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ÖGB-Penionist:innen protestierten gegen den Pflegenotstand, denn es braucht eine dauerhafte Absicherung der Pflege und Betreuung Harun Çelik – ÖGB

Pflegesystem

Wenn Pflege nötig wird

ÖGB-Pensionist:innen kämpfen für ein gerechtes Pflegesystem

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 400.000 Menschen in Österreich brauchen Pflege – und es werden mehr. Viele können sich professionelle Pflege kaum leisten
  • Der Pflegefonds (= staatliches Geld für Pflege) ist nur bis 2028 beschlossen. Was danach kommt, ist unklar
  • Pflegepersonal arbeitet oft am Limit: schlechte Bezahlung, Personalmangel, harte Bedingungen. Das schadet Beschäftigten und Pflegebedürftigen gleichermaßen
  • Der ÖGB fordert: Pflege muss dauerhaft finanziert und für alle leistbar sein – egal wie hoch die Pension ist

Es gibt Momente im Leben, da wird plötzlich vieles schwerer. Einkaufen gehen. Kochen. Sich anziehen oder die Wohnung sauber zu halten. Der Körper macht nicht mehr mit wie früher. Die Beine schmerzen, der Rücken tut weh und selbst bei kleinen Wegen geht der Atem aus. Viele ältere Menschen kennen das. 

In Österreich sind rund 1,9 Millionen Menschen älter als 65 Jahre. Viele von ihnen brauchen im Alltag Unterstützung – manchmal nur ein bisschen, manchmal rund um die Uhr. Oft helfen zuerst Familie, Freund:innen oder Nachbar:innen. Doch wenn das nicht mehr reicht, braucht es umfassendere Pflege durch Angehörige, durch mobile Dienste, 24-Stunden-Betreuer:innen oder in einem Pflegeheim. 

Schon heute sind rund 400.000 ältere Menschen in Österreich auf Pflege angewiesen, und es werden immer mehr. Mehr als die Hälfte von ihnen wird von Angehörigen gepflegt. Meist sind es Frauen, die diese wichtige Arbeit übernehmen. Sie tun dies teils zusätzlich zum Beruf oder zur eigenen Pension. Bezahlt wird diese Arbeit nicht. Das hat Folgen: weniger Einkommen, weniger Pension und oft große Belastungen im Alltag. 

Die Kosten für professionelle Pflege werden vom Staat und von den Pflegebedürftigen selbst bezahlt. Besonders problematisch ist, dass der Pflegefonds immer nur für einen bestimmten Zeitraum beschlossen wird – aktuell bis 2028. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss. Das sorgt für Verunsicherung. 

Pflege darf keine Frage des Geldes sein 

Der ÖGB setzt sich deshalb für eine dauerhafte Absicherung der Pflege und Betreuung ein. Ebenso wie für eine leistbare Pflege für all die Menschen, die diese Pflege brauchen. Für die Vorsitzende der ÖGB-Pensionist:innen, Monika Kemperle, ist klar: „Pflege darf keine Frage des Geldbörserls sein. Wer Hilfe braucht, muss sie auch bekommen – unabhängig vom Pensionseinkommen.“ 

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Gute Pflege braucht gute Arbeitsbedingungen 

Auch für das Pflegepersonal ist die Situation schwierig. Seit Jahren fehlt es an Mitarbeiter:innen. Viele Beschäftigte arbeiten am Limit. Die Arbeit ist körperlich anstrengend, psychisch belastend und oft schlecht bezahlt. Schichtdienste und Personalmangel machen den Alltag zusätzlich schwer. 

Der ÖGB setzt sich daher für bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und Gehälter für das Pflegepersonal ein.  

Ebenso sollen pflegende Angehörige mehr entlastet werden und Unterstützung bekommen.  

Kemperle macht deutlich, was diese Situation für das Pflegepersonal und die Pflegebedürftigen heißt: „Wer völlig erschöpft ist, kann nicht gut für andere sorgen. Das ist eine unhaltbare Situation – für die Beschäftigten und für die Menschen, die auf Pflege angewiesen sind.“ 

ÖGB-Pensionist:innen machten österreichweit Druck 

Rund um den Tag der Pflege haben die ÖGB-Pensionist:innen in allen neun Bundesländern auf die Probleme im Pflegesystem aufmerksam gemacht. Mit Straßenaktionen, Flyern und Riesenzeitungen informierten sie vor Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und auf öffentlichen Plätzen über die schwierige Situation in der Pflege. In zahlreichen Gesprächen mit Passant:innen, Medienvertreter:innen und Betroffenen brachten sie die Probleme im Pflegesystem zur Sprache. 

“Würdevolles Altern darf kein Privileg sein. Es braucht ein starkes Pflegesystem – für die Menschen, die Hilfe brauchen, und für jene, die diese Hilfe leisten”, betont Kemperle. 

Die Forderungen des ÖGB im Überblick: 

  • Pflege und Betreuung müssen für alle leistbar sein – die Finanzierung muss dauerhaft gesichert werden. 
  • Bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und Gehälter für das Pflegepersonal. 
  • Einheitliche Standards im Pflege- und Betreuungsbereich.
  • Ausbau und ausreichende Finanzierung von Palliativeinrichtungen. 
  • Flächendeckende, leistbare Unterstützungsangebote – auch für pflegende Angehörige. 
  • Höhere Ausbildungsstandards für 24-Stunden-Betreuer:innen.  

 

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