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Kinderarbeit ist seit 1842 in Österreich verboten. Und doch ist sie Teil unseres Alltags. AungMyo – stock.adobe.com

Kinderarbeit bekämpfen heißt Arbeitsrechte stärken

Globale Lieferketten, globale Verantwortung – Österreich darf nicht wegschauen. ÖGB regt nationalen Aktionsplan an

Kinderarbeit ist seit 1842 in Österreich verboten. Und doch ist sie Teil unseres Alltags. Sie steckt in Schokolade und Kakao, in Kleidung aus Baumwolle, in Tee, Kosmetik und in Elektronik. Was hier konsumiert wird, entsteht oft unter Bedingungen, die für Kinder Ausbeutung bedeuten.

Weltweit müssen rund 140 Millionen Kinder arbeiten – in Bergwerken, auf Plantagen und in Fabriken. Etwa ein Drittel von ihnen leistet gefährliche Kinderarbeit: Sie sind gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, arbeiten unter lebensgefährlichen Bedingungen und haben kaum Zugang zu Bildung. In den extremsten Fällen werden Kinder als Soldaten missbraucht, in der Sexarbeit ausgebeutet oder als Drogenkuriere eingesetzt. 

Ergebnis von Armut und fehlender sozialer Absicherung

Kinderarbeit ist kein Randproblem und kein individuelles Versagen einzelner Familien. Sie ist das Ergebnis von Armut, fehlender sozialer Absicherung und ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen. Dort, wo Erwachsene von ihrer Arbeit nicht leben können, müssen Kinder zum Überleben der Familie beitragen. Das ist keine Hilfe – das ist Ausbeutung.

Seit Jahren fordern internationale Organisationen wie UNICEF und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) Maßnahmen gegen Kinderarbeit. Es gibt Abkommen, Aktionspläne und Zielvereinbarungen. Bereits 2010 wurde bei einer UN-Konferenz das Ziel formuliert, Kinderarbeit bis 2030 vollständig abzuschaffen. Die Realität zeigt jedoch: Freiwillige Selbstverpflichtungen und wohlklingende Erklärungen haben Kinderarbeit nicht beendet.

Von 11. bis 13. Februar 2026 treffen sich in Marrakesh erneut Politiker:innenGewerkschafter:innen und Vertreter:innen von NGOs zu einer globalen UN-Konferenz gegen Kinderarbeit. Auch dieses Mal wird es an klaren Worten und hehren Zielen nicht mangeln. Entscheidend wird aber sein, ob diesen Worten endlich verbindliche Maßnahmen folgen – oder ob es bei Absichtserklärungen bleibt. 

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Das Wichtigste auf einen Blick

„Kinderarbeit verschwindet nicht allein durch Konferenzen“

Gewerkschaften spielen im Kampf gegen Kinderarbeit eine zentrale Rolle. Sie setzen sich weltweit für existenzsichernde Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und abgesicherte Beschäftigungsverhältnisse ein. Wo Arbeitsrechte gelten und Beschäftigte organisiert sind, sinkt der wirtschaftliche Druck auf Familien – und damit auch die Abhängigkeit von Kinderarbeit. Kinderarbeit zu bekämpfen, heißt immer auch, Erwachsenenrechte zu stärken. 

Was heißt das für Gewerkschaften in Ländern wie Österreich?

Vor allem eines: politischen Druck aufbauen. Der Einsatz für verbindliche Gesetze und klare Unternehmensverantwortung ist zentral. Dass das EU-Lieferkettengesetz nach massivem Druck der Wirtschaftslobby stark verwässert wurde, ist ein Rückschlag. Doch Gewerkschaften und NGOs werden nicht lockerlassen: Freiwilligkeit schützt keine Kinder – verbindliche Regeln schon.

Bewusstsein der Konsument:innen ist da, mehr Kennzeichnung von Kinderarbeit „ein Muss“

Gleichzeitig geht es darum, Konsument:innen faire Entscheidungen zu ermöglichen. In Österreich gibt es rund 2.500 Produkte mit dem Fairtrade-Siegel, die ohne Kinderarbeit und unter fairen Bedingungen hergestellt wurden. Das Siegel ist bekannt und genießt Vertrauen. Dennoch bestätigt eine kurze Straßenumfrage von oegb.at: Konsument:innen sind sich zwar der Problematik bewusst und würden auf Produkte, die in Kinderarbeit entstanden sind, verzichten. Deutlichere Kennzeichnung wäre aber hilfreich, wie eine Passantin erklärt: „Ich weiß nicht genau, wie ich darauf achten kann.“ Mehr Hinweise auf den Produkten wären „wirklich gut“, ergänzt eine andere Frau. „Das ist eigentlich ein Muss“, meint eine weitere. Alle Befragten sind sich einig, dass sie diese Produkte nicht kaufen würden.

Es braucht mehr als Appelle

Die Politik müsse mehr tun, fordert eine Frau, sie müsse sich stärker beschäftigen mit dem Thema Kinderarbeit. Auch Marcus Strohmeier, Internationaler Sekretär des ÖGB, fordert mehr als nur Appelle. Das Bewusstsein in der Bevölkerung sei vorhanden, dieses Potenzial müsse endlich genutzt werden.

Strohmeier schlägt deswegen einen nationalen Aktionsplan vor, erarbeitet von Bundesregierung und Sozialpartnern, um Produkte ohne Kinderarbeit sichtbar zu machen und faire Produktion gezielt zu fördern. „Der Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern auf der ganzen Welt braucht mehr Tempo. Österreich könnte mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt Strohmeier: „Kinderarbeit wird nicht durch Konferenzen abgeschafft. Sie verschwindet erst dann, wenn Ausbeutung keinen Platz mehr in globalen Lieferketten hat – und wenn Politik und Wirtschaft bereit sind, Verantwortung nicht länger auszulagern. Hier darf niemand wegschauen.“