung der Pensionsansprüche der Anwartschaftsberechtigten und Abfindung der Leistungsberechtigten. Schneider: "Dazu wurde die solidarische Beteiligung von vielen Betroffenen im ÖGB gefordert. Es wurde aber nicht auf das in der Wirtschaft probate Mittel des Beschäftigungsabbaus zurückgegriffen, sondern alle haben zu diesem Erfolg beigetragen."

Operatives Ergebnis
Dem Jahresüberschuss 2007 von 110,22 Millionen Euro steht nach dem Abzug aller Einmaleffekte ein operatives Ergebnis von rund 6,5 Millionen Euro gegenüber. Dies stellt eine operative Verbesserung im Vergleich zu 2006 von 27,09 Millionen Euro dar. Die Einmaleffekte, die zu dem Jahresüberschuss führten, sind im Wesentlichen die Aufwertung der Österreichischen Gewerkschaftlichen Beteiligungsgesmbh (rund 90,4 Millionen Euro) und die Einmaleffekte im Zusammenhang mit der Überführung der Ansprüche der Anwartschaftsberechtigten in eine Pensionskasse oder in eine betriebliche Kollektivversicherung. Die Aufwertung der Österreichischen Gewerkschaftlichen Beteiligungsgesmbh war durch den im Jahr 2007 erfolgreich abgeschlossenen Verkauf der BAWAG P.S.K. möglich.

Vorläufige Bilanz 2008
Im Jahr 2008 steht dem vorläufigen Jahresüberschuss ein operatives Ergebnis von rund 9,1 Millionen Euro gegenüber. Dies ist eine operative Verbesserung von 2,8 Millionen Euro im Vergleich zum Jahr 2007. Im Jahr 2008 beläuft sich das vorläufige Eigenkapital auf 296,87 Millionen Euro und die vorläufige Eigenkapitalquote steigt auf 71,72 Prozent. Die Reduktion der Bilanzsumme von 444,17 Millionen Euro 2007 auf 413,91 Millionen Euro ist auf bilanzverkürzende Maßnahmen zurückzuführen. In der vorläufigen Darstellung ist eine Ausschüttung von 37 Millionen aus den Beteiligungsgesellschaften noch nicht abgebildet, eine Ausschüttung, die für die Finanzierung der Ansprüche der Anwartschaftsberechtigten notwendig ist. Diese Ausschüttung wird jedoch die Eigenkapitalquote, die die finanzielle Stärke eines Vereines darstellt, nicht verändern. Schneider betonte, dass die Darstellung für 2008 vorerst eine vorläufige ist, da wie immer im Herbst die Bilanz 2008 durch den Wirtschaftprüfer bestätigt und im ÖGB-Bundesvorstand beschlossen werden muss.

Löhne & Gehälter/Betrieblicher Aufwand
Die Löhne und Gehälter konnten 2007 auf einem stabilen Niveau von rund 63,7 Millionen Euro gehalten werden. Im Vergleich dazu betrugen die Löhne und Gehälter im Jahr 2006 rund 63,8 Millionen Euro. Große Einsparungsmaßnahmen wurden bei den sonstigen betrieblichen Aufwendungen erzielt. Hier wurde, ohne die Schlagkraft des ÖGB zu schwächen, eine Einsparung von nahezu 15 Prozent erzielt, in Nominalwerten statt 96,21 Millionen Euro im Jahr 2006 nur noch 81,81 Millionen Euro im Jahr 2007. Besonders erwähnte Schneider die Einsparungen im Bereich Informationstechnologie und die Arbeit der Internen Revision, die Synergieeffekte erst ermöglichte. Bei den Leistungen an Mitglieder wurde hingegen nicht gespart.

Eventualverbindlichkeiten/Haftung für BAWAG P.S.K.
Die im Rahmen des BAWAG P.S.K.-Sicherungsgesetzes vom ÖGB auszuweisenden Eventualverbindlichkeiten in Höhe von 1,912 Millionen Euro konnten auf nahezu null reduziert werden.

Ausblick
Einige beim vorigen Bundeskongress beschlossene Maßnahmen, wie beispielsweise die Zusammenführung der Buchhaltung und zentraler Einkauf sind wegen des vorgezogenen Bundeskongresses noch nicht umgesetzt. Die Umsetzung dieser Maßnahmen erwartet Schneider gemeinsam mit dem Bezug des neuen Bürohauses "Catamaran" am Handelskai 348 im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Zum ersten Mal in der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung werden fünf Gewerkschaften (Metall-Textil-Nahrung, vida, Post- und Fernmeldebedienstete, Bau-Holz, Chemiegewerkschaft) und die ÖGB-Zentrale gemeinsam an einem Standort in Wien arbeiten. Weiters werden der Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung, der Verlag des ÖGB und Sotour Austria in das Bürogebäude einziehen. Durch den Zusammenzug ist "das Potenzial an Synergieeffekten nahezu grenzenlos", erklärte Schneider. "Eine wesentliche Neuerung und Verbesserung für unsere Mitglieder, Funktionäre und Funktionärinnen wird das Seminar- und Veranstaltungszentrum und das gemeinsame Service- und Beratungszentrum darstellen."

Die Übersiedelung aller Bereiche wird wie geplant zwischen Dezember 2009 und März 2010 erfolgen. "Wir traten beim vorigen Bundeskongress mit der Vorgabe an, mit unseren Mitgliedsbeiträgen das Auslangen zu finden. Das Ziel war 2009. Wir, alle zusammen, haben das bereits in den Jahren 2007 und 2008 geschafft", berichtete Schneider. Für 2009 bedürfe es aber noch weiterer Anstrengungen, denn durch die Wirtschaftskrise und deren Folgen wie zum Beispiel Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit könnte es zu Rückgängen bei den Mitgliedsbeiträgen kommen. Schneider: "Es kann sein, dass unter Beibehaltung aller Leistungen an unsere Mitglieder wir einen kleinen Verlust 2009 einfahren werden." Durch ein effizientes Controlling und Berichtswesen könne man aber rechtzeitig darauf reagieren.

Die wirtschaftliche nachhaltige Stärke spiegelt sich allerdings leider noch nicht bei den Mitgliedszahlen wider. Dennoch ist Schneider optimistisch: Denn laut einer Umfrage der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft stiegen die Werte für den ÖGB zwischen 2007 und 2009 in den Punkten "Sparsam" (von 13 Prozent auf 28 Prozent) und "Einig" (von 13 Prozent auf 36 Prozent) um mehr als das Doppelte, "Verlässlichkeit" von 34 Prozent auf 54 Prozent und "Kämpferisch" von 25 Prozent auf 43 Prozent.

"Es bedarf daher auch in Zukunft einer koordinierten, auf die Zeichen der Zeit abgestimmte Zusammenarbeit zwischen ÖGB und den Gewerkschaften, um die auf uns zukommenden Probleme zu lösen. Wir wissen zwar nicht, was die Zukunft bringt, aber wir sind gut darauf vorbereitet", sagte Schneider und verwies unter anderem auf den seit Jänner 2007 wieder liquiden und konservativ veranlagten Streikfonds, der den ÖGB heute nicht nur sozial und gerecht, sondern vor allem stark macht.