Coop – Genossenschaften – Was ist das, was bringt es und weswegen ist solidarisch wirtschaften ein interessantes Modell?“, 27.1.21 14.00 – 16.30 via Zoom

 

Genossenschaft, Kooperative, Coop – Was ist das und wieso ist solidarisch wirtschaften eine interessante Alternative? Am 27.01.2020 haben rund 41 TeilnehmerInnen aus den Projektländern sowie aus mehreren anderen europäischen Staaten die Fakten und Fragen zum Wirtschaftsmodell „Genossenschaft“ diskutiert. ExpertInnen aus Österreich und Frankreich gaben einen Überblick über die Rechtsform und ihre Vor- und Nachteile, verschiedene Genossenschaften in Europa, sowie direkte Erfahrungen aus den Bereichen Food Delivery/Botendienst (Coop Cycle) und Software/Grafik (Lekton).


Christian Kaserer, freier Journalist und Autor des Buches, „Coop – Selbstverwaltete Projekte und Betriebe in Europa“ gab einen internationalen Überblick über Kooperativen. Er zeigte Anhand des größten Verbands von Kooperativen weltweit, Mondragón Corporación Cooperativa (MCC), dass demokratische Selbstverwaltung nicht nur in kleinen Projekten oder Genossenschaften möglich ist. Mondragón ist der siebtgrößte Konzern in Spanien mit über 80 000 MitarbeiterInnen und wirtschaftlich sehr erfolgreich. MCC ist die „Dachorganisation“, die ungefähr 100 kleinere Genossenschaften beinhaltet. Die MitarbeiterInnen der MCC sind am Gewinn beteiligt sowie an strategischen Entscheidungen eingebunden. Schwierigkeiten in den einzelnen Betrieben werden versucht intern aufgefangen zu werden – bei größeren betrieblichen Schwierigkeiten, die nicht wirtschaftlich lösbar sind, wird der Wechsel zu einer anderen Genossenschaft (Betrieb) ermöglicht. Kaserer berichtete weiters über eine Genossenschaft in Thessaloniki (Griechenland), die aus einer Notlage gegründet wurde: VIO.ME – eine Produktionsgenossenschaft für Seife. Die Betriebsstätte, die früher eine Firma für Fliesenkleber, Philkeram-Johnson, beherbergte, hat von einem Tag auf dem anderen geschlossen – alle MitarbeiterInnen wurden arbeitslos. Die entlassenen Menschen beschlossen den Betrieb zu besetzen und mit den Maschinen Seife herzustellen.


Über die unterschiedlichen Rechtsformen und ihre Vor- und Nachteile berichtete Dr. Karl Staudinger von der Förderungs- und Prüfungsverein gemeinwohlorientierter Genossenschaften „Rückenwind“. Rückenwind wurde 2016 vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft als Prüfverein anerkannt. Um eine Genossenschaft zu gründen muss die Aufnahme in einen solchen Prüfverein zugesichert werden. Die Genossenschaft muss Satzung und Wirtschaftsplan vorlegen und muss der Revisionsverband auch von der wirtschaftlichen Machbarkeit überzeugen. Genossenschaften sind zu einer Revision jedes zweite Jahr verpflichtet (aufsichtsratspflichtige Genossenschaften ab 40 ArbeitnehmerInnen jährlich). Das Gründungsprinzip einer Genossenschaft ist die Förderung des Erwerbs der Mitglieder, der Wirtschaft der Mitglieder oder der sozialen Tätigkeiten der Mitglieder. Im Vergleich zu einem Verein darf eine Genossenschaft Gewinne ausschütten. Einer der wichtigsten Unterschiede zu einer GmbH ist die Tatsache, dass keine Mindestkörperschaftsteuer verlangt wird. Ähnlich wie bei einer GmbH haften Mitglieder nur mit ihrem Geschäftsanteil und dann doch weiters mit einem Beitrag in derselben Höhe des Geschäftsanteiles.

Aus Frankreich berichtet Arthur Hay von COOP Cycle, ein Zusammenschluss von Fahrradliefer-Genossenschaften, wie bei dieser Unternehmensform es möglich ist, FahrradbotInnen faire Arbeitsverhältnisse anzubieten. Im Unterschied zu viele Plattform-Firmen im Bereich „Food Delivery“ dürfen ArbeitnehmerInnen nur als Angestellte aufgenommen werden und nicht als freie DienstnehmerInnen oder Selbstständige. Gewinne werden nicht an Shareholder, sondern an die ArbeitnehmerInnen ausgeschüttet. Hay berichtet weiters, dass durch die demokratische Verwaltung und Bündelung der Ressourcen es möglich ist, Kosten zu senken. Somit zeigt sich CoopCycle als äußerst konkurrenzfähig und schafft eine starke Verhandlungsmacht, um die Rechte der FahrradbotInnen zu schützen bzw. zu stärken.

Lektion eG ist eine Genossenschaft von DesignerInnen und SoftwarentwicklerInnen, die sowohl die Freiheit und selbstbestimmtes Arbeiten als auch Teamarbeit sehr schätzen. Seit 2018 besteht diese Kooperative, die übrigens auch im Revisionsverband Rückenwind aufgenommen ist, aus sechs Teammitgliedern die früher alle EinzelunternehmerInnen waren. Auch sie haben bewiesen, dass sie nicht nur durch die Genossenschaft ihre prekären Arbeitsverhältnisse als Selbständige beenden konnten, sondern auch ein erfolgreiches Unternehmen sein können - durch Fairness, Teamgeist und geringe Overheadkosten.

Die Aufnahme dieses Webinars würde von RidersCollective unter https://www.riderscollective.at/coop-webinar bereitgestellt.