Wenn Schmerz nicht mehr das Leben bestimmt
Interdisziplinäre Therapie statt endloser Arztwege: Wie das neue Therapiezentrum im Wiener Rabenhof Versorgungslücken schließt
Das Wichtigste in Kürze:
- Neues Therapiezentrum chronischer Schmerz (TCS) im Wiener Rabenhof
- Vielfältige Therapien von Akupunktur über psychologische Unterstützung, Biofeedback bis hin zu Virtual Reality – für jährlich 750 Patient:innen
- Wird über die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) finanziert
- 1,5 Millionen Menschen in Österreich von chronischen Schmerzen betroffen – Kosten bis 8 Mrd. €/Jahr
Chronische Schmerzen gehören für viele Menschen in Österreich zum Alltag. Rund 1,5 Millionen sind betroffen – oft über Jahre hinweg. Wer Schmerzen hat, geht von Arzt zu Arzt, sammelt Befunde, probiert Therapien aus. Nicht selten ohne spürbare Verbesserung. Genau hier setzt das neue Therapiezentrum chronischer Schmerz (TCS) im Wiener Rabenhof an.
„Schmerz ist eine Volkskrankheit“, erklärt ÖGK-Obmann Andreas Huss bei seinem Besuch im neuen Therapiezentrum. „Und wir hatten bisher zu wenig Angebote, die wirklich auf die einzelnen Menschen eingehen“, betont Huss.
Ein Ort, an dem Zeit für Menschen ist
Das TCS ist an das Herz-Jesu-Krankenhaus angebunden und wird von der Österreichischen Gesundheitskasse finanziert. Für Patient:innen bedeutet das: keine zusätzlichen Kosten, aber ein deutlich anderes Behandlungskonzept.
Statt kurzer Termine bei einzelnen Fachärztinnen und -ärzten und einzelner Maßnahmen wird hier im Team gearbeitet. Gestartet wird mit einem rund zweistündigen Erstgespräch bei dem Körper und Seele im Mittelpunkt stehen, dann folgt der Therapieplan. Denn Schmerz und psychischer Stress hängen stark zusammen.
Ärzt:innen, Psycholog:innen, Pflege, Physio- und Ergotherapeut:innen arbeiten im Team. Die Therapien sind vielfältig: Bewegung, psychologische Unterstützung, Schmerzschulungen, Biofeedback, Akupunktur – bis hin zu Virtual-Reality-Anwendungen. Entscheidend ist nicht die einzelne Methode, sondern das Zusammenspiel.
„Wir schließen eine Lücke zwischen dem niedergelassenen Bereich und den Spitälern“, erklärt Dr. Manfred Greher, ärztlicher Direktor des Herz-Jesu-Krankenhauses und Leiter des Zentrums. „Chronische Schmerzen sind komplex. Sie brauchen Zeit, Zuhören und unterschiedliche Zugänge.“
Raus aus der Schmerz-Spirale
Auch für die ÖGK ist das Zentrum ein wichtiger Schritt. Andreas Huss kennt die Situation vieler Versicherter: Arbeitnehmer:innen, die trotz Schmerzen weiterarbeiten, Pensionist:innen, die sich durch das Gesundheitssystem kämpfen, oft ohne klare Anlaufstelle.
Das TCS ist Teil einer größeren Umstellung in der Gesundheitsversorgung. „Wir wollen weg vom Einzelkämpfertum, hin zu koordinierten, gut vernetzten Modellen. Dazu zählen auch Primärversorgungseinheiten, spezialisierte Angebote wie Frauenmedizin oder Diabetesversorgung und der gezielte Einsatz von Telemedizin“, erklärt Huss.
Im Zentrum wird auch digitale Betreuung genutzt – etwa für Nachbesprechungen oder die Abstimmung zwischen den Berufsgruppen. Bis zu 750 Patient:innen pro Jahr können im Rabenhof behandelt werden. Und es soll nicht bei einem Standort bleiben: Ein weiteres Schmerzzentrum ist bereits in der Donaustadt geplant.