Wenn dein Job heimlich größer wird
Still befördert, nicht bezahlt: Das steckt hinter Quiet Hiring
Viele Menschen spüren es jeden Tag: Die Arbeitslast wird mehr, der Druck steigt.
Was früher mehrere gemacht haben, bleibt jetzt oft an einer Person hängen – ohne zusätzliches Geld, ohne neue Stellen, oft ohne ehrliches Gespräch darüber.
Dieses leise Aufhalsen zusätzlicher Aufgaben hat einen Namen: Quiet Hiring – und es trifft immer mehr Beschäftigte. Firmen machen das, um Geld zu sparen und Stellen schnell zu füllen, ohne neue Leute einzustellen.
Ob das erlaubt ist und was den Betroffenen zusteht, erklärt ÖGB-Arbeitsrechtsexpertin Verena Weilharter.
1. Darf mein Betrieb mir einfach mehr Arbeit geben?
Ja, aber es gibt Grenzen.
Oft hat man sich schon im Arbeitsvertrag dazu bereit erklärt, Mehr- und Überstunden zu leisten – das ist genau für die Zeiten, in denen mehr zu tun ist, zum Beispiel beim Jahresabschluss oder in der Grippewelle. Dies darf aber nicht zum Dauerzustand werden und mehr Arbeit darf nicht zu einer Überlastung führen!
Aber: Die Arbeit darf nicht krank machen und es gibt klare Grenzen, etwa bei Überstunden.
2. Muss ich neue Aufgaben machen, die nicht zu meinem Job gehören?
Das kommt auf deinen Arbeitsvertrag an.
In jedem Arbeitsvertrag muss die vorgesehene Tätigkeit vereinbart werden, dazu gibt es auch oft eine Stellenbeschreibung.
Sind die neuen Aufgaben nicht mit der Tätigkeit im Vertrag abgedeckt, braucht es deine Zustimmung und auch der Betriebsrat muss einbezogen werden.
3. Bekomme ich automatisch mehr Geld, wenn ich mehr arbeite?
Nein, nicht automatisch.
Mehr Arbeit heißt nicht automatisch mehr Gehalt.
Wenn du aber Mehrstunden oder Überstunden machst, müssen diese bezahlt werden.
Wenn du dauerhaft einen anderen Job mit neuen (oft auch verantwortungsvolleren) Aufgaben machst, kann das zu mehr Gehalt führen.
4. Was kann ich tun, wenn mir die Arbeit zu viel wird?
Sprich darüber.
Der erste Schritt ist ein Gespräch mit dem oder Vorgesetzten, der Personalabteilung oder dem Betriebsrat.
Wenn die Arbeit dich körperlich oder seelisch belastet, ist das ein ernstes Zeichen. Du musst das nicht einfach aushalten.
5. Kann ich mich gegen neue Aufgaben wehren?
Ja.
Wenn die neuen Aufgaben nicht vereinbart sind oder dich überfordern, kannst du sie ablehnen.
Als letzter Schritt ist auch ein Gang zum Gericht möglich, zum Beispiel um Geld (z.B. für die geleisteten Mehr- und Überstunden) einzufordern oder um die vertraglich vereinbarte Tätigkeit feststellen zu lassen und Grenzen zu setzen.
Wichtig: Hol dir Unterstützung, zum Beispiel bei deiner Gewerkschaft oder beim Betriebsrat.
6. Welche Nachteile hat „Quiet Hiring“?
Quiet Hiring hat für Arbeitnehmer:innen oft mehr Stress, Überlastung und ein höheres Risiko für Burn-out zur Folge. Häufig gibt es keine faire Bezahlung oder klare Anerkennung für die zusätzliche Arbeit.
Viele fühlen sich ausgenutzt, schlecht informiert und haben Angst, dass ihre Situation sich ohne Wechsel des Jobs nicht verbessert.