Das solltest du bei einem Jobwechsel wissen
Warum gute Planung so wichtig ist – hier die besten Tipps
Ein Jobwechsel ist eine wichtige Entscheidung im Berufsleben. Damit du keine Rechte verlierst und keine finanziellen Nachteile hast, ist es wichtig, gut informiert und vorbereitet zu sein. Hier die wichtigsten Punkte:
Das Wichtigste in Kürze:
- Ein Jobwechsel kann Geld und Rechte kosten, wenn man unvorbereitet kündigt
- Fehler bei Kündigung, Fristen, Urlaub oder neuem Vertrag führen oft zu Nachteilen
- Der ÖGB berät, prüft Verträge und hilft bei Kündigung, Zeugnis, Urlaub und Überstunden
- Kündige nicht vorschnell, sichere alles schriftlich ab und hol dir rechtzeitig Unterstützung
Fehler vermeiden – damit du dich selbst schützt
Ein Jobwechsel ist oft eine Reaktion auf Überlastung, Druck oder ungerechte Behandlung. Um dich dabei nicht zusätzlich in eine schwierige Lage zu bringen, solltest du auf diese Punkte achten:
- Nicht kündigen, bevor etwas Neues fix ist: Auch wenn die Situation kaum mehr auszuhalten ist – ist es ratsam, erst dann zu kündigen, wenn du einen neuen Arbeitsvertrag schriftlich und unterschrieben hast. Das gibt dir Sicherheit
- Nicht aus dem ersten Ärger heraus entscheiden: Wut nach einem Streit oder einer unfairen Entscheidung ist verständlich. Trotzdem: Triff keine überstürzten Schritte. Hol dir zuerst Beratung, zum Beispiel bei deiner Gewerkschaft, beim Betriebsrat oder bei der Arbeiterkammer, und prüfe in Ruhe deine Möglichkeiten.
- Kündigungsfristen ernst nehmen: Ein Blick in Arbeitsvertrag und Kollektivvertrag lohnt sich. Fehler bei Fristen können teuer werden. Auch hier bekommst du Unterstützung beim Betriebsrat oder bei der Gewerkschaft.
- Alles Wichtige schriftlich festhalten: Verlass dich nicht auf Versprechen „per Handschlag“. Was zählt, ist das, was schriftlich vereinbart ist – das schützt dich im Ernstfall.
Du bist nicht allein. Lass dich beraten und triff Entscheidungen, die dir langfristig helfen – nicht nur dem Betrieb.
Muss ich gleich kündigen, wenn ich unzufrieden bin?
Nein. Kündigen ist ein großer Schritt – und oft nicht die einzige Möglichkeit. Wenn dich deine Arbeit belastet oder frustriert, hast du das Recht, darüber zu sprechen und Veränderungen einzufordern. Zum Beispiel:
- Weiterbildung und Entwicklung: Wenn dein Job immer mehr verlangt, darfst du auch Unterstützung einfordern – etwa durch Schulungen oder echte Entwicklungsmöglichkeiten.
- Arbeitszeit anpassen: Wenn die Belastung zu hoch wird, kann eine Reduktion der Arbeitszeit, Gleitzeit oder ein anderer Arbeitszeitrahmen helfen, wieder Luft zu bekommen.
- Andere Aufgaben oder Versetzung: Manchmal liegt das Problem nicht an dir, sondern an der konkreten Tätigkeit oder Personen. Ein Wechsel innerhalb des Betriebs kann Entlastung bringen.
- Mehr Geld für mehr Arbeit: Wenn du dauerhaft mehr leistest oder zusätzliche Verantwortung trägst, ist ein Gehaltsgespräch gerechtfertigt – gute Vorbereitung hilft dabei.
Wichtig: Du musst Unzufriedenheit und Überlastung nicht einfach hinnehmen. Hol dir Unterstützung, etwa beim Betriebsrat oder bei deiner Gewerkschaft.
Wie muss ich richtig kündigen?
- Schriftliche Kündigung: Reiche deine Kündigung am besten schriftlich ein – klar, sachlich, ohne Begründungspflicht. Notiere Datum, deine Daten und das gewünschte Beendigungsdatum.
- Kündigungsfristen: Die Frist ergibt sich aus Gesetz, Kollektivvertrag und deinem Arbeitsvertrag. Achte darauf, ob es Kündigungstermine (z. B. nur zum Monatsende) gibt.
- Nachweis sichern: Übergebe die Kündigung persönlich mit Bestätigung oder schicke sie per Einschreiben, damit du einen Nachweis hast. Elektronisch – also etwa per E-Mail ist auch möglich.
Achte darauf, dass die grundlegenden Dinge geordnet sind:
- Übergib laufende Projekte, Passwörter (wenn zulässig) und Zuständigkeiten!
- Achte darauf, dass keine persönlichen Daten auf Diensthandy oder Arbeitscomputer sind!
Habe ich Anspruch auf ein Dienstzeugnis?
Ja. Ein Dienstzeugnis ist dein Recht – und es kann für deinen weiteren Berufsweg sehr wichtig sein.
Du hast Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis, das die Dauer und die Art deiner Beschäftigung festhält.
Du entscheidest, welches Zeugnis du willst: Entweder ein neutrales Dienstzeugnis mit den wichtigsten Daten oder – wenn es in deinem Beruf üblich ist – ein qualifiziertes Zeugnis, das auch deine Leistungen und dein Verhalten beschreibt.
Worauf solltest du beim Zeugnis achten?
Ein Dienstzeugnis soll dir helfen – nicht schaden.
- Wahr und wohlwollend: Die Formulierungen müssen korrekt sein und dürfen dir nicht nachteilig ausgelegt werden.
- Alles genau prüfen: Stimmen Beschäftigungsdauer, Funktion und deine wesentlichen Aufgaben? Gerade bei „still“ erweiterten Tätigkeiten wird hier oft zu wenig erwähnt.
- Achtung bei versteckten Botschaften: Unklare oder negativ „codierte“ Formulierungen sind nicht zulässig. Ein Zeugnis darf sachlich sein – aber nicht schlecht machen.
Wenn du unsicher bist, lass dein Zeugnis prüfen – etwa durch den Betriebsrat, deine Gewerkschaft oder die Arbeiterkammer. Du hast ein Recht auf ein faires Zeugnis.
Was passiert mit deinem Resturlaub beim Jobwechsel?
Dein Urlaub ist kein Geschenk des Betriebs, sondern dein Recht – und er dient deiner Erholung, gerade in einer belastenden Phase wie einem Jobwechsel.
- Resturlaub gehört dir: Wenn du noch Urlaubstage offen hast, kannst du vereinbaren, diesen zu konsumieren. Weder kann dir der Urlaub einfach angeordnet werden, noch musst du ihn einseitig „nehmen“ – es braucht eine Vereinbarung.
- Urlaub in der Kündigungsfrist: Auch während der Kündigungsfrist soll Urlaub tatsächlich zur Erholung dienen. Er darf nicht dazu verwendet werden, dich „rasch loszuwerden“ oder Arbeitsdruck zu umgehen.
- Urlaub nicht genommen? Dann Geld: Wenn dein Urlaub nicht verbraucht wird, hast du Anspruch auf eine Urlaubsersatzleistung – also auf Auszahlung der offenen Tage.
Und was ist mit deinen Überstunden?
Auch hier gilt: Deine geleistete Arbeit muss anerkannt und abgegolten werden.
- Offene Überstunden sind zu bezahlen: Nicht konsumierte Mehr- und Überstunden dürfen nicht einfach verfallen. Sie müssen abgegolten werden.
- Behalte den Überblick: Kontrolliere deine Zeitaufzeichnungen (z. B. Gleitzeitkonto oder Stundenzettel) und sichere dir Belege.
- Hol dir Unterstützung: Kläre rechtzeitig, wie Überstunden abgegolten werden – und wende dich im Zweifel an den Betriebsrat oder deine Gewerkschaft.
Wichtig: Du hast Rechte bis zum letzten Arbeitstag. Lass dir nichts „unter den Tisch fallen“!
Habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn der neue Job noch nicht sicher ist?
Bei Arbeitnehmer:innen-Kündigung gilt eine vier-wöchige Sperrfrist für den Bezug des Arbeitslosengeldes. (außer es bestehen berücksichtigungswürdigen Gründe für die Kündigung, wie schweren gesundheitlichen Problemen, unzumutbaren Arbeitsbedingungen, zwingenden familiären Notlagen.)
Ob und wie viel man nach den vier Wochen an Arbeitslosengeld erhält, hängt u. a. von deinen Versicherungszeiten und der Höhe des (vorjährigen) Gehalts ab.
Was sollte ich vor einer Kündigung tun?
- Informiere dich bei AMS oder Beratungseinrichtungen über mögliche Sperrfristen und die Höhe des Arbeitslosengeldes.
- Wenn möglich: Kündige erst, wenn der neue Job fix und schriftlich vereinbart ist, um finanzielle Lücken zu vermeiden.
Neuer Arbeitsvertrag: Genau hinschauen!
Worauf muss ich beim neuen Arbeitsvertrag achten?
- Kollektivvertrag: Prüfe, welcher Kollektivvertrag gilt und in welcher Verwendungsgruppe du eingestuft bist. Das hat direkten Einfluss auf Mindestgehalt, Arbeitszeit und viele andere Rechte.
- Gib deinem neuen Arbeitgeber alle Vordienstzeiten bekannt (Dienstzeugnisse reichen, es muss kein Versicherungsauszug sein).
- Arbeitszeit und Überstunden: Achte auf Regelungen zu Wochenstunden, Gleitzeit, Rufbereitschaft und zur Bezahlung bzw. Abgeltung von Überstunden.
- Befristung: Schau nach, ob der Vertrag befristet ist und unter welchen Bedingungen er verlängert oder beendet werden kann.
- Konkurrenzklauseln und Nebenbeschäftigung: Prüfe, ob es Klauseln gibt, die dich bei späteren Jobwechseln einschränken können.
Was kann ich tun, wenn mir etwas unklar ist?
- Lass den Vertrag von deiner Gewerkschaft prüfen!
- Unterschreibe nicht sofort – nimm dir Zeit, Fragen zu klären und unklare oder nachteilige Formulierungen nachzuverhandeln.
Warum ist es sinnvoll, deiner Gewerkschaft den Jobwechsel zu melden?
Damit du auch im neuen Job gut geschützt bist. Ein Jobwechsel bringt viele Fragen und Unsicherheiten mit sich – deine Gewerkschaft sorgt dafür, dass du nicht allein dastehst.
- Richtig eingestuft sein: So wird sichergestellt, dass du im passenden Kollektivvertrag und in der zuständigen Gewerkschaft erfasst bist.
- Unterstützung von Anfang an: Im neuen Job hast du damit weiterhin eine starke Vertretung bei Fragen zu Arbeitsrecht, Gehalt und Arbeitsbedingungen.
Und wenn du noch kein Gewerkschaftsmitglied bist?
Gerade dann lohnt sich der Beitritt besonders – vor allem in einer Phase, in der viel auf dem Spiel steht.
- Arbeitsvertrag prüfen lassen, bevor du etwas unterschreibst.
- Dienstzeugnis-Check
- Hilfe bei Problemen mit dem alten oder neuen Arbeitgeber
- Klarheit über Kollektivvertrag, Mindestgehalt und richtige Einstufung
Gewerkschaftsmitglied zu werden ist oft in wenigen Minuten online möglich. Der Rückhalt und die Unterstützung begleiten dich aber über dein ganzes Berufsleben hinweg.
Gut vorbereitet in den neuen Job
Wenn du deinen Jobwechsel gut planst, deine Rechte kennst und dir rechtzeitig Beratung holst, vermeidest du finanzielle Nachteile und unnötigen Stress. Nutze deine Möglichkeiten im bestehenden Job, prüfe den neuen Vertrag sorgfältig und hol dir Unterstützung von deiner Gewerkschaft – dann steht einem fairen und sicheren Neustart nichts im Weg.