Arbeitsmarkt

Neue Jobs für Österreich

Die Arbeitslosigkeit ist hoch und zusätzlich fallen durch die Corona-Krise viele Jobs weg – die Chancen für die Zukunft liegen vor allem im Gesundheitsbereich.

Die Arbeitsmarktlage in Österreich ist dramatisch. Mehr als 535.000 Menschen sind arbeitslos und mehr als 460.000 in Kurzarbeit. Im besten Fall wird es Monate dauern, bis viele wieder einen Job finden können. Durch Kurzarbeit und andere Unterstützungsmaßnahmen konnte bis jetzt noch viel Schlimmeres verhindert werden. Aber die Lage ist ernst. 

Auf Zukunftsberufe bauen

Gleichzeitig gibt es in unterschiedlichen Branchen einen Mangel an Arbeitskräften. Beispielsweise im Tourismus, im Gesundheitsbereich, in der Pflege, aber auch in technischen Berufen und in Zukunftsberufen im Zusammenhang mit Digitalisierung und Umweltschutz. Der Arbeitsmarkt verändert sich also generell: Aufgrund des digitalen Fortschritts und des zunehmenden Umweltbewusstseins fallen Arbeitsplätze beispielsweise in der Automobilbranche weg – auf der anderen Seite entstehen genau aus denselben Gründen neue Jobs. 

Das Wichtigste ist jetzt, neue Arbeitsplätze zu schaffen – so können wir den Menschen am besten helfen.

Wolfgang Katzian, ÖGB-Präsident

Es bietet sich die Chance, mit Fokus auf Digitalisierung, Umwelt, Klima und Pflege tausende neue Jobs zu schaffen und so vielen Arbeitslosen eine neue Perspektive zu ermöglichen. Denn nur, wenn Jobs da sind, können Menschen auch wieder Beschäftigung finden. Wie ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian betont, kommen derzeit auf eine offene Stelle mehr als 10 Arbeitslose. „Das Wichtigste ist jetzt, neue Arbeitsplätze zu schaffen – so können wir den Menschen am besten helfen.“ 

ÖGB

Für eine bundesweite Pflegestiftung

Der ÖGB hat schon vor Monaten ein Arbeitsmarktprogramm vorgelegt, mit dem innerhalb eines Jahres 150.000 Jobs geschaffen werden können. Einer der Schwerpunkte des Programms ist die Umschulung und Weiterqualifizierung von MitarbeiterInnen. 

Die Zeit ist längst reif für eine echte Joboffensive – und zwar vor allem im Bereich der Gesundheits- und Pflegeberufe, in dem nicht nur die Anforderungen, sondern auch der Personalbedarf stetig steigen.

Wolfgang Katzian, ÖGB-Präsident

Genau für diesen Bereich können Arbeitslose jetzt umgeschult und qualifiziert werden – und zwar finanziell abgesichert. Arbeitsstiftungen setzen genau dort an. Deshalb wäre die Errichtung einer bundesweiten Pflegestiftung genau der richtige Schritt. 

76.000 Pflegekräfte benötigt 

Schon vor dem Einbruch der Jahrhundertpandemie war der Pflegebereich nur unzureichend besetzt. Denn auch davor waren zwei Aspekte entscheidend: Einerseits gingen laufend mehr und mehr Pflegekräfte in Pension und zusätzlich blieben immer weniger Menschen im Pflegeberuf – im Durchschnitt sind es, je nach Rechenart, etwa 10 Jahre, die Pflegekräfte in ihrem Job verbringen. Ausgelöst wird das vor allem durch die schweren Arbeitsbedingungen und einer relativ schlechten Entlohnung. In anderen Worten: Es zahlt sich für viele nicht aus, in die Pflege zu gehen oder in der Pflege zu bleiben.

ÖGB

Zu all dem kommt hinzu, dass es laut verschiedenen Berechnungen, wie sie etwa dem Pflegevorsorgebericht 2019 oder einer WIFO-Studie zu entnehmen sind, bis zum Jahr 2030 einen Mehrbedarf allein aufgrund von Pensionierungen von mehr als 40.000 PflegerInnen geben wird. Der Zusatzbedarf aufgrund der demografischen Entwicklung inklusive des Ausbaus der mobilen Dienste liegt bei weiteren rund 34.000 Personen und führt zu einem Gesamtbedarf von 76.000 Personen bis zum Jahr 2030.

Drastische Verschärfung durch Corona 

Durch das Aufkommen der Corona-Pandemie haben sich die Arbeitsbedingungen für viele Pflegekräfte noch um ein Vielfaches verschärft. Jetzt sind sie hinter der stickigen FFP2-Maske obendrein im Dauereinsatz. Die sensible Schutzausrüstung muss täglich gewechselt werden. Weltweit stecken sich viele PflegerInnen in der Arbeit auch noch mit Corona an und nicht wenige HeimbewohnerInnen sind durch mehrere Ausbrüche am selben Ort, so genannte Cluster, schon in Pflegeheimen verstorben. Das macht den Arbeitsalltag mit Testungen, Impfungen und Quarantäne nicht einfacher.

Die wenigsten Pflegekräfte haben in letzter Zeit Urlaub gehabt, denn die meisten arbeiten seit Monaten ununterbrochen, um aufzufangen, was noch irgendwie geht. Das Resultat: Erst kürzlich gaben 17 Prozent der Pflegekräfte in einer repräsentativen Umfrage der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften an, „keine Motivation” für ihren Job zu haben. 

Noch keine Pflegereform in Sicht 

Hier muss der Staat und vor allen Dingen das Gesundheitsministerium so rasch es geht für einen Paradigmenwechsel in der Pflege sorgen. Zwar wurde gegen Ende des vergangenen Jahres mit kleinen PR-Aktionen sehr oberflächlich auf das Thema aufmerksam gemacht, passiert ist jedoch seitdem so gut wie nichts. Die große Pflegereform steht weiterhin im Schatten der Pandemie. Dabei hätte der ÖGB viele gute Vorschläge, um den Pflegebereich zu erneuern und damit attraktiver zu gestalten.

Text: Toumaj Faragheh und Barbara Kasper