Frauen sind von Arbeitslosigkeit häufiger betroffen als Männer
Arbeitslosigkeit

Frauen von Pandemie stärker betroffen

Frauen sind häufiger arbeitslos und bekommen weniger Arbeitslosengeld. Und je länger die Pandemie dauert, desto schlimmer wird es für sie.

Zu Beginn der Krise waren es frauendominierte Branchen, die vermehrt zum Einsatz kamen und einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt waren. Gleichzeitig sind auch frauendominierte Branchen – wie die Gastronomie, persönliche Dienstleistung und der Einzelhandel – von Arbeitslosigkeit besonders betroffen. Die Pandemie hat das Problem von Frauen, die am Arbeitsmarkt schon vor Beginn der Covid-19-Krise gegenüber Männern benachteiligt waren, also noch weiter verschärft.

Corona-Arbeitslosigkeit trifft Frauen härter

Aktuelle Daten des AMS (AMS Spezialauswertung Mai 2021) zeigen, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den Frauen in den Monaten Dezember 20, Jänner 21 und Februar 21 gegenüber den Vergleichsmonaten im Vorjahr jeweils höher war als bei den Männern. So lag im Dezember 2020 die Frauenarbeitslosigkeit um 42 Prozent über der des Vorjahresmonats, bei den Männern um über 25 Prozent. Der stärkere Anstieg bei Frauen hielt auch im Frühjahr noch an – im März und April ging die Arbeitslosigkeit bei den Frauen langsamer zurück als bei den Männern. Dass die Quoten der Frauen kontinuierlich höher liegen als jene der Männer, ist ein wesentliches Merkmal der Corona-Arbeitslosigkeit.

Frauen reduzieren Arbeitszeit aufgrund von Kinderbetreuung 

Insbesondere Frauen sind wegen ihrer Mehrfachbelastung aufgrund von Betreuungspflichten, Erwerbsarbeit, Homeschooling und Hausarbeit besonders gefordert. Nadja Bergmann, Arbeitsmarkt-Expertin am Institut L&R Sozialforschung, legt den Fokus ihrer Forschung insbesondere auf die Auswirkungen der Pandemie auf Frauen mit Betreuungspflichten und ist aufgrund der aktuellen Situation besorgt. Denn „es zeichnet sich ab, dass sie insbesondere aufgrund der Betreuungspflichten ihre Arbeitszeit reduzieren oder ganz aussteigen“. 

Rückschritt in alte Rollenbilder verhindern

„Die Corona-Krise darf die ohnehin begrenzten Fortschritte der Gleichberechtigung nicht wieder rückgängig machen“, fordert Korinna Schumann, ÖGB-Vizepräsidentin und –Frauenvorsitzende: „Die Politik ist jetzt gefragt, Frauen bei den Maßnahmen zur Bewältigung der Krise stärker zu berücksichtigen und sie mit der Situation nicht alleine zu lassen.“ Außerdem müsste das Betreuungsproblem endlich ernst genommen und der flächendeckende Ausbau und Betrieb der Kinderbildungseinrichtungen auf Grundlage des Sozialpartnerinnenpapiers umgesetzt werden.

Die Corona-Krise darf die ohnehin begrenzten Fortschritte der Gleichberechtigung nicht wieder rückgängig machen.

Korinna Schumann, ÖGB-Vizepräsidentin

Gender Gap bei Arbeitslosengeld 

Zum Ungleichgewicht am Arbeitsmarkt kommt noch hinzu, dass Frauen in der Regel auch ein niedrigeres Arbeitslosengeld erhalten. Was unweigerlich damit zu tun hat, dass frauendominierte Branchen schlechter bezahlt sind und die Aufstiegschancen geringer sind als in sogenannten männerdominierten Branchen. Nicht zu vergessen, dass rund die Hälfte der Frauen – meist aufgrund von Kinderbetreuungspflichten – nur Teilzeit arbeitet.

Politik ist am Zug 

Die Zeichen sind nicht zu übersehen: Die Politik ist jetzt gefragt, frauenspezifische Problemlagen bei ihren zahlreichen Comeback-Maßnahmen zur Bewältigung der Krise stärker zu berücksichtigen und sie mit der Situation nicht allein zu lassen. „Alle diese Maßnahmen werden wir einem Fairnesscheck unterziehen, denn es braucht jetzt konkrete Lösungen, um speziell Frauen zu entlasten“, sagt Schumann. Die Gewerkschaftsfrauen fordern die Erhöhung des Arbeitslosengeldes von derzeit 55 auf 70 Prozent sowie gezielte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen für Frauen, bessere Arbeitsbedingungen und höhere Bezahlung für MitarbeiterInnen systemrelevanter Branchen und einen Ausbau der Kinderbetreuungsangebote.