Faktencheck
Von wegen arbeitsfaul! Was Österreichs Jugend wirklich leistet
Zwischen Leistungsdruck, Nebenjob und Existenzangst
Das Wichtigste in Kürze
- Die Gen Z arbeitet mehr als frühere Generationen und steht unter enormem Leistungsdruck
- 69 Prozent der Studierenden in Österreich arbeiten neben dem Studium oft über 20 Stunden pro Woche
- Viele junge Menschen sind in prekären Jobs und werden als billige Arbeitskräfte ausgenutzt
- Gewerkschaftliche Organisierung schützt vor Lohndumping und stärkt die Rechte junger Arbeitnehmer:innen
In Talkshows und Kommentarspalten wird derzeit gerne ein Bild gezeichnet: Die „Generation Z" – also jene, die zwischen 1995 und 2010 geboren sind – wolle nur noch Work-Life-Balance, Yoga-Retreats und „Lifestyle-Teilzeit". Doch ein Blick auf die Fakten und die Einschätzungen führender Expertinnen zeigt ein völlig anderes Bild. Die Jugend ist nicht faul; sie steht unter enormem Leistungsdruck, den Generationen vor ihr so oft gar nicht kannten.
Das bestätigt nun auch die Vorsitzende der deutschen „Wirtschaftsweisen": „Die Gen Z arbeitet mehr als die Generationen vor ihr." Laut Schnitzer drängen junge Menschen heute oft schneller in den Arbeitsmarkt und leisten beachtliche Stunden. Ein wesentlicher Grund dafür ist schlichte ökonomische Notwendigkeit: Viele könnten sich ihr Studium ohne Nebenjob gar nicht mehr finanzieren. Schnitzer findet daher deutliche Worte in Richtung der Kritiker: „Jetzt auf die Jungen zu schimpfen, finde ich verfehlt."
Hoher Leistungsdruck statt „Hängematte"
Was für Deutschland gilt, ist in Österreich noch deutlicher sichtbar. Während oft behauptet wird, die Jungen würden sich vor der Arbeit drücken, belegen die Zahlen der Studierenden Sozialerhebung (2023) das Gegenteil: 69 Prozent der Studierenden in Österreich arbeiten neben dem Studium, durchschnittlich sogar mehr als 20 Stunden pro Woche. Sie sind sogenannte „Double-Tasker", die akademische Leistung und berufliche Praxis gleichzeitig stemmen.
ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth sieht in der aktuellen Debatte eine gefährliche Verdrehung der Fakten: „Die Zahlen belegen eindeutig, dass es in Österreich keinen Grund gibt, die Jugend zu kritisieren oder als arbeitsfaul darzustellen – im Gegenteil. Gerade die jungen Beschäftigten tragen eine enorme Last gehören vielfach zu jenen, die das System unter schwierigsten Bedingungen am Laufen halten."
Prekäre Realität: Ausbeutung statt Traumjob
Hinter der Fassade der „fordernden Jugend" verbirgt sich oft eine bittere Arbeitsrealität. Viele junge Menschen befinden sich in prekären Beschäftigungsverhältnissen. In Österreich sind Zehntausende junge Erwachsene geringfügig beschäftigt oder hangeln sich von einem befristeten Praktikum zum nächsten. Oft wir diese Zeit als „Lernphase" getarnt, in Wahrheit handelt es sich aber um Ausbeutung billiger Arbeitskräfte.
Genau deshalb ist es für junge Menschen heute wichtiger denn je, ihre Rechte zu kennen. Wer seine Ansprüche auf Überstundenabgeltung, Urlaubsanspruch und korrekte Einstufung nicht kennt, wird im aktuellen System schnell ausgenutzt. „Gewerkschaftliche Organisierung ist für Junge die einzige wirksame Versicherung gegen Lohndumping", mahnt Helene Schuberth und ruft alle jungen Arbeitnehmer:innen auf, jetzt Gewerkschaftsmitglied zu werden.
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Du steckst mitten im Studium, arbeitest aber nebenbei im Büro, im Handel oder in einer Agentur? Dann lass dich nicht unter Wert verkaufen! Die Gewerkschaft GPA bietet Studierenden eine vergünstigte Mitgliedschaft an, samt kostenlosem Check deines Arbeitsvertrags sowie Beratung und Rechtsschutz bei Problemen im Nebenjob oder Praktikum.