Paketzusteller zum Dumpingpreis

Amazon drängt Angestellte in Scheinselbstständigkeit – sie sollen kündigen und Lieferfirmen gründen

Digitalisierung

Amazon nutzt Mitarbeiter aus

Amazon drängt Angestellte in Scheinselbstständigkeit – sie sollen kündigen und Lieferfirmen gründen

Amazon drängt Angestellte in Scheinselbstständigkeit – sie sollen kündigen und Lieferfirmen gründen

Der Online-Riese Amazon will, dass seine Prime-KundInnen zukünftig alle Pakete innerhalb von 24 Stunden erhalten. Zunächst soll das Service in den USA und dann weltweit kommen. Um das umzusetzen, muss die konzerninterne Infrastruktur ausgebaut werden. Mehr Arbeitskräfte, mehr Warenlager und die Ausweitung der Logistik sind dazu notwendig, berichtet orf.at.

Angestellte sollen Lieferfirmen gründen

Erreichen will das der Internethändler, indem er Angestellte in die Scheinselbständigkeit drängt. Diese sollen Lieferfirmen gründen und eigenständig – unabhängig von Post und Co - die Pakete für Amazon ausliefern. Auf der Hand liegt, dass Amazon sein Unternehmerrisiko so auf die „Angestellten“ abwälzen und Kosten sparen will, obwohl der Konzern einen jährlichen Gewinn in Milliardenhöhe verzeichnet. Wer - freilich selbst - kündigt, wird von Amazon mit bis zu 10.000 Dollar für die Gründung seines Start Ups unterstützt.

180 Pakete an einem Tag

Die große Anzahl an Paketen könne schon jetzt oftmals gar nicht mehr innerhalb eines normalen Arbeitstags zugestellt werden, erzählen Betroffene. Für die PaketzustellerInnen bedeutet das Überstunden, Stress und eine Dumpingbezahlung pro zugestelltem Paket. Insider berichten von bis 180 Paketen pro Tag, die zum Beispiel in der Vorweihnachtszeit ausgeliefert werden müssen. Onlinehändler wie Amazon stehen schon länger europaweit in der Kritik von Gewerkschaften. Die deutsche Gewerkschaft ver.di bemängelt beispielsweise die schlechte Bezahlung in den Logistikzentren Deutschlands und kritisiert die Überwachung von Beschäftigten.

Arbeitsrechtliche Bestimmungen oft nicht eingehalten

„Die immense Arbeitsbelastung der Zulieferer liegt auch daran, dass in dieser Branche geregelte Arbeitsbedingungen, wie bei der Post, die Ausnahme sind“, erklärt ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Die Beschäftigten arbeiten immer für den gleichen Dienstgeber, ohne angestellt zu sein. Diese Scheinselbstständigkeit führt dazu, dass viele Bestimmungen des Arbeitsrechts für Beschäftigte in der Zustellbranche nicht gelten.

In Österreich, wo Amazon 2017 rund 690 Mio. Euro Umsatz gemacht hat, wurde heuer das Verteilzentrum Großebersdorf in Niederösterreich eröffnet. Ob die 150 MitarbeiterInnen von den Vorhaben betroffen sind, ist derzeit nicht bekannt.