Zum Hauptinhalt wechseln
American Football Spieler in Aufstellung zum Anstoß
Vladimir Mucibabic – stock.adobe.com
Kollektivvertrag

Super Bowl: 530.000 Euro Mindestlohn laut Kollektivvertrag

Und zwar für nur 17 Wochen Arbeit – dank der Spielergewerkschaft „National Football League Players Association“

Stellen Sie sich ein Unternehmen vor, dass rund 1.700 Facharbeiter und fast 500 Lehrlinge an 32 Standorten für 17 Wochen pro Jahr anstellt, den Fachkräften dafür mindestens 530.000 Euro und den Auszubildenden mindestens 175.000 Euro bezahlt, sie kranken- und pensionsversichert und dabei 14 Milliarden Euro Gewinn im Jahr macht. Klingt absurd? In der National Football League (NFL) ist das Realität – und ganz ähnlich im gesamten US-Profisport.

Natürlich ist die NFL beinhart, es geht es ums gewinnen. Und ums Geld verdienen. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Keine Liga der Welt ist finanziell auch nur annähernd so erfolgreich. Das hat auch Schattenseiten. Aber: Was man dort tut, das dient dem Erfolg. Sonst tut man es nicht. Man wird also wissen, warum man seit 1968 (und entgegen der Gepflogenheit im Land) auf „Collective Bargaining Agreements“, also Kollektivverträge, setzt. Verhandelt wird dafür zwischen der Liga, den Klubbesitzern und ihrer Spielergewerkschaft, der National Football League Players Association. „Gewerkschaften haben in den USA ja grundsätzlich eine lange Tradition und ein gewichtiges Wort. Die Spielergewerkschaft NFLPA ist gut etabliert und agiert im Sinne ihrer Spieler auch sehr gut. Sie ist quasi der ÖGB der NFL“, erklärt Michael Eschlböck, Präsident des heimischen Footballverbandes AFBÖ, mit leichtem Augenzwinkern.

60 Prozent der Spieler profitieren vom Mindestgehalt

Die nackten Zahlen belegen den Verhandlungserfolg: Das Mindestgehalt beträgt 610.000 Dollar (rund 530.000 Euro) für Spieler in ihrer ersten Saison. Ein Jahr später liegt es schon bei 675.000 Dollar. Bis 2030 steigt das Einstiegsgehalt auf mehr als eine Million Dollar an. Betroffen sind davon 1.696 Spieler – 53 in jedem der 32 NFL-Teams. Wie groß die Bedeutung dieses Mindestgehalts ist, verdeutlicht eine andere Zahl: Rund 60 Prozent aller Profis verdienen nämlich dieses Minimum. Ohne Kollektivvertrag wären sie deutlich schlechter dran; hier unterscheidet sich der NFL-Profi also nicht vom „normalen“ Arbeitnehmer. Ebenfalls geregelt ist, dass mindestens 48 Prozent des Gewinns der Liga an die Spieler gehen müssen – und diese Gewinnquote könnte im bis 2030 gültigen Vertrag noch steigen – „normale“ Unternehmen erreichen diesen Wert bei weitem nicht. „Das ist auch ein extrem transparentes System. Jeder weiß, was Sache ist. Es wird ja auch veröffentlicht“, spricht Eschlböck ein weiteres wichtiges Thema an.  

Maximal 14 zusätzliche Spieler finden sich übrigens im sogenannten „Practice Squad“ wieder, sozusagen als Trainingspartner ohne Einsatz in den Spielen. Auch für sie gibt es ein beachtliches Mindestgehalt, ab der kommenden Saison sind es 11.500 Dollar pro Woche bzw. fast 200.000 Dollar im Jahr. Davon sind mit Sandro Platzgummer bei den New York Giants und Bernhard Seikovits bei den Arizona Cardinals übrigens auch zwei junge Österreicher betroffen. Ein weiterer, der Burgenländer Bernhard Raimann, wird wohl ab der kommenden Saison als erster Österreicher tatsächlich in der NFL spielen – und vermutlich deutlich über dem Mindestgehalt verdienen. 

Strenge Regeln in Sachen Arbeitszeit

Im CBA, also dem NFL-Kollektivvertrag, sind aber nicht nur finanzielle Themen geregelt. Auch der Umfang der Arbeitsbelastung ist neben Kranken- und Pensionsversicherung bis ins Detail festgehalten. Maximal 16 Trainingseinheiten in voller Ausrüstung sind vor der Saison im Trainingslager erlaubt. Maximal vier Stunden dürfen die Spieler in der Vorbereitung täglich am Feld stehen, keine Einheit darf länger als 2,5 Stunden dauern. Insgesamt dürfen die Spieler nicht länger als zwölf Stunden pro Tag im Trainingscenter verbringen.

Chancengleichheit maximiert den Gewinn

Auch wenn soziale Ideen im US-Profisport wohl keine gewichtige Rolle spielen, Gerechtigkeit tut es doch – wenn auch vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Nur einige Beispiele: Ein „Salary Cap“ legt eine maximale Gehaltssumme fest, die für alle Teams gilt. Beim jährlichen „Draft“ darf das schwächste Team der Vorsaison als erstes aus den besten Nachwuchsspielern auswählen, das Top-Team erst am Schluss. „Man verwendet teilweise fast schon kommunistische Ideen zur Maximierung des Kapitalismus“, erklärt Michael Eschlböck leicht überspitzt. Es geht dabei aber um ein klares Ziel: „Man will gleiche Voraussetzungen für alle schaffen. Mit Geld alleine kann man dort nicht besser werden – im Gegenteil zu dem, was man zum Beispiel aus dem europäischen Fußball kennt. Es geht um Chancengleichheit, um Spannung. Die Liga ist wahnsinnig ausgeglichen, es gewinnt nicht immer dasselbe Team. Und dieses Konzept geht voll auf – sportlich und wirtschaftlich“, so der Präsident des heimischen Footballverbands weiter. 

Alle großen US-Ligen haben Kollektivverträge

US-Sportprofis wissen aber nicht nur im Football, wie wichtig gute Kollektivverträge sind: Auch in der MLB (Baseball), NBA (Basketball) und der NHL (Eishockey) sind vergleichbare Papiere im Einsatz – beim Mindesteinkommen ist die NFL mit ihren 610.000 Dollar sogar Schlusslicht. Auf Platz eins steht die NBA mit 925.000 Dollar Jahresgage, die MLB folgt mit 775.000 Dollar, auf Platz drei liegt die NHL mit 750.000 Dollar. Damit verwenden die drei finanziell erfolgreichsten Sportligen der Welt, nämlich NFL, MLB und NBA, Kollektivverträge für alle Spieler. Zählt man die NHL dazu, dann sind es vier der Top-6-Ligen – ein ganz starker Beleg dafür, dass Kollektivverträge am Ende zum Wohle aller Beteiligten sind. Die Verhandlungen werden aber beinhart geführt – inklusive aller Konsequenzen. Im Baseball befindet man sich gerade im „Lockout“, im Basketball ist der letzte Streik gerade einmal zehn Jahr her und im Eishockey ist 2005 sogar die komplette Saison ausgefallen, weil es keine Einigung gab. In der NFL gab es zuletzt 2011 einen Arbeitskampf.

Super Bowl in Los Angeles

In der Nacht von Sonntag auf Montag steigt in Los Angeles wieder einmal der Super Bowl, der Kampf um die Krone im American Football. Rund 150.000 Dollar gibt es dort für jeden Sieger, rund 80.000 Dollar für jeden Verlierer. Die billigsten Tickets kosten fast 5.000 Dollar, man kann aber auch mehrere zehntausend Dollar für eine Eintrittskarte auf den Tisch legen – völlig regulär übrigens. Aber irgendwo muss das Geld ja verdient werden. Mehr als 21 Spiele sind pro Team nämlich gar nicht möglich – sofern man im Super Bowl spielt. Wer früher ausscheidet kann schon nach 17 Spielen für mehr als ein halbes Jahr in den Urlaub fahren. Zum Vergleich: Europäische Fußballer spielen teils weit mehr als 50 Spiele pro Saison und machen fast keine Pause.

In Österreich wird das Spektakel zwischen den Cincinnati Bengals und den Los Angeles Rams traditionell auf Puls4 übertragen. Kommentiert wird dort – ebenfalls traditionell – von AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck und Walterer Reiterer. Start des Spiels ist um 00.30 Uhr. Übrigens: Auch für die Halftime-Show lohnt es sich diesmal, wach zu bleiben: Eminem, Kendrick Lamar, Snoop Dogg, Dr. Dre und Mary J. Blige geben sich die Ehre.

Bleib informiert über deine Arbeitswelt!
Jeden Freitag: Das Wichtigste aus einer Woche