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Ein starker Betriebsrat ist immer ein Plus für Arbeitgeber und Arbeitnehmer - auch im Handel. Robert Kneschke
Mitbestimmung im Betrieb

„Am schönsten ist das Danke der Beschäftigten“

Lidl-Betriebsrat kämpft erfolgreich für bessere Arbeitszeitregelungen

Wenn Michael Wörthner sagt: „Es gibt so viele Möglichkeiten, Verbesserungen für die Beschäftigten zu erreichen – im Betrieb und außerhalb“, dann weiß er, wovon er spricht. Der 48-Jährige ist seit zehn Jahren Betriebsratsvorsitzender des Lebensmittel-Discounters Lidl, in dieser Zeit sind im Unternehmen einige Verbesserungen für die Beschäftigten gelungen. Darüber hinaus ist Wörthner auch Mitglied des Teams, das jährlich den Kollektivvertrag für die mehr als 400.000 Handelsangestellten verhandelt.

Seit 2007 bei Lidl, zuerst als Filialleiter und ab 2010 in der Zentrale in Salzburg, musste der begeisterte Hobbysportler nicht lange überlegen, als 2014 ein Betriebsrat gegründet wurde. Gefragt, ob er kandidieren würde, zögerte er nicht lange, erzählt Wörthner: „Ich bin ein Teamplayer und würde mich als verhandlungsfreudig bezeichnen. Der Betriebsrat war also eine Challenge, die mich gereizt hat“. Seit dieser erfolgreichen Gründung ist der Familienvater auch Vorsitzender des Teams von 23 Betriebsrätinnen und Betriebsräten, das sich in allen Bundesländern für Verbesserungen der rund 6.000 Beschäftigten einsetzt. 

Brennpunkt Arbeitszeit

„Mittlerweile haben wir über 20 Betriebsvereinbarungen abgeschlossen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die meisten betreffen die Arbeitszeit, das ist schon der Brennpunkt im Handel“, berichtet er. Neben Elternteilzeit-Vereinbarungen regelt eine weitere Betriebsvereinbarung, dass ohne Zustimmung der Betroffenen nicht mehr als sechs Mehrstunden pro Monat geleistet werden dürfen. Außerdem gibt es das Recht auf eine Fünf-Tage-Woche, im Handel darf die Arbeit aufgrund der Öffnungszeiten auf sechs Tage verteilt werden.

Lidl-Betriebsratsvorsitzender Michael Wörthner
AK Salzburg (Bernhard Rieger)

Die schönsten Momente sind immer jene, wenn ein Danke der Beschäftigten kommt.

Michael Wörthner, Betriebsratsvorsitzender bei Lidl

Im Unternehmen gibt es ein Freizeitkonto, das die Grundlage für flexibleren Zeitausgleich ist. Außerdem werden Zuschläge für Mehr- und Überstunden sofort ausbezahlt. Wörthner bekommt auch vermittelt, dass die Mitarbeiter:innen das Engagement des Betriebsrats schätzen: „Die schönsten Momente sind immer jene, wenn ein Danke der Beschäftigten kommt“, freut er sich.

Einstiegsgehalt: 2.400 Euro

In der Branche wurde das Mindestgehalt von 2.000 Euro nach wochenlangen, harten Kollektivvertrags-Verhandlungen zum Jahresende 2023 endlich erreicht, es beträgt jetzt 2.124 Euro. Lidl erhöhte das Einstiegsgehalt zeitgleich auf 2.400 Euro – in diesem Fall ohne Zutun des Betriebsrats, wie Wörthner sagt.

Keine Frage, dass von diesen Verbesserungen Frauen besonders profitieren: „70 Prozent der Angestellten sind Frauen, wir stimmen alle Maßnahmen auf sie ab“, berichtet der Salzburger. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen im Handel gebe es bei Lidl kaum Probleme, Personal zu finden.

6. Urlaubswoche als nächstes Ziel

Das könnte auch so bleiben, wenn es nach weiteren Zielen Wörthners und seines Teams geht. Ganz oben auf seiner Agenda steht nämlich die Forderung nach der sechsten Urlaubswoche, die der Betriebsratsvorsitzende als Maßnahme zur Mitarbeiter:innen-Bindung bezeichnet. Nachsatz: „Ich würde das natürlich für alle Beschäftigten im Handel gerne sehen.“ Womit wir wieder dabei wären: Es gibt viele Möglichkeiten, Verbesserungen zu erreichen – im Betrieb und außerhalb. Mit einem engagierten Betriebsrat stehen die Chancen dafür definitiv besser.

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