Ella (Mitte) und ihre KollegInnen stehen für eine neue Generation in der Pflege Younion - Edison Cardes
Welttag der Pflege

Jung, engagiert, unterbezahlt – der Pflegenachwuchs

Anlässlich des Welttages der Pflege hat oegb.at junge Menschen in der Pflegeausbildung vor den Vorhang geholt

Auch nachdem Welttag der Pflege (12.5.) hat sich nicht viel geändert, bloß weil es diesen Aktionstag gibt: Die Arbeitsschichten sind nach wie vor herausfordernd, die Bezahlung sollte besser sein und auch der Pflegenotstand ist immer noch nicht gelöst. Vor dem massiven Personalmangel - bis 2030 braucht Österreich mehr als 70.000 (!) zusätzliche Pflegekräfte - warnt der ÖGB schon seit Jahren und hat wiederholt als Lösung eine bundesweite Pflegestiftung vorgeschlagen. Damit könnte man auch ein weiteres Problem lösen: Es gibt viele junge Menschen, die einen Job in der Pflege anstreben, sich aber die Ausbildung nicht leisten können. Das zeigen auch die folgenden Beispiele von drei engagierten jungen Menschen, die sich trotz oder aufgrund der Pandemie für eine Ausbildung in der Pflege entschieden haben und die oegb.at jetzt vor den Vorhang geholt hat.

Ella freut sich auf eine herausfordernde Zeit in ihrer Ausbildung Younion

 

Name: Ella

Alter: 24

Ausbildung: Bachelorstudium Gesundheits- und Krankenpflege, 6. Semester

Ella, was hat dich dazu bewogen, diese Ausbildung zu wählen?

Ich hatte bereits mein Leben lang Interesse an Medizin und dem Wunder des menschlichen Körpers – gleichzeitig arbeite ich gerne mit Menschen. Pflege hat beides für mich perfekt verbunden.

Wie schätzt du die finanzielle Lage in der Pflege allgemein und in der Ausbildung ein, Ella?

Die Pflege wird meiner Meinung nach allgemein nicht genug geschätzt, weder in der Gesellschaft noch durch Bezahlung. In Wien hat sich das Gehaltsschema verbessert, dennoch kann es nicht widerspiegeln, wie wertvoll unsere Arbeit ist. In der Ausbildung ist die finanzielle Lage jedenfalls prekär, man bezahlt nicht nur für das Studium, man bekommt auch sehr schwer und in seltenen Fällen eine Förderung. Und das, obwohl man 2.000 Praktikumsstunden im Verlauf der Ausbildung absolviert – dafür, dass man teilweise wie eine Vollzeitangestellte mitarbeitet. Ich würde es mir ohne die Unterstützung meiner Eltern nicht leisten können.

Liebe Ella, hast du eine Botschaft an junge Menschen, die Interesse an Pflege haben, aber sich noch unsicher sind?

Try it! Auch wenn es zu Zeiten von Covid-19 vielleicht nicht so einfach ist: Versucht, einen Praxistag in einem Krankenhaus zu bekommen oder in der FH oder in der Krankenpflegeschule an einem Lehrveranstaltungstag teilzunehmen. Je früher man ein Gefühl für PatientInnen entwickelt, desto eher weiß man, ob man als PflegerIn glücklich werden kann. Es ist ein Beruf, der einem sehr viel zurückgeben kann und ein diverses Feld an Möglichkeiten bietet – von Langzeitpflege über Bettenstation bis zur Intensivstation und Spezialbereichen – jede und jeder kann seinen oder ihren Platz finden.

Die allgemeine finanzielle Lage hängt vom Arbeitgeber ab, erklärt Christopher Younion

 

Name: Christopher

Alter: 27

Ausbildung: Studium der Angewandten Gesundheits- und Krankenpflege

Christopher, was hat dich dazu bewogen, diese Ausbildung zu wählen?

Bewogen hat mich ziemlich viel, aber auch gleichzeitig recht wenig: Pflegepersonen, ihre Erzählungen und die Art und Weise, wie PflegerInnen auftreten, haben mich begeistert. Aber auch schon davor war mir klar, dass mein Herz auch für eine soziale Arbeit schlägt. Nach zehn Jahren als Bürokaufmann und der nachgeholten Berufsreife war klar, dass es Zeit wurde, die Segel zu setzen und den frischen Wind einer neuen Aufgabe zu spüren.

Wie schätzt du die finanzielle Lage in der Pflege allgemein und in der Ausbildung ein, Christopher?

Schwierig. Viele Personen treffen die Entscheidung für die Pflege nicht gleich, sondern probieren zunächst andere Zweige wie Medizin, Soziale Arbeit oder ganz andere Studienrichtungen aus. Daher kommen die meisten Förderungen wie die Studienbeihilfe oder das Selbsterhalterstipendium meist nicht in Frage. Aber auch abseits der Förderungen müssen „ältere“ in Ausbildung stehende Menschen auf teurere Produkte zurückgreifen - zum Beispiel gilt das Semesterticket nur für StudentInnen unter 26.

Die allgemeine finanzielle Lage in der Pflege hängt auch vom Arbeitgeber ab: In Gemeindespitälern und Pflegeeinrichtungen ist das Gehalt in den letzten Jahren angestiegen und liegt, nach meiner Einschätzung, auf einem guten Stand, wodurch ein gewisser Lebensstandard erreicht werden kann. Auf der anderen Seite sind in der Mobilen Pflege oder in Privatkliniken, privaten Pflegeeinrichtungen oder Rehazentren, die finanziellen Ressourcen der MitarbeiterInnen eher gering.

Lieber Christopher, hast du eine Botschaft an junge Menschen, die Interesse an Pflege haben, aber sich noch unsicher sind?

Die Pflege, egal welcher Ausbildungsgrad, ist ein krisensicherer, wunderschöner, trauriger, lustiger und vielfältiger Beruf. Kein Tag gleicht dem anderen, keine Station der anderen, keine Patientin der anderen, kein Team dem anderen. 

Es gibt viele verschiedene Bereiche, vom actionreichen „Emergency Room“ über Neugeborenenstationen bis hin zu Langzeitpflegestationen. Von der Geburt über Unfälle bis hin zum Lebensende kann man also in der Pflege alles sehen. Da findet jede und jeder etwas für sich.

Wenn du Interesse an der Pflege hast, ist es schon zu spät - denn früher oder später wird dich der Gedanke einholen und du wirst die Ausbildung starten. Außerdem ist das Interesse an dem Beruf alleine schon der größte Befürwortungsgrund, den es gibt, um die Ausbildung zu starten!

Für Anna ist es wunderschön mit Menschen zu arbeiten, die ihre Hilfe brauchen Younion

 

Name: Anna

Alter: 26

Ausbildung: Pflegefachassistentin

Anna, was hat dich dazu bewogen, diese Ausbildung zu wählen? 

Schon lange hatte ich den Wunsch, in einem Beruf im Gesundheitswesen oder Sozialbereich zu arbeiten. Vor der Ausbildung habe ich bereits in mehreren ehrenamtlichen Jobs Erfahrungen sammeln können und mich dadurch auch schlussendlich entschieden, dass die Ausbildung zur Pflegefachassistentin genau der richtige Weg im Arbeiten mit anderen Menschen für mich sein kann. Als Kind habe ich oft davon geträumt, als „Krankenschwester" zu arbeiten.

Wie schätzt du die finanzielle Lage in der Pflege allgemein und in der Ausbildung ein, Anna? 

Ich bin am Beginn der Ausbildung bereits komplett eigenständig mitten im Leben gestanden und hatte natürlich auch finanzielle Einbußen, welche auf die Ausbildung zurückzuführen sind. Durch finanzielle Unterstützung konnte ich aber meinen Lebensstandard während der Ausbildung halten.

Liebe Anna, hast du eine Botschaft an junge Menschen, die Interesse an Pflege haben, aber sich noch unsicher sind?

Gerade in der Ausbildung beginnt ein sehr interessanter Prozess der persönlichen Weiterentwicklung. Es ist wunderschön, mit den Menschen zu arbeiten, welche auf die Hilfe anderer Personen angewiesen sind. Ein „Danke" oder auch ein anerkennendes Lächeln einer Patientin oder eines Patienten kann den Arbeitstag zum schönsten Tag der Woche machen. 

In der Pflege zu Arbeiten kann das Erfüllendste sein, dass man je gemacht hat – zumindest ist es in meinem Fall so.

 

Der ÖGB will die Schaffung einer bundesweiten Pflegestiftung

Der ÖGB hat schon vor Monaten ein Arbeitsmarktprogramm vorgelegt, mit dem innerhalb eines Jahres 150.000 Jobs geschaffen werden können. Einer der Schwerpunkte des Programms ist die Umschulung und Weiterqualifizierung von MitarbeiterInnen. 

Genau für diesen Bereich können Arbeitslose jetzt umgeschult und qualifiziert werden – und zwar finanziell abgesichert. Arbeitsstiftungen setzen genau dort an. Deshalb wäre die Errichtung einer bundesweiten Pflegestiftung genau der richtige Schritt. 

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