Solidarität zeigt Wirkung: Belarussischer Gewerkschaftspräsident freigelassen
Aleksandr Yarashuk bedankte sich und bat um Druck für Enthaftung seiner immer noch zu Unrecht inhaftierten Kolleg:innen
Das Wichtigste in Kürze:
- In Belarus wurden Gewerkschafter:innen verhaftet, weil sie für freie Wahlen und Rechte im Job eingetreten sind
- Einer von ihnen, Aleksandr Yarashuk, ist jetzt frei – auch durch internationalen Druck und Solidarität
- Der ÖGB hat weltweit Solidarität organisiert und setzt sich weiter für die Freilassung aller ein
- Zusammenhalt über Ländergrenzen hilft, Rechte zu schützen
- Unterstützung bleibt wichtig: Druck machen und Solidarität zeigen, bis alle zu Unrecht Inhaftierten frei sind
„Das Regime hat die größte Angst vor Menschen, die sich für die Rechte von Arbeitnehmer:innen einsetzen“, sagt Aleksandr Yarashuk, Präsident des freien belarussischen Gewerkschaftsbunds BKDP. Der 74-Jährige war am 20. April 2022 wie viele andere Mitglieder des BKDP verhaftet worden – ihre „Vergehen“: die Teilnahme an friedlichen Protesten gegen die gefälschte Wiederwahl von Diktator Lukashenko und an ebenso friedlichen Massendemos für freie Wahlen. Gewerkschaftszentrale und Privatwohnungen wurden durchsucht. Im Dezember 2022 wurde Yarashuk zu vier Jahren in einer Strafkolonie verurteilt. Ein Schicksal, das er mit vielen Kolleg:innen teilte.
ÖGB startete Aktion
Bereits im Herbst 2022 startete der ÖGB beim IGB-Kongress in Australien eine Solidaritätsaktion für die sofortige Freilassung der zu Unrecht inhaftierten Gewerkschafter:innen in Belarus. Viele Gewerkschaften folgten dem Aufruf, machten öffentlich Druck und nützten alle politischen Kanäle. Im September 2025 wurde Präsident Yaroshuk aus der Strafkolonie entlassen und ohne Papiere nach Litauen abgeschoben. Seitdem lebt er in Deutschland und kämpft bei Salidarnast, einer Organisation der belarussischen Gewerkschaftsaktivist:innen im Exil in Deutschland für den Wiederaufbau einer unabhängigen Gewerkschaftsbewegung und für die Freilassung von Gewerkschafter:innen.
„Ohne euch könnte ich heute nicht hier sein“
Am 20. April 2026 – genau vier Jahre nach seiner Verhaftung – war er zu Gast im ÖGB-Bundesvorstand. Die internationale Solidarität habe ihm während der Haft Kraft gegeben und wesentlich zu seiner Freilassung beigetragen. „Ohne euch könnte ich nicht hier sein“, bedankte er sich für die Solidarität des ÖGB. Manchmal wache er in der Nacht auf und erinnere sich an die ersten Stunden nach der Verhaftung. Er habe, erschöpft von stundenlangen nächtlichen Verhören, oft nicht gewusst, ob er am nächsten Tag noch am Leben sein würde. „Ich wusste aber, dass es in anderen Ländern Gewerkschaften und Freunde gibt, die für mich kämpfen. Das hat mir sehr geholfen“, bedankte er sich.
Internationale Solidarität geht weiter
„Wir unterstützen den Kampf für Demokratie, wo wir können. Ohne Demokratie gibt es keine freien Gewerkschaften“, sagte ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian weitere Unterstützung zu: „Dieser Kampf kann nur international geführt werden.“
Und er muss auch für die Gewerkschafter:innen in Belarus weitergehen. 20 Kolleg:innen sind immer noch inhaftiert. „Es ist unglaublich, manche von ihnen wurden zu 16 Jahren verurteilt“, berichtet Yaroshuk: „Ich bitte euch um eure Unterstützung, bis sie alle frei sind.“