Betriebsratsarbeit im (Klima-)Wandel - Das solltest du wissen!
Darum gehts: Der Klimawandel verändert die Arbeitswelt - dauerhaft und tiefgreifend. Für den Betriebsrat bedeutet das: Neue Fragen, Neue Herausforderungen aber auch neue Chancen. Diese Punkte zeigen vereinfacht, was auf dich zukommt!
1. Klimafitter Betrieb: Der Betriebsrat macht den Unterschied!
Egal wie man es dreht und wendet. Wir können die Klimakrise nicht mehr vollständig aufhalten. Hitzetage, Tropennächte, Überflutungen werden die Lebensrealität vieler Beschäftigter immer stärker prägen. Der entscheidende Punkt: Wie stark wir betroffen sein werden, hängt auch davon ab, wie entschlossen und sozial gerecht wir darauf reagieren.
Die Klimakrise fordert die ureigensten Aufgabe, nämlich für sichere und gesunde Arbeitsplätze im Betrieb zu sorgen und sich verstärkt in die Leitung des Betriebes im Sinne der Arbeitnehmer:innen einzumischen. Es gilt daher, sich als Betriebsrat dessen bewusst zu sein, Kolleg:innen für das Thema zu sensibilisieren und es auch intern aktiv aufzugreifen.
2. Neue Realitäten: Betriebsratsarbeit wandelt sich!
Zunehmende Gesundheitsbelastungen, Umstieg auf nachhaltigere Mobilitätsformen und neue Arbeitsroutinen kommen auf uns zu. Damit wandeln sich auch die Erwartungen an einen gewählten Betriebsrat: Was können wir als Belegschaft tun, um einen klimafitten Betrieb zu ermöglichen? Wie schützen wir Kolleg:innen, welche die Auswirkungen der Klimakrise ihr ganzes Berufsleben lang betreffen wird?
Wichtig ist: Die „Generation Klimakrise“ ist inzwischen im Betrieb angekommen, wahlberechtigt und neue Fragen stellen wird - und das mit Recht. Ihre Gesundheit und Zukunft hängt entscheidend von einer vorausschauenden Betriebsratsarbeit ab, die schon heute gute Arbeitsbedingungen mit eine klimafitte Zukunft mitdenkt.
3. Wirtschaftliche Interessen: Der Betrieb braucht einen Plan!
Die Herausforderungen für Betriebsräte variieren je nach Branche, Standort und Geschäftsmodell. Doch überall müssen sich die gleichen Fragen gestellt werden: Sind unser Geschäftsmodell und unsere Arbeitsbedingungen klimafit? Die Antwort auf unter anderem diese Fragen sollte jeder Betrieb in einen eigenen Dekarbonisierungsplan und Prozess erarbeiten.
Fordert dies als BR im Wirtschaftsgespräch oder Aufsichtsrat ein. Unter eurer Mitwirkung soll geklärt werden, was geplant ist und wie sich Technologien, Vorgaben und Nachfrage auf Jobs, Qualifizierung und Wertschöpfung auswirken. Nur so kann sich die Geschäftsführung die Unterstützung von euch sowie der ganzen Belegschaft zu sichern.
Schau dir an, ob Nachhaltigkeitsberichte, Transformationspläne oder sonstige Möglichkeiten auf Basis des ArbVG relevant sein könnten.
4. Gesundheitliche Interessen: Der zentrale Anker für viele Maßnahmen
Hitzebedingte Erkrankungen, verkürzte Erholungszeiten und Zukunftsängste belasten unsere Gesundheit, Körper und Psyche, auf dem Arbeitsweg, am Arbeitsplatz oder zuhause. Laut einer Allianz-Studie wirkt bereits ein Hitzetag mit über 32 Grad wie ein halber Streiktag – und lähmt die Wirtschaft entsprechend.
Gewerkschaften und Arbeiterkammer unterstützen bei betrieblichen Hitzeschutzplänen, Dienstverhinderungen oder Abkühlungsmaßnahmen. Gleichzeitig lassen sich über die Gesundheit auch nachhaltige und gesunde Verhaltensweisen fördern: Pendeln mit dem Rad, vegetarisches Kantinenangebote oder Einsatz ökologischer Arbeitsmittel.
5. Kollektivverträge: Das "Klima" sitzt mit am Verhandlungstisch
Die höchsten Teuerungsraten unserer Geschichte wurden fossile Öl- und Gaspreiskrisen ausgelöst. Das treibt wiederum Preise für Treibstoffe, Lebensmittel und Mieten nach oben – und erhöht somit den Druck auf die Lohnverhandlungen. Die Zunahme extremer Wetterereignisse verstärkt diesen Effekt zusätzlich. So prognostiziert die Europäische Zentralbank, dass Ernteausfälle die Nahrungsmittelinflation bis 2035 jährlich um 3,2 Prozentpunkte, die Gesamtinflation um 1,18 Prozentpunkte steigen lassen könnte.
Bei KV-Verhandlungen zum Teuerungsausgleich oder Aufsichtsratssitzungen zu Zukunftsinvestitionen sitzt das "Klima" also indirekt mit am Tisch. Ein Nicht-Handeln bei Klimaschutz bzw. notwendigen Anpassungsmaßnahmen kann die Preise weiter anheizen und den Druck auf Lohnforderungen und Sozialsysteme weiter verstärken.
6. Soziale Interessen: Je stärker die Einbindung, desto besser laufen Veränderungsprozesse
Ob Pandemie, Energiekrise oder grüner Strukturwandel: Betriebe mit funktionierender Mitbestimmung haben sich auch wissenschaftlich als widerstandsfähiger erwiesen. Betriebsräte sind wichtige Akteure bei betrieblichen Veränderungsprozessen. Sie sind oft schon länger im Unternehmen als viele Geschäftsführungen und denken über Quartalsberichte hinaus. Im Austausch mit der Belegschaft werden Probleme schneller erkannt, Zukunftsängste frühzeitig adressiert und innovative Lösungen mit dem Wissen der Beschäftigten entwickelt.
Diese Stärke muss selbstbewusst und stärker in den Vordergrund gestellt werden. Auch wenn sich am Ende oft die Geschäftsführung für einen Projekterfolg rühmt: Betriebliche Mitbestimmung ist kein Luxus, sondern trägt nachweislich dazu bei Betriebe zukunftsfester und profitabler zu machen.
7. Was tun: Austauschen und voneinander lernen!
Im Kampf gegen interne Windmühlen bloß nicht zu früh aufgeben – denn du bist als Betriebsrat nicht allein. Laut Strukturwandelbarometer 2023 sehen über 80 % der Betriebsratsvorsitzenden Nachhaltigkeit als (sehr) wichtiges Thema. Was es vor allem braucht sind ausreichend Ressourcen, rechtliche Möglichkeiten und gezielte Unterstützungsangebote. Selbst wenn es im Betrieb vermeintlich wenig Verbündete gibt, die betriebsübergreifende Motivation ist da.
Für neue Motivation und eigenen Projektideen, nutze den Austausch mit anderen BRs im Rahmen verschiedener VÖGB-Bildungsangebote und Konferenzen, um mich anderen interessierte BRs ins Gespräch zu kommen.
8. Konkret Projekte: Eigenen Spielraum nutzen und erweitern!
Betriebsräte verfügen über wichtige Hebel, um auf Vorstand und Belegschaft einzuwirken. Diese bieten oftmals die Chance in ihrem soziale Umfeld Verbesserungen und nachhaltigere Arbeitsweisen auch gegen Widerstände durchzusetzen. Dazu zählen oft jahrzehntelange Betriebserfahrungen mit wertvollen Netzwerken und eine Reihe kreativer Mittel im Rahmen ihrer Handlungsspielräume – auch im Hinblick auf betriebliche Nachhaltigkeit.
Von A wie Aktionstag, B wie Betriebsversammlung bis Z wie Zertifizierungen. Das Klimabüro sammelt nicht nur spannende Praxisbeispiele, sondern prämiert euch besonders wichtige Leutturmprojekte mit einem jährlichen AK/ÖGB-Transformationpreis. Mehr dazu in den Portraits unserer Best Practice Beispiele.