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Überstunden machen krank
Zu viele Überstunden sind verantwortlich für Müdigkeit, Stress, Burn out cherryandbees - stock.adobe.com

Arbeitszeit

Überstunden und Mehrstunden: Das musst du wissen

Rund 46 Mio. unbezahlte Überstunden 2025 - wer hilft mir, wenn Überstunden nicht bezahlt werden?

Arbeitnehmer:innen in Österreich haben alleine im Jahr 2025 170 Millionen Mehr- und Überstunden geleistet.

Davon haben Betriebe 45,9 Millionen(!) Mehr- und Überstunden weder mit Geld noch durch Zeitausgleich abgegolten. Die Beschäftigten haben also gratis gearbeitet. Insgesamt entgehen den Arbeitnehmer:innen dadurch 2,5 Milliarden Euro Bruttoentgelt. 

Gewaltige Verluste für den Staat

Auch der Staat schaut – trotz angespannter Budgetlage – durch die Finger: Ihm entgehen insgesamt 1,23 Milliarden Euro an Steuern und Beiträgen – 355 Millionen Euro an Sozialbeiträgen (2024: rund 325 Mio. Euro) und rund 875 Millionen Euro an Lohnsteuer (2024: rund 845 Mio.).

Rund um Mehr- und Überstunden gibt es viele Fragen und Unsicherheiten – oegb.at hat die wichtigsten Antworten.

1. Was ist eine Überstunde?

Von Überstunden spricht man in der Regel, wenn man mehr als die gesetzlich zulässige wöchentliche Normalarbeitszeit (40 Stunden) oder die tägliche Normalarbeitszeit (in der Regel acht Stunden) arbeitet. 

Allerdings können diese Grenzen auch anders definiert werden, zum Beispiel bei einer Vier-Tage-Woche oder bei Gleitzeit.

2. Wie viele Überstunden sind möglich?

Bei erhöhtem Arbeitsbedarf sind 20 Überstunden wöchentlich zulässig

Die tägliche Arbeitszeit darf zwölf Stunden, die wöchentliche 60 Stunden nicht überschreiten, jeweils inklusive Überstunden.

Die wöchentliche Arbeitszeit darf allerdings im Durchschnitt von 17 Wochen 48 Stunden nicht überschreiten.

3. Kann der Chef Überstunden anordnen?

An sich ja, außer es steht Gegenteiliges im Arbeitsvertrag. 

Wenn man wichtige Gründe hat, z. B. Kinderbetreuung oder einen dringenden Arzttermin, dann muss man keine Überstunden machen. (Die betrieblichen Gründe müssen dabei schwerer wiegen als die persönlichen. Bei offenen Fragen diesbezüglich bzw. wenn du unsicher bist, hilft dir dein Betriebsrat oder deine Gewerkschaft.) 

Hat jemand schon 50 Stunden in der Woche oder zehn Stunden am Tag gearbeitet, darf sie/er weitere Überstunden ohne Begründung ablehnen.

4. Was ist Mehrarbeit?

Wenn jemand Teilzeit arbeitet, zum Beispiel laut Vertrag 20 Stunden pro Woche, dann aber in einer Woche 30 Stunden arbeitet, sind das 10 Mehrarbeitsstunden. 

Um Überstunden handelt es sich erst, wenn die gesetzliche Normalarbeitszeit von 40 Stunden in der Woche oder acht Stunden täglich überschritten wird. 

Mehrarbeit fällt auch bei Vollzeitbeschäftigten zwischen der kollektivvertraglichen und der gesetzlichen Normalarbeitszeit an.

Beispiel: Der Kollektivvertrag (KV) sieht eine 38,5-Stunden-Woche vor. Jemand arbeitet vier Stunden zusätzlich. Dann sind das 1,5 Mehrarbeitsstunden und 2,5 Überstunden.

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5. Wann muss ich Überstunden einfordern?

Bezahlt ein Unternehmen keine Überstunden, dann sollte man nicht zu lange zuschauen und auf Besserung hoffen. Überstunden können nämlich sehr schnell verfallen.

Viele Arbeitsverträge sehen etwa vor, dass Überstunden schon nach drei Monaten nicht mehr eingefordert werden können. Solche Verfallsfristen sind erlaubt. 

Wenn die Firma die Überstunden nicht bezahlt bzw. keinen Zeitausgleich gibt, helfen die zuständige Gewerkschaft oder die Arbeiterkammer weiter.

6. Wie hoch sind Strafen für Unternehmen bei Verstößen?

Völlig absurd: Es gibt keinerlei Strafen für Firmen, die Überstunden einfach nicht bezahlen! 

Alles, was ihnen passieren kann: Wenn die Überstunden eingeklagt werden, dann müssen sie sie bezahlen – was sie ohnehin hätten tun müssen. 

Damit es für die schwarzen Schafe unter den Unternehmern riskanter wird, Arbeitnehmer:innen auszubeuten, fordert der ÖGB, dass ihr Risiko erhöht wird und zwar durch höhere Zuschläge. 

Das heißt zum Beispiel: Wird Arbeitnehmer:innen die Überstundenbezahlung vorenthalten, soll für die betroffenen Stunden das doppelte Entgelt fällig werden. 

So hätten auch die Arbeitnehmer:innen etwas davon, und für die Arbeitgeber zahlt es sich nicht mehr aus, das Risiko einzugehen.

Tipps für Arbeitnehmer:innen

Arbeitszeit immer genau dokumentieren! Am besten mit dem AK Zeitspeicher (Anmeldung notwendig) 

Im Streitfall sind regelmäßige, aktuelle und minutengenaue Arbeitszeitaufzeichnungen vor Gericht wichtig, wenn man unbezahlte Überstunden einfordert. 

Dass der Arbeitgeber sie aufzeichnet, ist nicht zwingend notwendig.

7. Wie werden meine Überstunden bezahlt?

Für Überstunden bekommst du einen Zuschlag von 50 %.

Das heißt:

  • 1 Überstunde = dein normaler Stundenlohn + 50 % Zuschlag

Du kannst Überstunden auch in Freizeit ausgleichen:

  • 1 Überstunde = 1,5 Stunden Zeitausgleich

Es gibt auch eine Mischvariante:

  • 1 Stunde Zeitausgleich nehmen
  • 0,5 Stunden (der Zuschlag) auszahlen lassen

Wichtig: Der Kollektivvertrag kann diese Regelungen sogar verbessern – dein BR oder deine Gewerkschaft helfen dir, das herauszufinden.  

Wer entscheidet: Geld oder Zeitausgleich?

Wenn nicht anderes in deinem Kollektivvertrag steht, dann muss diese Entscheidung mit deinem Arbeitgeber vereinbart werden.

Wenn nichts vereinbart ist (und auch nichts im Kollektivvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung steht), gilt automatisch:
➡️ Die Überstunden müssen ausbezahlt werden.

Wichtig:
Wenn du mehr als 10 Stunden pro Tag oder mehr als 50 Stunden pro Woche arbeitest, entscheidest du allein, was mit diesen Überstunden passiert:

  • Geld oder
  • Zeitausgleich

Dein Arbeitgeber oder deine Arbeitgeberin kann dich dabei nicht überstimmen.

8. Was passiert, wenn ich eine Überstundenpauschale habe?

Eine Überstundenpauschale heißt nicht, dass du unbegrenzt gratis Überstunden machen musst.

Es muss regelmäßig geprüft werden, ob die Pauschale wirklich alle geleisteten Überstunden abdeckt.

Beispiel:

  • Pauschale: 400 € pro Monat
  • Überstundenlohn (inkl. Zuschlag): 40 € pro Stunde
    ➡️ Die Pauschale deckt 10 Überstunden ab.

Wenn du in einem Monat 15 Überstunden arbeitest:

  • 10 Stunden sind durch die Pauschale abgedeckt
  • 5 Stunden müssen zusätzlich bezahlt oder in Zeitausgleich abgegolten werden

Welche Arbeitszeit-Grenzen gelten?
Auch mit Überstunden oder Pauschale gelten klare gesetzliche Grenzen.

In Österreich gilt:

  • Maximal 12 Stunden Arbeit pro Tag im Regelfall 
  • Mindestens 11 Stunden Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen

Wenn diese Regeln verletzt werden, kann sich der Arbeitgeber nicht auf eine Überstundenpauschale ausreden.