Wie viel Lohn muss ich bekommen?
Dein Lohn ist dein Recht – so sichern Gewerkschaften faire Bezahlung in Österreich
Darauf können wir stolz sein: Österreich ist Kollektivvertragsweltmeister! 98 Prozent aller Arbeitnehmer:innen in Österreich sind durch Kollektivverträge (KV) geschützt. Zum Vergleich: In Deutschland sind es rund 50 Prozent, in den USA sogar nur 14. Und genau das macht den Unterschied: Kollektivverträge sichern geregelte Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch und Schutz vor Willkür.
Und dein Kollektivvertrag regelt auch Mindestlöhne bzw. Mindestgehälter.
Wir klären auf, was dir zusteht, ob es jedes Jahr fixe Lohn- und Gehaltserhöhungen gibt und warum ein gesetzlicher Mindestlohn zum Nachteil der Beschäftigten wäre.
(Anmerkung: Im Text sprechen wir durchgehend von Mindestlohn bzw. KV-Lohn. Mitgemeint ist dabei stets auch Mindestgehalt bzw. KV-Gehalt)
Was ist ein Mindestlohn?
Der Mindestlohn ist die Höhe des Geldes, das Arbeitnehmer:innen als Minimum für ihre Arbeitsleistung ausbezahlt werden muss. Diese Summe darf nicht unterschritten werden. Es gibt aber keinen einheitlichen Mindestlohn, sondern er wird in jedem Kollektivvertrag geregelt – daher sprechen wir vom KV-Lohn.
Ist der KV-Lohn für alle gleich?
Nein. Wie hoch der KV-Lohn ist, kommt auf die Tätigkeit und die Branche an.
Der jeweilige Kollektivvertrag regelt die Höhe des kollektivvertraglichen Lohns und diese ist von Branche zu Branche unterschiedlich.
Arbeitest du z. B. im Handel, gilt für dich der Kollektivvertrag für Handelsangestellte oder Handelsarbeiter:innen. Für Kellner:innen gilt der Kollektivvertrag im Hotel- und Gastgewerbe – und damit andere KV-Löhne als zum Beispiel im Handel.
Der für dich jeweils geltende Mindestlohn ist hierbei nicht nur von der Branche, sondern auch von der konkreten Tätigkeit, der Ausbildung und der Vorerfahrung abhängig.
Derzeit (April 2026), liegt der Mindestlohn in der untersten Tätigkeitsstufe in den meisten Branchen bei 2.000 Euro brutto.
Wie erfahre ich meinen KV-Lohn?
Der Arbeitgeber muss dir zu Beginn des Arbeitsverhältnisses einen Dienstzettel ausstellen – dort muss klar ersichtlich sein, wie du im Kollektivvertrag eingestuft bist und wie hoch daher dein KV-Lohn sein muss.
Der Arbeitgeber muss außerdem den im Betrieb geltenden Kollektivvertrag zur Einsicht auflegen. Wo der KV im Betrieb zu finden ist, steht auch im gesetzlich vorgeschriebenen Dienstzettel. Dort erfährst du auch, welcher KV für dein Dienstverhältnis angewendet wird.
Du kannst dich aber auch online unter www.kollektivvertrag.at informieren.
Wer bestimmt den KV-Lohn bzw. wer legt ihn fest?
Das machen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände (Vertreter:innen der Arbeitgeber) bei den Kollektivvertragsverhandlungen. Sie setzen sich zusammen und einigen sich auf die Arbeitsbedingungen – also auch den KV-Lohn.
Wird mein Lohn jedes Jahr erhöht?
Wenn dein Lohn nach dem Kollektivvertrag bezahlt wird, bekommst du die jährlichen Lohnerhöhungen, die von den Gewerkschaften ausgehandelt werden.
Auch bei längerer Betriebszugehörigkeit oder neuen Aufgaben steht dir eine Erhöhung laut Kollektivvertrag zu.
Verdienst du mehr als den Mindestlohn im Kollektivvertrag, bekommst du nur dann eine Erhöhung, wenn sie gesondert vereinbart ist – entweder im Vertrag oder durch die Verhandlungspartner des Kollektivvertrags.
Warum sind hohe KV-Löhne wichtig?
Lebensmittel, Energie und auch Wohnen sind in den vergangenen Jahren immer teurer geworden. Jede Erhöhung der Löhne der Beschäftigten wird für diese Ausgaben verwendet und fließt unmittelbar in den Konsum. Diese Erhöhungen landen also nicht auf Sparbüchern, sondern kurbeln unsere Wirtschaft an und sichern Arbeitsplätze.
Deutschland und viele andere Länder haben einen gesetzlichen Mindestlohn – warum Österreich nicht?
Ein gesetzlicher einheitlicher Mindestlohn könnte dazu führen, dass sich Arbeitgeber nur noch am gesetzlichen Minimum orientieren und dadurch höhere Löhne unter Druck geraten. Hat die Politik ihre Finger mit im Spiel, könnte die Anpassung der gesetzlichen Mindestlöhne dann auch nicht wirtschaftlichen, sondern rein wahltaktischen Überlegungen folgen.
Ein gesetzlich vorgeschriebener Mindestlohn würde den Einfluss der Gewerkschaften auf die Lohnpolitik staatlich verdrängen. Kollektivvertragsverhandlungen sind das stärkste Instrument, Löhne und Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Branchen gezielt zu sichern und zu verbessern.
Die Lohnpolitik muss weiterhin dort bleiben, wo sie hingehört. In die Hand der Gewerkschaften. Sie haben das beste Mittel zur Sicherung des Lohnniveaus – die Kraft der Solidarität.